Gesundheit
Elektronisches Patientendossier per Klick eröffnen anstatt auf der Post

Ab nächstem Jahr kann das elektronische Patientendossier (EPD) nur noch online eröffnet werden. Die Nachfrage ist bisher bescheiden. Aber eHealth Aargau hofft auf einen Schub – auch, weil Swisstransplant das Organspenderegister einstellt.

Noemi Lea Landolt
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Der Gang zur Post wird obsolet: Das elektronische Patientendossier kann auch online eröffnet werden.

Der Gang zur Post wird obsolet: Das elektronische Patientendossier kann auch online eröffnet werden.

Beni Basler/zvg

Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati war der Erste. Im Dezember 2020 hat er im Kantonsspital Baden das erste elektronische Patientendossier (EPD) eröffnet. Seit Mai 2021 kann jede und jeder eine solche elektronische Krankenakte eröffnen. Im EPD können Medikamentenlisten, der Impfausweis, Arztberichte oder Röntgenbilder abgelegt werden.

Auf dem EPD ruhen grosse Hoffnungen. Es soll Doppelspurigkeiten verhindern oder die Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen steigern. Nur: Die Bevölkerung scheint kein allzu grosses Bedürfnis nach einer elektronischen Patientenakte zu haben oder in der Sammlung von PDF-Dateien keinen Mehrwert zu sehen.

Ende September sagte Jean-Pierre Gallati an einem Anlass der FDP Aargau, es gebe im Aargau bei mehr als 700'000 Einwohnerinnen und Einwohnern nur rund 1000 solche Dossiers. Der Gesundheitsdirektor kritisierte das nationale Gesetz dazu als «Fehlschlag».

Mehr Patientendossiers seit Online-Eröffnung

Erschwerend hinzu kam, dass das elektronische Patientendossier in einer Postfiliale eröffnet werden musste. Seit Juni ist das auch online über www.emedo.ch möglich. Ab nächstem Jahr sogar nur noch online. Seit die Online-Eröffnung möglich sei, seien 50 Prozent mehr Dossiers eröffnet worden, sagt Maja Lütschg von der Stammgemeinschaft eHealth Aargau. Absolute Zahlen nennt sie nicht.

Aber nicht nur der einfachere Registrierungsprozess hat Auswirkungen auf die Nachfrage. Am 20. Oktober hat die Stiftung Swisstransplant informiert, dass sie ihr Organspenderegister einstelle. Abfragen durch die Spitäler sind nicht mehr möglich. Swisstransplant empfiehlt in der Mitteilung, den eigenen Willen alternativ in einer Organspendekarte, der Patientenverfügung oder eben im elektronischen Patientendossier festzuhalten.

Noch am Tag der Medienmitteilung seien im Aargau dreimal so viele Dossiers eröffnet worden wie normal, sagt Maja Lütschg. Sie führt dies darauf zurück, dass die Bevölkerung erstmals das Gefühl hatte, das EPD bringe einen Mehrwert.

Bund plant Kampagne für sechs Millionen

Weiter hoffen die Verantwortlichen bei der Stammgemeinschaft eHealth Aargau auf die Marketingkampagne des Bundesamts für Gesundheit und eHealth Suisse. Eine Zürcher Agentur hat diese Woche den Zuschlag für die Kampagne erhalten. Mit einem Budget von gut sechs Millionen Franken soll sie das elektronische Patientendossier bekannter machen, seinen Nutzen aufzeigen und Vertrauen in die Datensicherheit aufbauen.

Der Zürcher GLP-Nationalrat Jörg Mäder hatte in einer Interpellation das Timing der Kampagne kritisiert, weil der Bundesrat erst kürzlich einen Richtungsentscheid bezüglich des EPD kommuniziert hatte und dem Parlament zwei Botschaften zum Thema überweisen wird. Für den Bundesrat hingegen ist klar, dass nicht auf die umfassende Revision des Gesetzes gewartet werden sollte, um die Verbreitung des EPD zu fördern. Dieses biete bereits heute einen Nutzen.