Der Aargauer Baudirektor Stephan Attiger und seine Spezialisten haben gestern Nachmittag in Brugg dargelegt, wie die Verkehrsprobleme in den Räumen Brugg, Baden und im Unteren Aaretal angegangen werden könnten. Das Ganze läuft unter dem Oberbegriff Ostaargauer Strassenentwicklung, kurz «Oase».

Die Planer kalkulieren dabei das erwartete regionale Wachstum ein, damit die Lösungen bis 2040 «nicht schon überholt sind, wenn sie realisiert werden», so Attiger. Der vom Aargau dringlich geforderte Sechsspurausbau der A1 sei «Voraussetzung für sämtliche Massnahmen». 

Baden und Brugg sollen von Staus entlastet werden

Baden und Brugg sollen von Staus entlastet werden

Der «Oase»-Prozess ist vom Kanton angestossen worden, da er den Baldeggtunnel aus Kosten-Nutzen-Überlegungen nicht realisiert. In diesem Prozess sind die betroffenen Regionen stark einbezogen. In Workshops entstanden rund 100 Lösungsideen. Jetzt liegen die ausgewählten Varianten vor, die in den nächsten Monaten vertieft diskutiert werden. In der zweiten Hälfte 2015 sollen diejenigen mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis vorgestellt und das Richtplanverfahren gestartet werden.

An der Medienkonferenz zeigten sich die Präsidenten der drei Regionalplanungsgruppen, Markus Dieth (Baden Regio), Daniel Moser (Brugg Regio) und Felix Binder (Gemeindeverband Zurzibiet Regio) froh, dass die Debatte sogleich wieder aufgenommen worden ist. Sie hoffen alle sehr auf Entlastung ihrer Regionen.

Das wird für Baden vertieft

Was jetzt vorliegt, ist erst ein Grobkonzept. Doch wie soll die Entlastung konkret aussehen? Für den Raum Baden stehen vier mögliche Konzepte zur Diskussion, je ergänzt durch flankierende Massnahmen für Langsamverkehr und öffentlichen Busverkehr. Allen Varianten ist ein massiver Ausbau des öffentlichen Verkehrs gemäss kantonalem Mehrjahresprogramm öffentlicher Verkehr und der Bahnplanung Step 2030 zugrunde gelegt (gilt auch für Brugg, und siehe Artikel rechts). 

Brugg leidet besonders stark unter dem Durchgangsverkehr. Hier die stark befahrene Neumarkt-Kreuzung.

Brugg leidet besonders stark unter dem Durchgangsverkehr. Hier die stark befahrene Neumarkt-Kreuzung.

• Variante 1: Martinsbergtunnel. Dieser führt von der Obersiggenthaler Brücke zum Autobahnanschluss in Dättwil. Eine Untervariante ist, ab Obersiggenthal vorgelagert eine Spange über die Limmat zum Badener Quartier Kappelerhof zu bauen. Mit starken flankierenden Massnahmen würde bei dieser Variante 1 die bestehende Badener Hochbrücke nur noch für den öffentlichen und den Langsamverkehr eingesetzt.

• Variante 2: Umfahrung Baden West, allenfalls mit Anschluss an Mellingerstrasse. Hier ist ebenfalls ab Brücke Obersiggenthal der Tunnel geplant. Er führt bis zur Neuenhoferstrasse. Ab dort kommt man wieder auf die bestehende Hauptstrasse. Auch hier ist bei Obersiggenthal eine Spange über die Limmat denkbar.

• Variante 3: Schlossbergtunnel. Auch dazu gehört die Spange bei Obersiggenthal. Dieser kürzere Tunnel beginnt kurz nach der bestehenden Siggenthaler Brücke, man gelangt ebenfalls auf der Neuenhoferstrasse wieder ans Tageslicht.

• Variante 4: Grosslösung. Hier ist eine weiträumige Umfahrung von Baden vorgesehen, enthaltend den kurzen Baldeggtunnel bis östlich vor Birmenstorf. Die Umfahrung führt dann weiter bis Baden Stadion Esp, ab dann wieder als Tunnel bis vor die Limmat bei Neuenhof (kantonaler Baldeggtunnel), ab und über die Limmat dann wieder oberirdisch bis zum Autobahnanschluss Wettingen.

Das wird für Brugg vertieft

Für Brugg sind fünf Varianten im Gespräch. Auch sie sollen durch flankierende Massnahmen ergänzt werden. Je nach dem wäre die Entlastung kleiner oder grösser.

• Variante 1: Nordumfahrung Brugg mit einer Nord-Süd-Verbindung. Westlich des Kreisels Lauffohr wird ein Tunnel durch den Bruggerberg bis zur Bözbergbahnlinie gebohrt. Ab dort führt die Umfahrung oberirdisch entlang der Bahnlinie weiter, über die Aare bis nach Windisch/Anfang Hausen.

• Variante 2: Alternative Nordumfahrung. Sie bringt ab dem Kreisel Lauffohr eine Spange Aufeld, führt über die Aare; dann wird in Tieflage eine Nordumfahrung Windisch angefügt bis zur neuen Südwestumfahrung Brugg.

• Variante 3: Südostumfahrung Brugg/Windisch und eine Entlastung von Untersiggenthal. Eine neue Strasse führt schon westlich von Untersiggenthal via Turgi über die Limmat und die bestehende Achse durch Gebenstorf. Vor Windisch verschwindet die Umfahrung bis zum Kreisel Baschnagel in einem Tunnel.

• Variante 4: Südostumfahrung von Windisch mit neuer Aarequerung. Beginnend westlich des Kreisels Lauffohr, über das Aufeld, dann über die Aare, Anschluss an die Zürcherstrasse östlich von Windisch, danach im Tunnel bis zum Kreisel Baschnagel.

• Variante 5: Grosslösung mit zwei langen Tunneln. Gestartet wird westlich von Untersiggenthal. Anschluss zwischen Gebenstorf und Birmenstorf an die bestehende Kantonsstrasse, dann über die Reuss und wieder im Tunnel bis zum Kreisel Baschnagel.

Entlastung Unteres Aaretal

Die Strassenachse durchs Untere Aaretal ist laut Baudirektor Attiger deutlich weniger stark belastet als Brugg und Baden. Das Untere Aaretal profitiert von den Massnahmen in den Räumen Brugg und Baden. Zur Debatte stehen weiter eine Umfahrung für Station Siggenthal/Würenlingen sowie ein neuer Rheingrenzübergang bei Koblenz Ost.

Mehr Infos zum Projekt OASE finden Sie hier.