WWOOF
Lieber jäten als relaxen: Aktivferien auf dem Bauernhof werfen rechtliche Fragen auf

Wwoof (World Wide Opportunities on Organic Farms) heisst die Bewegung, die jährlich weltweit 120 000 freiwilligen Helfern einen temporären Arbeitsplatz auf einem Bauernhof vermittelt. Das Angebot ist beliebt, doch die rechtliche Situation wirft Fragen auf.

Manuel Bühlmann
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Wwoof (World Wide Opportunities on Organic Farms) heisst die Bewegung, die jährlich weltweit 120 000 freiwilligen Helfern einen temporären Arbeitsplatz auf einem Bauernhof vermittelt. (Symbolbild)

Wwoof (World Wide Opportunities on Organic Farms) heisst die Bewegung, die jährlich weltweit 120 000 freiwilligen Helfern einen temporären Arbeitsplatz auf einem Bauernhof vermittelt. (Symbolbild)

Keystone

Gummistiefel statt Flip Flops: Wem Strandferien zu langweilig sind, dem bietet sich auf dem Bauernhof eine Alternative – Aktivferien auf dem Feld. Als Gegenleistung für die Mithilfe wohnen und essen die Touristen kostenlos bei der Bauernfamilie. Wwoof (World Wide Opportunities on Organic Farms) heisst die Bewegung, die jährlich weltweit 120 000 freiwilligen Helfern einen temporären Arbeitsplatz auf einem Bauernhof vermittelt. Vergangenes Jahr verbrachten rund 270 Personen ihre Ferien auf diese Weise in der Schweiz. 120 Höfe bieten diesen Service hierzulande an, vier davon im Aargau.

Deutsche, Japanerinnen, Spanier, Finninnen, Amerikaner – Leute aus der ganzen Welt haben auf einem Aargauer Biohof mitgeholfen. Der Besitzer erzählt von durchweg positiven Erfahrungen, will seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen. Der Grund: Die rechtliche Situation ist nicht restlos geklärt. Im Kanton Zürich musste Reinhard Lüder, Verantwortlicher von Wwoof Schweiz, nach einem kürzlich im «Landboten» erschienenen Artikel Stellung nehmen, wieso er keine Bewilligung als Arbeitsvermittler beantragt hat und warum die Tätigkeit nicht bewilligungspflichtig ist. Lüder will erreichen, dass Wwoofing als Tourismusaktivität gilt – «wie Canyoning oder Bungee-Jumping».

Nun liegt die Antwort des Kantons Zürich vor, demnach sei die Tätigkeit der Organisation bewilligungspflichtig und die Beschäftigung insbesondere von Ausländern könne strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Und im Aargau? «Wir sind mit dieser Thematik noch nicht befasst gewesen», antwortet Samuel Helbling, Sprecher des Volkswirtschaftsdepartements, und verweist an das Staatssekretariat für Migration (SEM).

Dort wird zwischen Angehörigen von EU- und von Drittstaaten unterschieden.Während Erstere in diesem Zusammenhang als Nichterwerbstätige eingeschätzt werden und deshalb die Tätigkeit im Rahmen eines Tourismusaufenthalts ausüben dürfen, ist der Begriff der Erwerbstätigkeit für Letztere bewusst möglichst weit gefasst, weshalb sie der Bewilligungspflicht unterliegen.

«Keine Arbeiter ersetzen»

Die Touristen, die auf Schweizer Höfen mithelfen wollen, zahlen der Wwoof-Organisation 30 Franken und erhalten dafür die Liste mit den Höfen sowie eine Unfall- und Haftpflichtversicherung. Eine Arbeitsbewilligung wird von ihnen nicht verlangt. Für Reinhard Lüder, der Wwoof Schweiz seit Ende der 1990er-Jahre vorsteht, ist klar: Kost und Logis sind keine Bezahlung. «Bei jeder Freiwilligenarbeit werden die Helfer verköstigt.» Er hofft, dass er das Angebot unkompliziert und unbürokratisch weiterführen kann. «Bislang hatten wir deswegen nie Ärger.» Reinhard Lüder betont, die Leute würden nicht wegen des Lohns, sondern wegen der Erfahrung kommen.

Lüders Einschätzung bestätigt der Aargauer Biobauer, der seit Jahren regelmässig Touristen auf seinem Hof beherbergt und beschäftigt: «Sie wollen anders Ferien und neue Erfahrungen machen.» Bei ihm half beispielsweise ein spanischer Landwirtschaftsschullehrer mit, dessen Frau bei der Feuerwehr arbeitete und in der Waldbrandsaison keine Ferien erhielt.

Eine gute Erfahrung für den Spanier – «meine spannendsten Ferien», lautete dessen Fazit nach zehn Tagen. Der Bio-Bauer sagt: «Diese Leute nehmen niemandem den Job weg, sie können keine Arbeiter ersetzen.» Denn nicht jeder Tourist sei eine gleich grosse Hilfe und als Gastgeber müsse man sich auch Zeit nehmen für seine Gäste. Wer bei ihm mithelfen will, kann das unkompliziert tun, eine mündliche Abmachung reicht, ein Vertrag ist nicht nötig. Da soll so bleiben, wenn es nach dem Bio-Bauer geht. «Werden die Hürden höher, wäre der Aufwand für uns zu gross.»