Der besinnliche Anlass machte bewusst, wie viel Sorgen, Leid und Trauer die Kriegsjahre 1914–1918 mit dem anschliessenden Landesstreik und einer todbringenden Grippeepidemie der Schweizer Bevölkerung und Armee brachten. Der Windischer Historiker und ehemalige SVP-Grossrat Jürg Stüssi-Lauterburg schilderte in einer eindringlichen Ansprache die Ereignisse und ihre Folgen.

Vom Krieg zum Streik

Die Grenzbesetzung 1914–1918 war schwierig. Für die 250'000 Soldaten der Feldarmee sowie die 200'000 Hilfsdienstpflichtigen und ihre Familien gab es damals keine Verdienstausfallentschädigung. Hilfswerke wie der von Else Spiller 1914 gegründete Schweizer Verband Soldatenwohl und Truppenkassen versuchten das Schlimmste zu mildern. Von Frauen geführte Soldatenstuben setzten preiswerte, gesunde Kost ungesunder Verpflegung und verbreitetem Alkoholkonsum entgegen.

Die Verdoppelung der Konsumentenpreise, eine Lebensmittelverknappung und der Lohnausfall lösten damals in der Schweiz soziale Spannungen aus. Sie entluden sich, angeheizt durch politische Agitation, in Krawallen und im Landesstreik 1918. Es gab Tote. Lange blieben die Gräben offen.

Die politische Stimmung habe sich erst gebessert, erklärte Jürg Stüssi-Lauterburg, als weitsichtige Politiker wie der Aargauer SP-Nationalrat Arthur Schmid senior und der BGB-Bundesrat Rudolf Minger 1930 aufeinander zugegangen seien. Schliesslich wurde auch der einst zu vier Wochen Gefängnis verurteilte sozialdemokratische Landesstreikaktivist Ernst Nobs 1943 in den Bundesrat gewählt.

Das grosse Sterben

Als ob der Sorgen nicht genug gewesen wären, brach auch in der Schweiz die Spanische Grippe aus. Daran starben zwischen Juli 1918 und Juni 1919 mehr als 24'000 Menschen. Er sei als Windischer Gemeinderat von 1986 bis 1993 zahlreichen achtzig- bis hundertjährigen Mitbürgern begegnet, berichtete Jürg Stüssi, die ihm als Zeitzeugen unvergessliche Erlebnisse aus dieser Grippezeit anvertraut hätten. Oft übernahmen Frauen die Krankenpflege – nicht wenige bezahlten diese Aufopferung mit dem eigenen Leben.

Die Feier stand unter dem Patronat der kantonalen Sozialministerin und Militärdirektorin Franziska Roth. Am symbolischen Ort in der Kantonsmitte und am sinnstiftenden Dank-, Buss- und Bettag wurde mit Respekt der Heldinnen und Helden des Alltags von damals gedacht, die in der Not der Kriegs- und Nachkriegsjahre Grosses geleistet hatten. Der Feldprediger Samuel Schmid gab der Dankbarkeit in einem Gebet Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, dass unser Land künftige Herausforderungen solidarisch meistern möge.

Blumenkranz niedergelegt

Vertreten waren am Gedenkanlass ungefähr 70 Personen sowie Fahnendelegationen der regionalen Offiziersgesellschaften und eine berittene Dreiergruppe der historischen Kavallerie-Schwadron 1972. Regierungsrätin Franziska Roth und der Präsident der Aargauischen Offiziersgesellschaft, Oberst- leutnant Ulrich Price, legten zu der von Aarauer Turmbläsern gespielten Melodie «Ich hatt’ einen Kameraden» am Gedenkstein in der Kantonsmitte einen Blumenkranz nieder.