Auto-Technik Unger

Konkurs eröffnet: Deutscher Autowerkstatt-Riese ATU schliesst Schweizer Filialen – auch drei im Aargau

Auto-Technik Unger in Spreitenbach.

Auto-Technik Unger in Spreitenbach.

Auto-Technik Unger (ATU) zieht sich notgedrungen aus der Schweiz zurück. Die drei Filialen in Spreitenbach, Oftringen und Suhr schliessen.

Auto-Technik Unger (ATU) schliesst seine sechs Filialen in der Schweiz – und damit auch die Aargauer Standorte in Spreitenbach, Suhr und Oftringen. Weitere befinden sich in Bellach SO, Winterthur und Hinwil ZH. In der Schweiz sind 100 Mitarbeitende betroffen. Das Bezirksgericht Winterthur hat den Konkurs am 20. April wegen Überschuldung eröffnet, der Entscheid liegt der Aargauer Zeitung vor. Der Geschäftsführer hat den Konkurs selbst beantragt. Das Konkursamt Oberwinterthur-Winterthur wird das Konkursverfahren führen. 

Die Schliessung hat allerdings nichts mit der Coronakrise zu tun, wie der «Landbote» berichtet. Grund für den Rückzug sei, dass die deutsche Kette mit Auto-Werkstätten und Fachmärkten in der Schweiz ihre Wachstumsziele nicht erreicht habe, um profitabel zu werden. Das teilt das Unternehmen dem «Landboten» mit. Im letzten Jahr eingeleitete Restrukturierungsmassnahmen hätten nicht den gewünschten Effekt erzielt.

Laut «Blick» haben 2000 Kunden ihre Reifen und Felgen bei ATU eingelagert. «Wir prüfen derzeit ob, wie und wann die Herausgabe dieser Räder an die Kunden möglich ist», informiert das Konkursamt auf einem Zettel amEingang der Filiale in Winterthur. 

Aargauer Kunde kommt nicht an seine Räder heran

Ein Aargauer Kunde von ATU, der sich bei der AZ gemeldet hat, kommt wegen des laufenden Konkursverfahrens nicht an seine Kompletträder heran, die bei der Firma eingelagert sind. "ATU ist auf keiner Telefonnummer erreichbar. Auf Mailanfragen folgen nur automatische Rückmeldungen mit Corona Standard-Antwort", berichtet der Mann. 

"Ich bin sicher nicht der Einzige, der im Aargau betroffen ist", sagt der ATU-Kunde. Es sei sehr ärgerlich, dass Leute nicht an ihre Sommerreifen herankämen. Aus seiner Sicht wäre es wichtig, dass das ATU-Mutterhaus aus Deutschland nun Unterstützung biete und vorwärts mache, "weil Winterpneus bei den aktuellen Temperaturen schlicht nicht mehr sinnvoll sind".

"Ich kenne die Rechtslage nicht, aber ich hoffe sehr, dass hier rasch etwas passiert", sagt der Kunde weiter. Es könne ja nicht sein, dass am Ende vier Kompletträder im Wert von vielleicht 6'000 Franken ganz einfach in einer Konkursmasse verschwinden würden.

In Deutschland gehört ATU zu den Marktführern. Die Firma macht Eigenwerbung als «Nummer-1-Meisterwerkstatt und Marktführer im KFZ-Service» mit rund 10'000 Mitarbeitern. ATU betreibt rund 600 Garagen. Ins Schlingern geriet das Unternehmen auch schon in den Niederlanden und in Tschechien: 2015 zog es sich aus den dortigen Märkten zurück. (pz/fh)

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