Krebskranke Patienten
«Für uns eine Chance»: Aargauer Krebsliga übergibt Onkologie an öffentliche Spitex

Die Krebsliga Aargau übergibt der öffentlichen Spitex Aargau per 1. Mai den onkologischen Dienst. Max Moor, Geschäftsleiter des Spitexverbandes Aargau, über die Chancen und Herausforderungen.

Katrin Freiburghaus
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Max Moor zeigt sich erfreut über das neue Angebot der Spitex. Die «PalliativSpitex» steht allen zur Verfügung, die sich in der End-of-Life-Phase befinden. KF

Max Moor zeigt sich erfreut über das neue Angebot der Spitex. Die «PalliativSpitex» steht allen zur Verfügung, die sich in der End-of-Life-Phase befinden. KF

Zu Hause sterben zu können, ist der Wunsch vieler Menschen. Bisher konnten krebskranke Patienten, welche die letzte Lebensphase im gewohnten Umfeld verbringen wollten, auf das spezialisierte Palliativ-Care-Angebot der Krebsliga Aargau zählen. Nach über 20 Jahren übergibt die Krebsliga diese Dienstleistung per 1. Mai an die öffentliche Spitex Aargau. Grund dafür: Das Angebot der spezialisierten Palliative Care soll nicht nur onkologischen Patienten, sondern allen Menschen, welche an einer unheilbaren chronischen Erkrankung leiden, zur Verfügung stehen.

Anlässlich einer Pressekonferenz in Aarau orientierte die Krebsliga darüber, dass sie dieses Angebot mit den bestehenden Strukturen und Personal nicht weiterführen könne. Laut Martin Wernli, Präsident der Krebsliga Aargau, ist es eine logische Folge, dass der Spitex Verband die Nachfolge antritt.

Sieben Spitex-Organisationen, darunter auch die Spitex Suhrental Plus, bauen das Angebot als regionale Palliative Care Zentren auf. Max Moor, Geschäftsleiter des Spitexverbandes Aargau und Gemeindeammann von Vordemwald, erklärt im Gespräch, welche Chancen und Herausforderungen diese Übernahme mit sich bringt und welche Veränderungen beim Spitex-Verband Region Zofingen anstehen.

Was hat den Spitex Verband Aargau bewogen, diese Dienstleistung zu übernehmen?

Max Moor: Als wir erfahren haben, dass die Krebsliga Aargau dieses Angebot nicht mehr weiterführen kann, war für uns klar, dass wir diesen Dienst zu uns holen wollen. Bereits jetzt bietet jede Spitexorganisation Palliativ-Grundversorgung an. Die Leute sterben schon lange zu Hause, das ist nichts Neues. Aber man merkt, dass die Komplexität steigt. Bislang haben uns die Mitarbeiter der Krebsliga mit ihrem Fachwissen unterstützt. Jetzt können wir, da wir einen grossen Teil der Fachpersonen von der Krebsliga gewinnen konnten, alles aus einer Hand bieten. Das ist ideal. Die Übernahme ist für uns eine Chance.

Inwiefern?

Wenn wir bei uns eine solche Kompetenz aufbauen können, dann stärken wir unsere Rolle als Gesundheitsversorger im Aargau. Es ist das erste Mal, dass eine Non-Profit-Spitex ein solches Angebot flächendeckend umsetzt.

Für die neue Dienstleistung «PalliativSpitex» konnten die Krebsliga-Fachpersonen grösstenteils übernommen werden. Was ist mit dem Rest? Sind Arbeitsplätze verloren gegangen?

Nein. Niemand verliert seine Stelle. Ausgewiesene spezialisierte Fachleute in der Palliativ-Versorgung sind so oder so rar. Ich finde es schön, dass es uns gelungen ist, die Fachpersonen der Krebsliga fast eins zu eins in die Spitex zu überführen.

Bisher haben sich Krebspatienten bei der Krebsliga Aargau Unterstützung holen können. Welche Änderung bringt die Übernahme durch die Spitex für Patienten mit sich?

Von der Betreuung her ändert sich für den Klienten nicht viel. Ab 1. Mai kann man sich über die zentrale Nummer 0842 888 444 anmelden. Neu ist, dass die Diagnose keine Rolle mehr spielt. Es geht ganz klar darum, dass Betroffene, die sich in einer End-of-Life-Phase befinden, die Zeit, die ihnen noch bleibt, in ihrem gewohnten Umfeld verbringen können.

An der Medienkonferenz haben Sie erwähnt, dass es nicht einfach ist, dieses Projekt umzusetzen. Welches sind die grössten Herausforderungen?

Die Non-Profit-Spitex im Kanton Aargau ist ein heterogenes Gebilde. Als Verband haben wir kein Weisungsrecht. Das sind selbstständige Organisationen, die entweder als Verein oder Aktiengesellschaft aufgebaut sind. Da muss man sich zuerst finden.

Sieben regionale Palliative-Care-Zentren, welche von bestehenden Spitex-organisationen geführt werden, bauen das Angebot auf. Kommt es immer mehr zu einer Ballung?

Ein Thema regional abzudecken und überall die genau gleiche Leistung anzubieten, ist relativ neu. Für uns als Verband entspricht dies aber einem wichtigen Schritt, den wir gehen müssen. Die Ansprüche, die Komplexität und die Anforderungen steigen je länger, je mehr und dazu braucht es eine gewisse Grösse. Die Fusion von Spitexen wird – das wissen wir bereits – in den nächsten zwei, drei Jahren vorangehen. Im Moment gibt es 50 Spitexen bei 213 Gemeinden. Der Regionalverband Zofingen und die Spitex-Organisationen in der Region sind beispielsweise intensiv an einem Projekt, welches die Grundlagen für eine mögliche Fusion der sechs Spitexen erarbeitet.

Wie ist der Stand bei diesem Projekt?

In den nächsten Monaten werden erste Resultate vorliegen.

Inwiefern beeinflusst die Übernahme nun diese mögliche Fusion?

Die Überführung in die PalliativeSpitex beeinflusst dieses Projekt überhaupt nicht und nach einer möglichen Fusion kann in der gleichen Art und Weise weiteregearbeitet werden.

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