Liste 13

Luzi Stamm irritiert: Er macht Wahlwerbung mit Verstorbenen – und nicht nur das

Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm.

Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm.

Noch-SVP-Nationalrat Luzi Stamm irritiert mit einer vierseitigen Wahlwerbung in der «Badener Woche».

Der Mann will unbedingt wieder nach Bern. Gleich vier Seiten der neuen Ausgabe der «Badener Woche» hat Noch-SVP-Nationalrat Luzi Stamm gekauft und mit persönlicher Wahlwerbung gefüllt. Das Gratisblatt, das alle zwei Wochen in verschiedenen regionalen Ausgaben mit einer Auflage von rund 75'000 Exemplaren im östlichen Kantonsteil erscheint, wird so praktisch zur Luzi-Stamm-Sonderausgabe. Stamm braucht die vier Seiten, um den Menschen im Ostaargau zu erklären, warum es Luzi Stamm wieder in Bern braucht und man deshalb unbedingt seine Liste 13 mit dem durchaus passenden Namen «LS – Luzi Stamm» einwerfen sollte.

Er wäre gerne früher aktiv geworden, sagte Stamm. Aber ihm habe die Zeit gefehlt, man dürfe nicht vergessen, dass er praktisch «mutterseelenallein» unterwegs sei, um für seine Anliegen zu kämpfen.

Leicht bizarr ist, was Luzi Stamm der Leserschaft in der Region Baden auf der Titelseite präsentiert. Zitiert wird da etwa der Crêpes-Verkäufer R. C., der vor dem Bundeshaus seinen Stand hat und gesagt haben soll: «Nationalrat Stamm wurde nach seinem Lockvogel-Kauf von einem Gramm Kokain massiv kritisiert. Aber ich halte fest: (…) Seit diesem Vorfall finden sich zwischen Bundeshaus und Bahnhof keine Drogen-Dealer mehr. Danke, Luzi Stamm!»

Der Verkäufer kommt zum abenteuerlichen Schluss: «Niemand kann so blöd sein, nicht zu sehen, dass mit Lockvogelaktionen die offene Drogen-Szene abgestellt werden könnte.»

Diese doch recht überraschende Einsicht des Crêpes-Verkäufers vom Bundesplatz hat Mark Baur für das Badener Publikum formuliert und wohl auch recherchiert. Mark Baur? Richtig, Mark Baur kandidiert auch auf der Liste 13 von Luzi Stamm. Allerdings verfolgt er das politische Geschehen nicht aus nächster Nähe. Er wohnt in Nairobi.

Stamm benützt Beat Richner und Margrit Fuchs

Wer oder was spricht sonst noch für Luzi Stamms Wiederwahl in den Nationalrat? Stamm agiert da recht unbelastet von jeglicher Pietät und behauptet, wenn Beat Richner und Margrit Fuchs noch leben täten, dann würden sie ihn wählen.

© Getty Images/iStockphoto

Nun ist es aber so, dass Kinderarzt Beat Richner, der das Kinderspital Kantha Bopha in Phnom Penh aufbaute, vor gut einem Jahr verstorben ist. Bereits 2007 verstarb Margrit Fuchs, die Gründerin eines Hilfswerkes in Ruanda. Sowohl Richner als auch Fuchs hätten ein «sehr nahes Verhältnis» zu Stamm gehabt, schreibt Stamm. Der Beweis: Immer um die Weihnachtszeit hätten die drei miteinander telefoniert. Immerhin muss man Stamm zugutehalten, dass er möglicherweise der erste Politiker ist, der mit verstorbenen Persönlichkeiten Wahlwerbung macht.

Verleger bot einen «Vorzugspreis»

Zwei weitere Seiten braucht Stamm, um für seine am 8. Oktober lancierte Volksinitiative «Hilfe vor Ort im Asylbereich» zu werben.

Stamm möchte erreichen, dass Gelder für das Asylwesen künftig grundsätzlich im Ausland eingesetzt werden. In der Schweiz sollen Asylsuchende ausschliesslich nur noch mit Sachleistungen unterstützt werden, bis sie selber für sich aufkommen können. Damit diese Initiative erfolgreich sein kann, braucht es die Liste 13 und Luzi Stamm als Nationalrat in Bern, argumentiert Stamm.

In leicht anderer Form ist Stamms Wahlwerbung bereits Anfang Woche in verschiedenen anderen regionalen Ausgaben der «Aargauer Woche» erschienen. Der Verleger habe ihm einen Vorzugspreis für zehn Bezirke angeboten, sagte Stamm.

Luzi Stamm – seine politische Karriere in Bildern:

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

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