Kulturförderung

Jugendliche wollen cooles Theater, doch im Aargau fehlt es

Da gabs Zamt & Zunder noch. Stück «Filmriss» von 2008. r.Hünerfauth

Da gabs Zamt & Zunder noch. Stück «Filmriss» von 2008. r.Hünerfauth

Das Aargauer Kuratorium fragt: Wie steht es um das Kinder- und Jugendtheater im Aargau? Das Kindertheater ist top, doch beim Jugendtheater fehlen neue Formen, das zeigt ein externer Bericht. Und das wurde am Montag im Kurtheater Baden diskutiert.

Im Aargau wird innovatives Kinder- und Jugendtheater gemacht! Überall wird gespielt, jede Gruppe hat ihre Schiene und dazu gibts als Spezialistentruppe Zamt & Zunder. Tönt gut. Aber leider, leider, ist das ein Befund aus dem letzten Jahrhundert.

Wer sich die Theaterszene im Aargau heute anschaut, merkt: Zamt & Zunder ist weg und generell fehlt die junge Szene. Eigentlich machen immer noch die gleichen Leute Theater wie schon vor zwanzig Jahren. Sie machen das gut, sie haben Erfahrung, sie erreichen (meist) ihr Publikum.

Das Fehlen der jungen Theaterleute ist auch dem Gremium aufgefallen, das für die Förderung von Theater im Kanton zuständig ist. «Wir haben nun als Erstes den Bereich Kinder- und Jugendtheater näher unter die Lupe genommen», sagte Walter Küng, Schauspieler, Regisseur und seit einem Jahr Kuratoriumsmitglied. Ziel war es, eine Bestandesaufnahme zu machen, und auf dieser Basis dann die Förderstrategien der nächsten vier bis fünf Jahre, die künftigen Schwerpunkte festzulegen. Am Montagnachmittag wurde der Bericht Interessierten im Kurtheater Baden vorgestellt.

Angebot für Kinder ist top

Das Kuratorium wollte einen Aussenblick. Den liefert nun Martin Frank, Theaterpädagoge und Regisseur am Theater Basel und Leiter des Theatertreffens der Jugend in Berlin. «Es ist atemberaubend, wie viele Möglichkeiten es im Aargau für Kinder gibt, Theater zu konsumieren», sagte er. Was hier für Schulen, in den Schulen oder in den einzelnen lokalen Theatern zum Laufen gebracht wurde, das sei ausserordentlich. «Da schauen wir in Basel neidisch auf den Aargau.» Gemeint sind damit nicht die traditionellen Kinderaufführungen der grossen Theaterhäuser vor Weihnachten, sondern zeitgenössisches Kindertheater.

«Funkenflug» und «Theaterfunken» heissen die Unterstützungen, die Schulen für Theaterbesuche und für eigenes Theaterspiel im Aargau angeboten werden – und für Lehrpersonen ein Servicepaket beinhalten. Koordiniert werden die sie von der Fachstelle Kultur, finanziert aus dem Swisslos-Fonds. 2011 wurden 22345 Theatereintritte von Schülerinnen und Schülern registriert. Aus der Auflistung sieht man: Je jünger die Kinder, desto öfter gehen sie mit der Schule ins Theater. «In der Oberstufe lassen die Theaterbesuche markant nach», schreibt Martin Frank im Bericht.

Jugendtheater: Problem und Chance

Mankos gäbe es dort, wo der schulische Support nicht mehr greife, erklärte Frank. «Jugendliche sind die schwierigste Theater-Branche.» Kunst konsumieren sei uncool, aber Kunst zu machen, das sei cool. Hier müsse man sie erreichen. Theater sei damit aber in Konkurrenz zu Web-Design oder Film, wo es schneller glänzenden Erfolg und tolles Feedback gebe.

Angesagt sind für Frank Theaterproduktionen mit und für Jugendliche auf hohem professionellem Niveau, mit Profi-Regisseuren, speziellen Stücken und einer den Jugendlichen entsprechenden Ästhetik. Jugendclubs an den Theatern, die solches bieten, haben Erfolg – und füllen selbst grosse Häuser.

Er schlägt im Bericht einen «Kulturkompressor» vor, der auf kantonaler Ebene ein solches Projekt professionell anpacken würde. «Dann kämen die Jugendlichen aus den Tälern und junge Theater-Profis kommen nach ihrer Ausbildung in den Aargau zurück – jetzt sind sie in Basel.» Für dieses Projekt, aber auch für eine zukünftige Truppe wie Zamt & Zunder müsse aber gelten: «Scheitern erlaubt.» Wenn die Finanzierung nach einem Misserfolg nicht mehr stehe, wage niemand Innovation. «Nur wenn man zündeln kann, kann es funken.»

Genau solche Formen mit Laien unterstütze das Kuratorium aber nicht (mehr), wurde von den Anwesenden moniert. «Wir gehen über die Bücher», versprach Walter Küng. «Der Aargau muss attraktiver werden für junge Theaterleute.»

Der Bericht steht zum Download unter: www.ag.ch/kuratorium

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