Das Wort Digitalisierung ist in aller Munde. Die Aargauer Regierung hat schon vor einiger Zeit ihre Digitalisierungsstrategie «Smart Aargau» angekündigt. Gestern luden Landammann Urs Hofmann, Landstatthalter Markus Dieth und Staatsschreiberin Vincenza Trivigno ins Strassenverkehrsamt nach Schafisheim, um das vorläufige Ergebnis vorzustellen. «Vorläufig» schreiben wir, weil das Thema ständig weiter vorangetrieben werden muss.

In Schafisheim traf man sich, weil die Regierung dort zeigen konnte, wie Garagisten beispielsweise den Fahrzeughalterwechsel-Prozess bald digital abwickeln können. In der Prüfhalle des Strassenverkehrsamtes wurde zudem demonstriert, wie die Verkehrsexperten mithilfe einer App künftig Fahrzeugprüfungen abwickeln. Für die Realisierung der Digitalisierungsstrategie stehen im Kanton bis 2021 jährlich je 2,8 Millionen Franken bereit.

Mit den Veränderungen in Schafisheim ist es aber längst nicht getan. Das bisher wöchentlich erscheinende Amtsblatt des Kantons Aargau wird ab Juli täglich aktualisiert. Man kann dort künftig gar einen Suchauftrag eingeben, um sofort per Mail informiert zu werden, wenn spezifische Meldungen wie zum Beispiel Ausschreibungen publiziert werden.

Neue Digitalstrategie im Aargau

Neue Digitalstrategie im Aargau

Dank dem Ausbau der Digitalisierung will die Aargauer Verwaltung rund um die Uhr erreichbar sein. Dies kann beispielsweise den Autokauf erleichtern.

Zur Digitalstrategie gehört aber auch, einen Termin beim Passamt via Internet zu buchen.
Per 2022 peilt der Kanton zudem eine elektronische Abrechnung im Asyl- und Sozialhilfebereich an, wie Staatsschreiberin Vincenza Trivigno darlegte. Davon verspricht man sich einiges, weil die Gemeinden mit dem Kanton beziehungsweise dem Departement Gesundheit und Soziales (DGS) in den Bereichen öffentliche Sozialhilfe und Asyl über 5000 Fälle mit einem Gesamtvolumen von über 40 Millionen Franken abrechnen. Es kommen weitere Neuerungen dazu.

Angebot wird weiter ausgebaut

Tatsächlich verfügt der Kanton bereits über ein vielfältiges Digitalangebot. Dieses soll mit der Strategie und dem Umsetzungsprogramm «SmartAargau» in den nächsten Jahren markant ausgebaut werden, wie Hofmann und Dieth deutlich machten. So wolle man den digitalen Bedürfnissen und Anforderungen von Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft, Gemeinden usw. Rechnung tragen. «In Gesellschaft und Wirtschaft findet eine rasante Digitalisierungsentwicklung statt. Damit steigt der Druck auf die Kantone, ihre Dienstleistungen und Angebote entsprechend anzupassen», begründet Landammann Urs Hofmann.

Die Regierung wolle den Veränderungsprozess unter anderem mit gezielten Investitionen vorantreiben. Digitale Lösungen haben Vorrang, bekräftigte Staatsschreiberin Trivigno, wobei der analoge Weg natürlich weiterhin möglich sein werde. Den digitalen Wandel in der kantonalen Verwaltung will die Regierung aktiv gestalten. Mit «SmartAargau» schaffe man die Voraussetzungen, die Bedürfnisse von Bevölkerung und Wirtschaft im Austausch mit staatlichen Stellen jederzeit und medienbruchfrei erfüllen zu können, nämlich 24 Stunden, sieben Tage die Woche und 365 Tage im Jahr.

Generalsekretäre mit «Pilot»

Dies erfordere in der öffentlichen Verwaltung einen Kulturwandel, ergänzte Landstatthalter Dieth. Die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden sei dabei der wichtigste Erfolgsfaktor. Als aktuelles Beispiel für interdisziplinäre Zusammenarbeit nannte er das Projekt DigitalMeeting. Gemeint ist die Digitalisierung der Sitzungsprozesse für Bereitstellung, Vorbereitung, Verarbeitung und Nachbearbeitung von Sitzungen. Ab Mitte Jahr werde die Generalsekretärenkonferenz der Departemente den Pilotbetrieb aufnehmen. Später stehe die neue Lösung ebenfalls für andere Gremien zur Verfügung – auch für den Regierungsrat und die Kommissionen des Grossen Rats.

Über diese Veränderungen informierte der Regierungsrat:

«Lena» bietet viele Angebote. Im Bild die Berufsschau in Wettingen.

«Lena» bietet viele Angebote. Im Bild die Berufsschau in Wettingen.

Lehrstellennachweis Lena ist bald auch mobil abrufbar

Lehrbetriebe schreiben seit Jahren kostenlos ihre offenen Lehrstellen und Schnupperlehrplätze auf dem kantonalen Portal Lena aus. Dieses ist eine digitale Erfolgsgeschichte. Der Lehrstellennachweis des Kantons Aargau ist nämlich seit Jahren die am meisten aufgerufene Applikation im kantonalen Webauftritt, wie Staatsschreiberin Vincenza Trivigno gestern darlegte. Betrieben wird das Portal vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS). Digital Natives suchen auf diesem Portal Lehrstellen und bewerben sich darauf. Lena werde diesen Sommer vollständig mobiltauglich.

