Orthopädie-Zentrum

Kantonsspitäler Aarau und Baden lösen Vertrag auf, weil sich Ärzte nicht vertrugen

Adrian Schmitter (CEO des Kantonsspitals Baden, links) muss zur Kenntnis nehmen, dass Robert Rhiner (CEO des Kantonsspitals Aarau, rechts) den Vertrag über das gemeinsame Orthopädie-Zentrum gekündigt hat. (Archivbild)

Adrian Schmitter (CEO des Kantonsspitals Baden, links) muss zur Kenntnis nehmen, dass Robert Rhiner (CEO des Kantonsspitals Aarau, rechts) den Vertrag über das gemeinsame Orthopädie-Zentrum gekündigt hat. (Archivbild)

Nach fünf Jahren endet die Kooperation der Kantonsspitäler in der Orthopädie. Zu viel Administration, zu viele Pendlerstunden der Ärzte und die gescheiterte Teambildung sind Gründe.

Die Kantonsspitäler Aarau (KSA) und Baden (KSB) lösen das gemeinsame Orthopädiezentrum nach fünf Jahren auf Ende März wieder auf. Das teilen die beiden Spitäler in einem Communiqué mit. Sie wollen wieder zwei eigenständige Kliniken schaffen. Dadurch sollten «schlankere Strukturen mit effizienteren Abläufen» entstehen. Die Zusammenarbeit geht auf Mai 2014 zurück. Ziel des gemeinsamen Zentrums war es, sich mit einer Bündelung der Kräfte als eine von sieben A1-Kliniken der Schweiz zu positionieren.

Nach knapp fünf Jahren habe sich herausgestellt, dass der administrative Aufwand für den Betrieb zu hoch sei, schreiben die Spitäler. So müssten an zwei Standorten Sprechstunden und Operationen geplant werden. Und die Mediziner müssten in der Arbeitszeit oft zwischen den Standorten pendeln. Vor diesem Hintergrund seien die zwei Kantonsspitäler zum Schluss gekommen, dass eine Auflösung des gemeinsamen Orthopädiezentrums die sinnvollste Lösung darstelle.

Baden hätte gern weitergemacht

Offiziell klingt das nach einer Entscheidung, die beide Kantonsspitäler zusammen getroffen haben. Doch auf Nachfrage der AZ stellt sich heraus, dass der Impuls für die Auflösung des Orthopädiezentrums von Aarau aus kam. «Das KSA hat den Zusammenarbeitsvertrag gekündigt», sagt Adrian Schmitter, CEO in Baden. Das KSB hätte das Zentrum gern weitergeführt, doch es habe sich gezeigt, dass die Kultur zwischen den Spitälern und ihren Ärzten sehr unterschiedlich sei. «Seitens der KSA-Ärzte gab es von Beginn weg Widerstand dagegen, dass der Leiter des Zentrums aus dem KSB kommt», hält Schmitter weiter fest.

Der Zentrumsleiter war Orthopädie- Chefarzt in Baden und geriet im Frühling 2018 wegen falscher Abrechnungen in die Kritik. «Wir haben immer wieder festgestellt, dass seine Akzeptanz in Aarau relativ gering war, es gab auch mehrere Versuche, ihn loszuwerden», sagt Schmitter. Der Chefarzt wurde aufgrund seiner Verfehlungen vom KSB verwarnt und musste dem Spital rund 45'000 Franken zurückzahlen. Zudem übernahm ein Mitglied der Geschäftsleitung die administrative Leitung der orthopädischen Klinik. Schmitter betont aber, «dass beim betreffenden Chefarzt kein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt.»

Teambildung misslungen

Robert Rhiner, CEO in Aarau, sagt auf Anfrage der AZ: «Es ist korrekt, dass das KSA den Vertrag gekündigt hat, der die Zusammenarbeit im gemeinsamen Orthopädie-Zentrum regelte.» Einer der Gründe dafür sei, «dass es in den vergangenen fünf Jahren nicht gelungen ist, aus den beteiligten Ärzten ein homogenes Orthopädie-Team zu bilden». Es habe personelle Konstellationen gegeben, die nicht kompatibel waren, räumt Rhiner ein. Doch in einem Punkt widerspricht er Schmitter: «Ich hatte nicht den Eindruck, dass KSA-Ärzte sich von Anfang an dagegen wehrten, dass ein KSB-Chefarzt das Zentrum leitete.» Dieses wurde 2014

geschaffen, bevor Rhiner in Aarau und Schmitter in Baden die CEO-Posten übernahmen. «Rückblickend wäre es vielleicht nötig gewesen, am Anfang mehr Massnahmen zu treffen, um aus den Ärzten wirklich ein Team zu formen», erklärt der KSA-Chef heute. In anderen Bereichen, wie zum Beispiel in der Strahlentherapie, wo die beiden Kantonsspitäler auch zusammenarbeiten, ist dies laut Rhiner gelungen.

Keine grossen Synergien

Rhiner sagt weiter, das Orthopädie-Zentrum sei organisatorisch sehr aufwändig gewesen, so pendelten Ärzteteams der Spitäler zwischen Aarau und Baden hin und her. «Wir haben gegenseitig von der ärztlichen Kompetenz profitiert, dank der Einstufung als A1-Klinik gab es zudem Vorteile bei der ärztlichen Weiterbildung, grosse Synergien oder Kosteneinsparungen haben sich aber nicht ergeben», sagt er.

Auch nach der Auflösung des Zentrums werden in beiden Spitälern alle orthopädischen Behandlungen angeboten. KSA und KSB verfügen auch alleine über genügend hohe Fallzahlen, um die Leistungsaufträge zu halten. «Für die Patienten ändert sich insofern nichts, er muss das Spital nicht wechseln, wird am KSA aber künftig einfach vom Aarauer Schulterspezialisten und am KSB vom Badener Kniespezialisten behandelt», gibt Schmitter ein Beispiel. Man habe ohnehin festgestellt, «dass die Patienten meist das näher gelegene Spital wählen und weniger aufgrund der Ärzte entscheiden».

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