Gefässchirurgie
Kantonsspital und Privatklinik wollen es zusammen versuchen

Das Kantonsspital Aarau und die Hirslanden Klinik Aarau arbeiten neu in der Gefässchirurgie zusammen. Eine Zusammenlegung in diesem Bereich sei nicht angedacht. Vielmehr wollen die zwei Spitäler ein Zeichen an die Politik senden.

Mathias Küng
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V.l.n.r. beim Unterzeichnen: Ivo Spicher, GL-Mitglied KSA; Hans Leuenberger, CEO KSA; Peter Stierli, Leiter Gefässchirurgie KSA, Thomas Eugster, Gefässchirurgie und Philipp Keller, Direktor Hirslanden Klinik Aarau.HO

V.l.n.r. beim Unterzeichnen: Ivo Spicher, GL-Mitglied KSA; Hans Leuenberger, CEO KSA; Peter Stierli, Leiter Gefässchirurgie KSA, Thomas Eugster, Gefässchirurgie und Philipp Keller, Direktor Hirslanden Klinik Aarau.HO

HO

Aarau hat mit dem Kantonsspital Aarau (KSA) und der Hirslanden Klinik zwei renommierte, grosse Kliniken. Das KSA ist ein öffentliches, die Hirslanden Klinik Aarau ein privates Spital. Die Hemmungen auf beiden Seiten für Zusammenarbeit waren bisher mit Händen zu greifen. Das zeigte sich etwa in der Debatte darüber, dass das KSA Patienten für Herzoperationen lieber nach Basel als in die private Klinik in Aarau schickt.

Eisbrecher unterwegs

Inzwischen sind in Aarau aber auf beiden Seiten Eisbrecher unterwegs. Die beiden Spitäler haben eine ab sofort laufende Zusammenarbeit in der Gefässchirurgie beschlossen. Damit wollen sie laut Philipp Keller, Direktor der Hirslanden Klink Aarau, «ein Zeichen setzen».

Kantonsspitäler: gemeinsame Orthopädie

Die Gefässchirurgie-Vereinbarung mit der Hirslanden Klinik Aarau hat laut Hans Leuenberger, CEO des Kantonsspitals Aarau (KSA), keinen Einfluss auf die Synergiesuche mit dem Kantonsspital Baden (KSB). Doch auch hier tut sich Neues. Die beiden Kantonsspitäler haben im Grundsatz eine gemeinsame Orthopädie beschlossen. Derzeit wird das Betriebskonzept erarbeitet. (MKU)

Obwohl die Kliniken Konkurrenten sind, macht «eine Kooperation im Bereich Gefässchirurgie durchaus Sinn», so Hans Leuenberger, CEO des KSA.

Worum geht es? Im Zentrum der Vereinbarung steht die gegenseitige Vertretung im Bereich Notfall- und Hintergrunddienste sowie Ferienvertretungen. Daneben finden interdisziplinäre Besprechungen komplexer Fälle und gegenseitige Assistenzen bei schwierigen operativen Interventionen statt.

Gemäss Leuenberger läuft es konkret so, dass die Ärzte der Nachbarklinik zum Patienten kommen. Diese müssen also nicht etwa die Klinik wechseln, wenn ein hauseigener Gefässchirurg in den Ferien ist. Für Leuenberger ist diese Abmachung ein Gewinn für beide Seiten. Man könne den Bereitschaftsdienst mit weniger eigenen Leuten organisieren und im KSA etwas Geld sparen.

Ziel: Platz Aarau stärken

Für Philipp Keller «sind die Kosten nicht der zentrale Teil». Kostenmässig ändere sich für sie nichts, «weil wir im Belegarztsystem arbeiten». Was ist für ihn die Hauptmotivation für die Zusammenarbeit? Es gehe darum, in einem Bereich der hoch spezialisierten Medizin den Platz Aarau zu stärken. Man meint es auf beiden Seiten ernst. Anfang Dezember findet laut Keller in der Gefässchirurgie bereits eine erste gemeinsame Operation statt.

Gleichwohl natürlich die Frage: Ist diese Zusammenarbeit ein erster Schritt zu einer Zusammenlegung der Gefässchirurgien? Leuenberger weist dies weit von sich: «Das ist nicht im Entferntesten angedacht. Eine intensivere Zusammenarbeit ist aber schon denkbar.» Auch für Keller ist eine Zusammenlegung keinesfalls das Ziel.

Signal Richtung Politik

Wie kam es zur Zusammenarbeit? Philipp Keller: «Ich verstehe mich mit Hans Leuenberger sehr gut. Auch die Gefässchirurgen Peter Stierli vom KSA und unser Thomas Eugster kennen sich schon lange. Eine ideale Basis.»

Dass sie «einen guten, persönlichen Faden zueinandergefunden haben», bestätigt auch Hans Leuenberger: «Wenn ein erster Schritt gemacht ist, ist man für mögliche weitere Schritte unvoreingenommener.»

Für Keller ist diese Zusammenarbeit auch ein Signal Richtung Politik: Man versucht, etwas Gemeinsames zu machen. Leuenberger sagt es so: «Wir möchten beweisen, dass wir nicht – wie behauptet wird – in den Schützengräben liegen und uns bekämpfen.»

Herzchirurgie ist im Gespräch

Und was geht in der Herzchirurgie? Da hat laut Leuenberger ein erster Austausch stattgefunden, eine mögliche Zusammenarbeit wurde «andiskutiert». Es müssten aber von beiden Seiten erst die Voraussetzungen erfüllt sein. Für die Hirslanden Klinik ist die Gefässchirurgie eine wichtige Ergänzungsdisziplin zur Herzchirurgie. Für Keller bietet es sich an, zu schauen, was sich hier auf mittlere Frist machen lässt.

Keller ist generell überzeugt, dass sich unter dem Druck der neuen Spitalfinanzierung öffentliche und private Kliniken eher annähern werden. Keller: «Das macht auch Sinn. Letztlich kommt dies den Patientinnen und Patienten zugute.»