Trend oder Zufall?

Gleich vier Autolenker bauten Unfälle im Aargau – überall war Alkohol im Spiel

In Erlinsbach krachte ein Rumäne mit einem Subaru in ein Schild.

Ist es ein Trend oder bloss Zufall? Dieses Wochenende kam es an mehreren Orten im Kanton zu Unfällen, bei denen Alkohol im Spiel war.

Sonntagnachmittag: Zwei Spaziergänger geniessen im Juragebirge oberhalb von Erlinsbach das prächtige Wetter. Plötzlich nähert sich ihnen ein roter Subaru. Der Motor heult auf, schlingernd kommt das Fahrzeug auf sie zu. Die Spaziergänger können gerade noch zur Seite springen, das Auto prallt gegen eine Fahrverbotstafel.

Hinter dem Steuer sitzt ein 39-jähriger Rumäne. Er hat den Subaru einem Landwirt gestohlen, bei dem er ohne Bewilligung arbeitete. Der Fahrer ist stark alkoholisiert: Über zwei Promille zeigt das Atemtestgerät an.

Es ist der vierte Selbstunfall mit alkoholisierten Lenkerinnen und Lenkern, den die Kapo dieses Wochenende gemeldet hat. Am frühen Samstagmorgen überschlägt sich bei Magden ein Fahrzeug. Die 42-jährige Lenkerin bleibt unverletzt, im Blut hat sie 1,2 Promille. In Lenzburg verunfallt am Abend ein 39-Jähriger in seinem brandneuen Tesla.

Auf dem Schoss hat er sein dreijähriges Kind. Die aufgebotene Patrouille spürt ihn an seinem Wohnort auf, der Blastest ergibt über zwei Promille. In Sisseln im Fricktal gerät am gleichen Abend ein Neulenker auf die Gegenfahrbahn und prallt gegen den Randstein. Bei ihm ermitteln die Polizisten einen Alkoholwert von über einem Promille.

Gleich vier Alkohol-Unfälle an einem Wochenende: Ist das Teil eines Trends? Gibt man im Online-Archiv der Kantonspolizei das Keyword «betrunken» ein, findet man dieses Jahr 16 Medienmitteilungen mit Bezug zu Verkehrsunfällen.

Zum Vergleich: Für das Vorjahr und 2017 spuckt die Suche je neun Ergebnisse aus. 2016 gab es sogar nur sieben solcher Mitteilungen, also weniger als halb so viele wie für 2019, das noch drei Monate dauert.

Kapo-Sprecherin Aline Rey bestätigt: «Vier solcher Unfälle in zwei Tagen sind natürlich speziell.» Eine erkennbare Steigerung von Unfällen unter Alkoholeinfluss stelle die Kapo jedoch nicht fest.

Dass die Suche im Archiv 2019 mehr als doppelt so viele Resultate liefere als vor drei Jahren, liege daran, dass die Medienmitteilungen regelmässig auf andere Art und Weise formuliert würden.

Die eigentliche Auswertung der Unfälle finde jeweils Ende Jahr statt, sagt Rey. «Und die Erfahrung zeigt, dass sich die Unfallzahl immer mehr oder weniger beim selben Wert einpendelt.»

Weniger Alkohol, weniger Unfälle: Gilt auch für Neulenker

Ein Blick in die Statistik zeigt: Seit der Jahrtausendwende hat die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle auf Aargauer Strassen beinahe kontinuierlich abgenommen. 2018 waren es mit 2360 Unfällen fast nur noch halb so viele wie im Jahr 2000.

Dies, obwohl die Zahl der registrierten Autos deutlich gestiegen ist. Die selbe Tendenz gilt für Unfälle, die durch betrunkene Lenker verursacht werden. Als einer der Gründe wird oft die Senkung der Promillegrenze von 0,8 auf 0,5 im Jahr 2005 genannt.

Der Grundsatz «weniger Alkohol, weniger Unfälle» lässt sich auch auf Neulenker anwenden. 2014 wurde für sie die Grenze von 0,5 auf 0,1 Promille gesetzt. Im selben Jahr waren im Aargau fünf Neulenker in diesem Promillebereich in einen Unfall verwickelt, 2016 waren es nur noch zwei.

So lassen sich die vier Unfälle als Ausreisser zusammenfassen. In einem Strassenverkehr, der ansonsten immer nüchterner zu werden scheint.

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