Flurnamen (8)
Käfer im Käferloch – aber kein Gold, sondern Geröll in der Goldern

Es ist nicht alles Gold, was glänzt: Der Name des Aarauer Quartiers deutet auf einen mit groben Steinen durchsetzten Boden hin. Alte Wörter versteht man mit der Zeit eben nicht mehr. Verscharrte Maikäfer dagegen gaben einer Strasse den Namen.

Philippe Hofmann
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Heute ist das Goldern-Quartier in Aarau überbaut; früher waren hier wohl vor allem steinige Äcker zu finden.

Heute ist das Goldern-Quartier in Aarau überbaut; früher waren hier wohl vor allem steinige Äcker zu finden.

Chris Iseli

Letzte Woche endete die Geschichte mit der Frage, wo in Aarau die gejagten und verbrühten Maikäfer wohl vergraben wurden? Richtig: im Käfergrund. Der Name ist sprechend: Die Ebene, der Untergrund mit den vielen Käfern. Tatsächlich ist der Name Käfergrund ein junger Name. Er ist auf historischen Karten nicht abgebildet. Seit je heisst dieses Gebiet Goldern, seit der kontinuierlichen Überbauung ab Mitte des 20. Jahrhunderts etablierte sich allmählich der Begriff Goldernquartier. An die verscharrten Maikäfer erinnert heute nur noch der Strassenname «Käfergrund». Es scheint, als wäre die räumliche Nähe der Goldern zum Chäberholz beziehungsweise zum Käferloch zufällig.

In der einführenden Geschichte warf der Käfer mit Steinen und Goldklumpen um sich. Manch ein Goldklumpen, so die Geschichte, blieb in der Goldern liegen und gab dem Gebiet damit den Namen. Mittlerweile ist bekannt, dass verscharrte Maikäfer einer Strasse den Namen gaben. Ist es also die Analogie möglich, dass der Name Goldern tatsächlich auf das Vorkommen von Gold zurückzuführen ist?

Goldrausch in Aarau?

Sicher, einen mit Steinen und Goldklumpen um sich werfenden Käfer gab es im Käferloch nicht. Aber im Idiotikon findet sich ein Eintrag zum Begriff Goldern. Erstens für den Türkenbund, eine Lilienart, und zweitens, als Namenbestandteil für Orte, an denen man nach Gold suchte. Goldrausch bei Aarau wie einst in Sacramento zu General Suters Zeiten? Oder war es die goldgelbe Zwiebel der Pflanze, die Alchemisten-Zwiebel, die von sogenannten Goldmachern gesucht und verwendet wurde?

Tatsächlich wächst der Türkenbund in Laub- und Nadelwäldern und bevorzugt Mullböden oder Standorte im Gebirge. Leider ist die Goldern heute vollständig und bis an den Waldrand überbaut, was eine Aussage über die Bodenbeschaffenheit verunmöglicht. Der Flurname «Goldere» findet sich ebenfalls in Oberriet (SG) und in Aeschi bei Spiez (BE), so wie auch in einem bergigen Umfeld in Göschenen (UR), auf fast 1800 m ü. M., oder auch in Zweisimmen (BE) auf fast 1600 m ü. M.

Nicht ohne Grund warf der Käfer in der einleitenden Geschichte auch mit Steinen und nicht nur mit Goldklumpen um sich. Das schweizerdeutsche Wort Gol bedeutet so viel wie «grober Steinschutt, Steingeröll». Namen mit dem Element Gol verweisen also auf Stellen, auf denen Steine und Felstrümmer unförmig übereinander liegen oder mit einem Felssturz oder Erdrutsch in Zusammenhang stehen. Und was liegt im Wald oberhalb der Goldern, massiv und jedem auffallend? Richtig, der sogar auf der Landeskarte erwähnte erratische Block; Walliser Quarzit, vor ca. 400 000 Jahren in der dritten Eiszeit durch den Rhonegletscher hierher gebracht. Wie aber erklärt sich der Zusammenhang zwischen Gol und Goldern?

Eine steinige Sache

Wie «Lo» und «Holz» gehört auch «Gol» zu einer Fülle alter Wörter, die mit der Zeit nicht mehr verstanden wurden. So erfuhr «Gol» nicht selten eine Erweiterung zu Gold, sodass der Name wenigstens wieder verstanden wurde, auch wenn der Sinn verändert war. Die Endung -ern in Goldern zeigt sich in der mundartlichen Aussprache als «-ere» beziehungsweise auf den Flurnamen bezogen «i de Goldere» besser. Namen, die auf «-eren» enden, bezeichnen etwas, das an diesem Ort besonders viel oder markant vorkommt. Der erratische Block könnte in Unkenntnis seiner Herkunft als Überbleibsel eines Felssturzes aus dem Gebiet Gönert verstanden worden sein. Goldern würde als «das Landstück mit dem markanten Stein(-schutt)» zu deuten sein.

Aber auch ohne Einbezug des erratischen Blocks ist es gut möglich, dass die vielen kleinen Bäche am Hang des Gönert insbesondere bei Starkregen viel Geschiebe und Geröll talwärts ins Gebiet Goldern geschwemmt haben könnten. Dann wäre Goldern als «das mit reichlich groben Steinschutt, Steingeröll versehene Landstück» zu deuten.