Atomstrom

Kühlsystem fehlt: Nachrüstung beim Kernkraftwerk Beznau wurde verschleppt – Regierung sieht keine Zeitnot

In Beznau fehlt ein zusätzliches Kühlsystem für das Brennelemente-Lagerbecken. Für die Regierung gab es keinen Grund, eine schnellere Umsetzung zu verlangen.

Nach der Atomkatastrophe in Fukushima im Jahr 2011 hat die Atomaufsichtsbehörde des Bundes die Betreiberin Axpo aufgefordert, das Atomkraftwerk Beznau nachzurüsten. Die Axpo reichte ein Nachrüstungskonzept mit fünf Teilprojekten ein. Inzwischen sind alle Projekte abgeschlossen. Bis auf eines.

Nach wie vor fehlt ein zusätzliches Kühlsystem für das Brennelemente-Lagerbecken. Im Lagerbecken müssen die aussortierten Brennelemente vor der Verschiebung ins Zwischenlager abgekühlt werden.

Ursprünglich wollte die Axpo das neue Kühlsystem im Atomkraftwerk Beznau bis 2014 installieren, liess sich dann aber die Frist von der Atomaufsichtsbehörde bis 2017 verlängern. Doch auch diese Frist ist inzwischen verstrichen.

«Nicht akut sicherheitsrelevant»

Anfang Jahr hat die SP-Fraktion im Grossen Rat eine Interpellation zur «verschleppten Nachrüstung» des Kühlsystems eingereicht. Sie wollte unter anderem wissen, ob und wie der Kanton Aargau über die Verzögerungen bei der Nachrüstung informiert wurde und ob er diese nur passiv zur Kenntnis genommen habe oder von der Betreiberin Axpo eine beschleunigte Umsetzung verlangt habe.

Der Kanton sei «im Rahmen der öffentlichen Mitteilungen» informiert worden und habe diese «zur Kenntnis genommen», schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. Und weiter: Das Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat habe die Verzögerung der Nachrüstung als «nicht akut sicherheitsrelevant eingestuft», zumal die Umsetzung der anderen vier Teilprojekte den Schutzgrad des Atomkraftwerks bereits «massgeblich erhöhte». Für den Kanton habe es deshalb keinen Grund gegeben, eine beschleunigte Umsetzung zu verlangen oder die verlängerte Frist infrage zu stellen.

Neuer Terminplan eingereicht

Die Axpo habe am 3. Dezember den überarbeiteten Terminplan eingereicht. Er werde zurzeit vom Nuklearsicherheitsinspektorat geprüft, schreibt der Regierungsra. Ein abschliessender Entscheid zu den beantragten Terminen sei noch nicht gefallen.

Kritiker bezweifeln, dass die Verzögerung der Nachrüstung «nicht akut sicherheitsrelevant» ist, wie dies die Atomaufsichtsbehörde und der Regierungsrat sagen. Das deutsche Öko-Institut, zum Beispiel, hat im Auftrag des Bundeslands Baden-Württemberg ein Gutachten erstellt. Darin wird das fehlende Element als «sicherheitstechnischen Nachteil» der Beznau-Anlage bezeichnet, wie der «Tagesanzeiger» berichtete.

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