Hat der Besucher sich einmal auf das Polster im Untergeschoss des Aargauer Kunsthauses gesetzt, will er nicht mehr aufstehen. Dies liegt weniger am Komfort der Sessel als vielmehr an den drei fesselnden Animationsfilmen, die dort zurzeit in Endlos-Schlaufe laufen.

Die selbst gebastelten Figuren und Requisiten besitzen etwas Kindliches, einen anziehenden Charme. Genauso wie die angenehme Erzählstimme, die alles andere als kindliche Fragen stellt: Wie bin ich und wie sehen mich die anderen? Wie definiert sich eine Gesellschaft und wie ist sie aufgebaut?

Die Gesellschaft als Sandhügel

Der Schweizer Künstler Bertold Stallmach (*1984) präsentiert unter dem Titel «Dreisatz der Identität» seine Animationsfilme, die verschiedene Ebenen der Identität thematisieren.

Im ersten Film folgen wir den Figuren Iso und Jenga auf ihrer Fahrt durch eine namenlose Einöde, wo sie auf einsame Wanderer und unbarmherzige Räuber treffen. Die sympathischen Ausbrecher aus der Gesellschaft bringen den Zuschauer mit humorvollen Dialogen und raffinierten Vergleichen zum Schmunzeln wie zum Nachdenken.

So wird ein Sandhügel zur einprägsamen Metapher für die Struktur einer Gesellschaft. Es geht um eine Gesellschaft wie die unsrige, in der die Handlungsspielräume klar durch schriftliche Regeln definiert sind. Der Name der Figur Iso beruht auf der «Internationalen Organisation für Normung» (ISO), die alles, von der Blindenschrift bis zu den textilen Bodenbelägen, aufs kleinste Detail definiert.

Monatelange Arbeit

Den Animationen von Bertold Stallmach geht ein langer Entwicklungsprozess voraus. Während Monaten machte er zusammen mit Nina Fischer (*1965) und Maroan el Sani (*1966) Recherchen, führte Gespräche mit Anwälten, Soziologen und Migranten.

Die Grundidee kam den Künstlern aufgrund einer hitzigen Debatte: 2013 sollte der Wiederaufbau des ehemaligen Berliner Schlosses beginnen. Nach Fertigstellung würde es einer ethnologischen Sammlung Platz bieten, in der sich umstrittene Kulturgüter aus der Kolonialzeit befinden. Noch heute ist nicht sicher, ob das Schloss vollendet und die Sammlung ausgestellt wird.

Ein skulpturales Modell von Fischer und el Sani diente als Filmkulisse für Stallmachs Videoarbeit und ist begleitend zu den episodischen Videos ausgestellt. Das Gebäude wird zur Zukunftsvision eines öffentlichen Freiraums, wo das optimale Verhältnis zwischen Regel und Willkür herrscht, und wo die Spitze des Sandhügels – die elitäre Spitze der Gesellschaft – zur Sandgrube wird.

Die Figuren von Bertold Stallmach bewegen sich noch bis zum 12. April 2015 auf der Leinwand des Aargauer Kunsthauses. Am 26. Februar um 18.30 Uhr ist der Künstler zu Gast im Museum.