Lockerungen
Fitnesszentren dürfen wieder öffnen: «Gruppentrainings bleiben praktisch unmöglich»

Fitnesstrainerin und SVP-Grossrätin Nicole Müller-Boder freut sich über den Entscheid des Bundesrates, dass Fitnesszentren ab Montag wieder öffnen dürfen. Sie hätte nicht damit gerechnet. Eine Einschränkung kritisiert sie aber.

Noemi Lea Landolt
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Nicole Müller-Boder arbeitet in mehreren Fitnesszentren.

Nicole Müller-Boder arbeitet in mehreren Fitnesszentren.

zvg

Ab Montag dürfen Fitnesszentren wieder öffnen. Das hat der Bundesrat am Mittwoch beschlossen. Zwar gibt es weiterhin Auflagen: Für Sport in Gruppen gilt zum Beispiel eine Obergrenze von 15 Personen. Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden und es gilt Maskenpflicht.

Allerdings gibt es Ausnahmen, wenn der Sport mit Maske nicht ausgeübt werden kann – also zum Beispiel beim Ausdauertraining. Dann muss aber pro Person genügend Platz zur Verfügung stehen: Für ruhige Sportarten 15 Quadratmeter pro Person, für alle anderen Sportarten mindestens 25 Quadratmeter pro Person.

Fitnesstrainerin und SVP-Grossrätin Nicole Müller-Boder hat sich bereits Ende Oktober beim Bundesrat dafür eingesetzt, dass Fitnesszentren wieder öffnen dürfen. Sie argumentierte, die Schutzkonzepte würden funktionieren.

Der Tele M1-«Aktuell»-Beitrag zum Thema.

Tele M1

Müller-Boder hätte nicht damit gerechnet, dass Fitnesszentren schon am Montag wieder öffnen dürfen. Der Entscheid nimmt sie aber mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. «Ich freue mich, dass zumindest Krafttraining wieder möglich ist», sagt sie.

Kritik an Einschränkungen für Gruppentrainings

Die Einschränkungen für Gruppen-Ausdauertraining ohne Maske gehen Müller-Boder allerdings zu weit:

«Ich kenne niemanden, der so grosse Räume hat und jeder Person während dem Training 25 Quadratmeter Platz zur Verfügung stellen kann.»

Die meisten Gruppentrainings seien «sehr anstrengend» und mit Maske «schlicht nicht zumutbar». Müller-Boder vermutet deshalb, dass viele Fitnessstudios, die ausschliesslich Gruppentrainings anbieten, nicht von den Lockerungen profitieren. «Es ist für die Fitnesszentren so nicht lukrativ.» Insofern sei die beschlossene Lockerung eine Farce, sagt Müller-Boder.

Ausdauertraining draussen statt im Studio

Und selbst wenn die Fitnesszentren Kurse mit Maskenpflicht anbieten, würden wohl die meisten Kundinnen und Kunden – vor allem jetzt in der warmen Jahreszeit – ihr Ausdauertraining nach draussen verlegen, vermutet Müller-Boder.« Dort können sie maskenfrei joggen oder velofahren.»

Den Fitnesszentren würden deshalb nur die Kraftsportler bleiben. «Von denen alleine kann aber kein Fitnesscenter leben.» Die SVP-Grossrätin fragt sich, ob der Bund hier finanzielle Unterstützung leisten werde.

Ist die Öffnung nur von kurzer Dauer?

Trotz ersten Lockerungen schwinge auch eine gewisse Angst mit, wie lange die Fitnesszentren dieses Mal offenbleiben dürfen oder ob sie vielleicht bald wieder schliessen müssen, sagt Müller-Boder weiter. Unklar sei auch, wie viele Leute ins Fitnesszentrum kommen und wie viele aus Angst vor einer Ansteckung zuhause bleiben.