Privatsphäre wird immer wichtiger – auch im Spital. Bisher waren Einzelzimmer privat- oder allerhöchstens halbprivatversicherten Patientinnen und Patienten vorbehalten. Allgemeinversicherte mussten sich das Zimmer mit anderen Patienten teilen. Mit diesem Grundsatz will das Kantonsspital Aarau (KSA) brechen. Im 600 Millionen Franken teuren Neubau wird es auf den Stationen für alle Patienten nur noch Einbettzimmer geben. Auch das geht aus dem Gutachten der Firma PricewaterhouseCoopers (PwC) hervor, das der Regierungrat und KSA-Verwaltungsrat gestern vorstellten.

Weniger Infektionen

Felix Schönle, KSA-Verwaltungsratspräsident ad interim, sagt: «Die Einbett-Strategie ist in vielen Bereichen effizienter. Deshalb haben wir uns dafür entschieden.» Einzelzimmer würden eine bessere Bettenauslastung gewährleisten, die Infektionsrate reduzieren und zu einer Verminderung von Fehlmedikation führen. Zudem reduziere sich durch einen optimalen Heilungsprozess und mehr Privatsphäre die Aufenthaltsdauer im Spital. Auf die Frage, ob sich Einzelzimmer auch finanziell lohnen, sagt Schönle: «Es entsteht zumindest kein finanzieller Nachteil.»

Dennoch ist er sich bewusst, dass sich nicht alle Patientinnen und Patienten ein Einzelzimmer wünschen: «Manche fühlen sich – gerade im Spital – sicherer, wenn sie nicht alleine sind.» Deshalb werde man bei der Planung darauf achten, dass weiterhin die Möglichkeit besteht, das eine oder andere Zimmer als Zweierzimmer zu nutzen.

Angst, dass sich Privatversicherte benachteiligt fühlen, hat Felix Schönle nicht. Die Vorteile einer Zusatzversicherung lägen nicht nur in der Hotellerie, sondern beispielsweise auch darin, dass man im Spital vom Chefarzt behandelt werde. Ausserdem würden sich die Verantwortlichen beim KSA überlegen, welche Zusatzleistungen man Privatversicherten in Zukunft bieten könne.

„Nur durch einhalten des Businessplans kann der Neubau zustande kommen“

„Nur durch einhalten des Businessplans kann der Neubau zustande kommen“

Für 600 Millionen Franken will sich das KSA einen topmodernen Neubau leisten. Die Experten haben darüber ein kritisches Gutachten gemacht.

Basel hat anders entschieden

Im Vergleich zu Nordamerika oder Skandinavien weisen die Schweizer Spitäler insgesamt noch einen sehr tiefen Anteil an Einbettzimmern auf, heisst es im Bericht. Dennoch würden auch in der Schweiz in immer mehr Spitalvorhaben Einbettzimmer-Lösungen bevorzugt. Zum Beispiel in Zürich. Das Universitätsspital wird in den nächsten Jahren aus- und umbauen und möchte, wie das KSA, künftig alle Patienten, egal ob allgemein-, halbprivat- oder privatversichert, in Einzelzimmern unterbringen.

Es gibt aber auch Schweizer Spitäler, die sich bewusst gegen Einzelzimmer entschieden haben. Ein Sprecher des Universitätsspitals Basel sagte kürzlich dem Gesundheitsportal «Medinside», man habe die Frage bei der Neubauplanung vertieft untersucht. Die Bettenstudie habe einen Einbettzimmeranteil von 100 Prozent aber als «nicht sinnvoll» erachtet. Als Planungsgrundlage für den Neubau sei deshalb ein Einbettzimmeranteil von 30 Prozent festgelegt worden.