Feminist oder Frauenschreck? SP-Nationalrat Cédric Wermuth muss sich so einiges anhören, seit er Parteikollegin Yvonne Feri bei der Ständeratsnomination ausgebremst hat.

So zeigte die "Weltwoche" Wermuth jüngst auf der Titelseite als Karikatur mit der Frisur von Juso-Präsidentin Tamara Funiciello. "Gefallen Sie sich da?", fragte Moderator Cavalli gleich zu Beginn des Talks. «Ich hatte einmal fast so lange Haare», meint Wermuth lachend und fügt an: «Ich teile in der Politik aus, dann muss ich auch einstecken können.»

Würde er seine Kampagne für die Ständeratskandidatur nochmals gleich durchziehen? «Wir hatten eine gute Debatte innerhalb der SP. Wir haben der Delegiertenversammlung zwei Angebote gemacht – ich habe ein anderes Verständnis von Feminismus und Gleichstellungspolitik als Yvonne Feri.» Die Frage sei doch schlussendlich, was man gegen Sexismus und das Patriarchat unternehmen könne. «Es stört ja auch mich, wenn ich in die Macho-Rolle gedrängt werde.»

Cavalli macht nach dieser Aussage sogleich den Realitäts-Check: «Sie haben zwei Kinder, ihre Frau ist ebenfalls berufstätig. Zu wie viel Prozent übernehmen Sie die Kinderbetreuung und den Haushalt?» Wermuth will sich nicht festlegen, gibt aber zu: «Meine Frau macht sicher mehr als ich.»

"Schweiz besteht nicht nur aus Bauarbeitern"

Eine weitere Kritik, die Wermuth oft zu hören bekommt: Er führe ein «Studentenleben» und habe noch nie richtig gearbeitet. «Die Schweiz besteht nicht nur aus Menschen, die auf dem Bau arbeiten – die sind zwar wichtig, aber es gibt auch ganz viele, die eine universitäre Ausbildung haben.» Er sei nicht nur Berufspolitiker und Familienvater, sondern arbeite auch noch als Kommunikationsberater, betont Wermuth. «Wenn mir als 32-Jähriger vorgeworfen wird, dass ich noch keine 50 Jahre Berufserfahrung habe, dann ist das ein lächerliches Argument.»

«Sie sind einer der wenigen linken Politiker, der dazu steht, den Kapitalismus im Sinne von Karl Marx überwinden zu wollen», stellt Cavalli fest. "Und Sie haben kürzlich gesagt, dass es auch heute noch eine Revolution braucht." Ob das einfach provokativ gemeint oder wirklich ernst gemeint sei. «Ja, ich glaube tatsächlich, dass es eine demokratische Revolution braucht», so der SP-Ständeratskandidat. Das Land komme immer mehr in den Würgegriff von Banken und multinationaler Konzerne. «Die Bevölkerung muss über zentrale Wirtschaftsentscheide mitbestimmen können.» Wermuth nennt ein Beispiel: «Es kann nicht sein, dass Novartis in Stein 700 Stellen abbaut, nur weil das Management eine höhere Marge haben will.» Es brauche eine demokratische Beteiligung der Arbeitnehmer und der Politik.

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Wie tickt Cédric Wermuth wirklich?

Fliegen trotz Klimawandel

Im Ständeratswahlkampf setzt Wermuth auch auf die Themen Menschenrechte und Klimaschutz. Cavalli macht auch hier den Realitäts-Check: Wermuth war letzte Woche noch in Ägypten in den Ferien. «Sie können dort mit ihrem Schweizer Lohn Luxus-Ferien machen – ist das nicht der Inbegriff von Ausbeutung?», will der Moderator wissen. Er sei bei privaten Bekannten gewesen und von dort aus tauchen gegangen, erklärt sich Wermuth. Aber auch klimapolitisch sei er inkonsequent, so Cavalli. "Mit Ihrem Ägypten-Flug haben Sie Ihren ökologischen Fussabdruck eines ganzen Jahres versaut.»

«Da gebe ich ihnen recht», räumt Wermuth ein. Allerdings sei der Klimawandel nicht nur eine persönliche Aufgabe, es brauche gesellschaftliche Regeln.

"Ich bin keine Pascale Bruderer"

Zum Schluss dreht sich das Gespräch um die Aussichten der Ständeratskandidatur. Wermuth gibt zu, dass es ebenfalls ein Ziel sei, möglichst viele linke Wähler zu mobilisieren und so den dritten Nationalratssitz der SP zurück zu erobern. Dass die Verteidigung des Ständeratssitzes «wahnsinnig schwierig» werde, ist sich Wermuth bewusst: «Ich bin keine Pascale Bruderer.»

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