Grosser Rat

Ja zur Trassenfreihaltung und Auftrag für eine weitere Abklärung – so steht es um die Limmattalbahn

Ab 2040 soll die Hochbrücke als Trassee für die Limmattalbahn dienen. (Chris Iseli)

Ab 2040 soll die Hochbrücke als Trassee für die Limmattalbahn dienen. (Chris Iseli)

Im Grossen Rat wurde heute beschlossen, das Trassee für die allfällige Weiterführung der Limmattalbahn von Schlieren bis Killwangen freizuhalten. Noch gibt es aber kritische Stimmen. Laut diesen müssen Gemeinden und Kritiker noch besser einbezogen werden.

Derzeit ist die Limmattalbahn (LTB) von Schlieren bis zum Bahnhof Killwangen-Spreitenbach in Bau. Die Aargauer Regierung würde diese Bahn gern bis nach Baden weiterführen. Gestern beschloss der Grosse Rat, das Trassee freizuhalten für den Fall, dass sie dereinst gebaut werden sollte. Damit bleibt die Option für diese Bahn offen. Die Regierung erhält gleichzeitig den Auftrag, weitere Abklärungen zu treffen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis abzuklären usw.

Von einem Entscheid über den Bau oder Nichtbau ist man noch weit entfernt. Das betonten in der Debatte Baudirektor Stephan Attiger und Votierende aus verschiedenen Fraktionen. Falls es dereinst soweit komme, werden der Projektierungs- und der Baukredit je referendumsfähig sein, betonte Attiger. Manche meinten offenbar, jetzt fasse man schon den Bauentscheid. Das sei nicht so: «Wir sind noch weit weg von der Limmattalbahn.» Attiger warb aber dafür, die Fortführung bis Baden weiter zu prüfen, «sonst müsste uns die nächste Generation einen Vorwurf machen».

Ähnlich tönte es bei den Fraktionen, etwa bei Jeanine Glarner (FDP, Wildegg) und Hansjörg Wittwer (Grüne, Aarau). Glarner betonte, es seien noch viele Fragen zu klären. Wittwer bekräftigte, es gehe jetzt lediglich um die Sicherung der Trassen. Er machte aber auch deutlich, dass die Grünen die Weiterführung befürworten. Gian von Planta (Grünliberale, Baden) forderte, die Regierung solle alles daransetzen, die Weiterführung bis Baden schon bald im Richtplan festzusetzen, die LTB vom Grossprojekt Oase abzutrennen und auch keine zusätzliche Limmatbrücke zu planen.

So sieht die Limmattalbahn aus:

SVP: Bevölkerung muss zwingend angehört werden

Auch die SVP stimmte grossmehrheitlich zu, so Daniel Notter (Wettingen). Es gebe aber noch sehr viel abzuklären: «Wer 500 Millionen Franken investieren will, muss sich seiner Sache sicher sein.» Ob sich die Bevölkerung tatsächlich so entwickle wie erwartet, werde sich zeigen. Und was die Gemeinden zahlen müssten? Er mahnte, die Bevölkerung verstehe nicht, was derzeit beschlossen werde.
Sie sei zwingend anzuhören. Schliesslich habe man schon alle fünf Minuten von Wettingen einen Bus nach Baden: «Die SVP trägt den nächsten Schritt mehrheitlich mit, die Hochbrücke muss aber für den Individualverkehr offen bleiben.» Der Festsetzung in Richtplan (nach dem gestrigen Entscheid ist das der nächste Schritt) stimme man erst zu, wenn alle offenen Fragen geklärt seien.

Ähnliche Vorbehalte kamen auch aus anderen Fraktionen. So forderte Hansruedi Hottiger (parteilos/CVP-Fraktion, Zofingen), Gemeinden und Kritiker müssten noch besser einbezogen werden. Für die EVP-BDP-Fraktion sagte Roland Frauchiger ebenfalls Ja zur Vorlage: Das sei aber keinesfalls schon als Unterstützung des Projekts als Ganzes zu verstehen. Die Verlängerung der LTB nach Baden sei logisch und gut, fand Martin Brügger (SP, Brugg). Aber die Bevölkerung sei unbedingt ernst zu nehmen.

Roland Kuster: Brauchen vorausschauende Planung

Als Einzelvotant meldete sich schliesslich auch Roland Kuster (CVP) zu Wort, Gemeindeammann von Wettingen. Er sagte, angesichts der vielen Tausend erwarteten zusätzlichen Wohn- und Arbeitsplätze im Limmattal brauche man eine vorausschauende Planung. Doch auch er mahnte, die Hochbrücke nicht einfach für den Individualverkehr zu sperren. Es brauche ein Konzept für einen Mix. Diese Brücke sei die Nabelschnur zwischen Wettingen und Baden.

Der Rat hiess nach der Debatte die Anträge der Regierung mit nur wenigen Gegenstimmen gut. Aber eben: Die Regierung hat erst den Auftrag, weitere Abklärungen für eine Fortführung nach Baden zu treffen. Von einem allfälligen Bauentscheid ist man Jahre entfernt.

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video

Zum ersten Mal mit dem Tram über das neue Limmattalbahn-Trassee: die Testfahrt im Video (August 2019)

Erstmals seit über 60 Jahren ist heute ein Tram von der Zürcher Stadtgrenze nach Schlieren gefahren. Die Limmattaler Zeitung war bei der Testfahrt mit dabei.

Meistgesehen

Artboard 1