Auch die Erstellung der Lehrverträge können Lehrbetriebe seit einiger Zeit online auf einem interkantonal entwickelten Tool vornehmen. Das interkantonal konzipierte Lehrbetriebsportal verbindet die bestehenden Online-Prozesse (Lehrstellenausschreibung und Lehrvertrags-Erstellung) und will alle weiteren Geschäftsprozesse rund um die Lehrvertragsadministration sowie die Administration der Berufsbildnerinnen und Berufsbildner subsumieren.

So kommt das Amtsblatt derzeit im PDF-Format daher.

So kommt das Amtsblatt derzeit im PDF-Format daher.

Das Amtsblatt des Kantons wird künftig täglich aktualisiert

Das Amtsblatt des Kantons Aargau erscheint seit 2012 mit rechtsverbindlicher Wirkung in elektronischer Form und wird im Internet zur Verfügung gestellt. Gedruckt wird es nicht mehr. Die aktuelle Lösung ist bereits elektronisch, für jedes Amtsblatt wird jedoch noch ein gelayoutetes, druckfertiges PDF-Dokument erstellt. Per 1. Juli 2019 wird das heutige Amtsblatt durch eine elektronische Publikationsplattform abgelöst. Derzeit läuft der Testbetrieb. Auf der neuen Amtsblattplattform werden die amtlichen Meldungen laut Vincenza Trivigno einzeln publiziert, womit zukünftig ein täglicher Publikationsrhythmus möglich wird. Das digitale Amtsblatt bietet beispielsweise moderne Recherche und Suchfunktionen. Es wird auch die Möglichkeit bestehen, sich ein Suchabonnement einzurichten, damit man jeweils per E-Mail informiert wird, wenn spezifische Meldungen (zum Beispiel Ausschreibungen) publiziert werden. Ausserdem kann das Amtsblatt dank einer optimierten Darstellung für alle Endgeräte jederzeit orts- und zeitunabhängig gelesen werden.

Wer vor dem Schwimmen mehr wissen will,  klickt das Portal EnVIS an.

Wer vor dem Schwimmen mehr wissen will, klickt das Portal EnVIS an.

Wie warm ist die Aare schon, wie hoch ist der Pegelstand?

Beim Kanton Aargau werden hochwertige Daten für das Umweltmonitoring gesammelt, ausgewertet, visualisiert und publiziert, und zwar auf dem Umweltdaten-Managementportal EnVIS. Konzipiert und betrieben wird es vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Es vereint den Zugang zu allen relevanten Daten – vorwiegend Zeitreihen, aber auch Geodatensätze – in einem System. Dieses diene in erster Linie der Öffentlichkeit, aber auch den Mitarbeitenden der kantonalen Verwaltung als Visualisierungsplattform der kantonalen Umweltdaten, so Staatsschreiberin Trivigno. EnVIS kann als Desktop-Browserlösung (am Computer-Bildschirm) und neu auch mobil genutzt werden. Viele der Daten interessieren gewiss eine breite Öffentlichkeit: etwa die Wassertemperaturen der Gewässer im Kanton, zum Beispiel der Aare, die Niederschläge, die Wasserstände (Pegel). Das Portal bietet eine Echtzeitdarstellung aller aktuellen Parameter aus kantonalen Umweltmessnetzen, oder Analyse und Auswertungen bei Extremereignissen, etwa von Nieder- und Hochwasser. 

Prüfexperte Martin Jenni demonstriert die neuen Möglichkeiten.

Prüfexperte Martin Jenni demonstriert die neuen Möglichkeiten.

Fahrzeughalterwechsel bald ohne Fahrt zum Strassenverkehrsamt

Zulassungs-App Fahrzeuge (Halterwechsel): Martin Sprenger, Stabsbereichsleiter im Strassenverkehrsamt, stellte in Schafisheim die App für einen Fahrzeug-Halterwechsel vor, die nach Tests mit 15 Garagisten kommt. Ein Teil der knapp 50 000 Fahrzeugwechsel pro Jahr kann damit künftig durch die berechtigten Garagenbetriebe (rund 700) erfolgen. Dadurch kann das Geschäft sofort und schnell abgewickelt werden. Die Garagenbetriebe sparen damit Zeit und Geld, weil der Weg zum Strassenverkehrsamt nicht mehr notwendig ist. Das Strassenverkehrsamt muss die Eingaben dann nur noch überprüfen.

Verkehrsexperten-App (VEA) für computerunterstützte Fahrzeugprüfungen: Damit können künftig die Ergebnisse der Fahrzeugprüfungen von den Verkehrsexperten direkt elektronisch mittels eines Tablets erfasst und im Viacar-System weiterverarbeitet werden. Der wesentliche Nutzen sieht so aus: Wegfall von Papierformularen, keine nachträgliche Eingabe der Prüfdaten ins IT-System mehr, automatisiertes Auslösen von neuen Fahrzeugausweisen.