Lenzburg

Gefängnisleiter geht in Pension: Wie sich das Leben hinter Gittern verändert hat – worüber er mit Thomas N. sprach

Bruno Graber: «Jedes Fahrzeug prüfen wir mit Herzschlagdetektoren»

«Jedes Fahrzeug prüfen wir mit Herzschlagdetektoren»: Bruno Graber über Ausbruchsversuche und den Vierfachmörder von Rupperswil.

Bruno Graber verbrachte einen grossen Teil seines Lebens hinter Gittern – freiwillig. Nun geht der Leiter des Zentralgefängnisses Lenzburg in wenigen Wochen in Pension. Im TalkTäglich von TeleM1 spricht er über die letzten 36 Jahre – und den Vierfachmörder von Rupperswil.

Rund 36 Jahre seines Lebens arbeitete Bruno Graber im Gefängnis Lenzburg. In wenigen Wochen geht der Chef des Zentralgefängnisses in Pension. Graber stellte sich auf Tele M 1 den Fragen von AZ-Chefredaktor Rolf Cavalli.

Die wohl grösste Veränderung in dieser Zeit betrifft die technische Sicherheit. Als Graber seinerzeit anfing, gab es zwei Aussenkameras. Heute ist jede Türe und jeder Winkel kameraüberwacht, die Mauern mehrfach gesichert. Aus jedem Ausbruch lerne man und verbessere die Massnahmen, betonte Graber.

«Wir würden sogar ein Büsi entdecken»

2005 entkam ein Häftling, indem er sich wie im Film unten an einen Lastwagen klammerte. Das würde nicht mehr funktionieren. Jedes Fahrzeug, das das Gefängnis verlässt, wird mit Herzschlag-Detektoren überprüft. Graber: «Wir messen, ob sich etwas Lebendiges darin befindet. Sogar ein Büsi würden wir so entdecken.» Der Ausbrecher damals wurde übrigens rasch erwischt.

Begegnungen mit Insassen: Unterwegs mit Gefängnisleiter Bruno Graber

Begegnungen mit Insassen: Unterwegs mit Gefängnisleiter Bruno Graber

Was sich denn für die Gefangenen verändert habe, wollte Cavalli weiter wissen. Manche hätten den Eindruck, es gehe ihnen fast zu gut. Die Betreuung sei besser als früher, so Graber. Man gebe mehr Geld aus für Therapie: «Aber Freiheitsentzug bleibt Freiheitsentzug.»

Was von aussen gesehen besser aussehe, sei es für die Gefangenen nicht unbedingt. Manche wollten die Therapie nämlich gar nicht. Doch die meisten kämen irgendwann wieder raus. Es sei sehr wichtig, dass sie dann für ihre Mitmenschen keine Gefahr mehr seien.

Wie Vierfachmörder behandeln?

Graber leitete früher auch den Sicherheitstrakt. Hier kommen vorab Schwerverbrecher hinein. Graber ist es wichtig, auch den Gefangenen Wertschätzung entgegenzubringen: «Wenn jemand anständig fragt, bekommt er eine anständige Antwort.»

Natürlich dürfe man angesichts der verübten Taten nicht blauäugig sein und müsse Sicherheitsmassnahmen treffen. Es bringe aber nichts, jemanden wegen einer schlimmen Tat schlechter zu behandeln als andere.

Die Sendung TalkTäglich mit Bruno Graber in voller Länge:

Ein Leben hinter Gittern

Ob er den Vierfachmörder von Rupperswil auf seine Tat angesprochen habe, ob man ihn wirklich gleich behandeln könne wie einen Autodieb, fragte Cavalli zweifelnd nach. Das sei gewiss nicht einfach, räumte Graber ein. Mit dem Vierfachmörder habe er regelmässig Gespräche geführt und ihn auch gefragt, wie es ihm geht. Dieser habe schliesslich gesagt, es sei fantastisch, wie nett man hier zu ihm sei.

Aber hat es jemand, der anderen so viel Leid angetan hat, auch mit Blick auf die Opfer wirklich verdient, so gut behandelt zu werden, bohrte Cavalli nochmals nach. Die meisten Gefangenen kämen irgendwann wieder auf freien Fuss, dann zahle sich das aus, antwortete Graber überzeugt: Sie müssten erreichen, «dass man vor ihnen keine Angst mehr haben muss».

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