Manchmal steckt der Teufel im Detail. Die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg beschuldigte einen Zahnarzt aus dem Fricktal der Widerhandlung gegen das Waffengesetz. Er habe vorsätzlich gegen das Gesetz verstossen, als er an Pfingsten 2015 ein altes Sturmgewehr 57 der Schweizer Armee als Geschenk annahm – ohne im Besitz des gesetzlich vorgeschriebenen Waffenerwerbsscheines zu sein.

Der Schenkende war ein alter Mann, der aus Leidenschaft Waffen sammelte und ihm zu einem guten Freund geworden sei, wie der Beschuldigte sagte. Dem Mann hatte er zuvor schon legal drei Pistolen abgekauft. Der Strafbefehl sah eine bedingte Geldstrafe von 1800 Franken vor – plus eine Busse von 300 Franken. Dem Angeklagten ging es nicht um diese Busse, sondern um den drohenden Eintrag im Strafregister. Deswegen erhob er Einspruch. Gestern wurde die Sache am Bezirksgericht Rheinfelden verhandelt.

Gute Absicht, böse Folgen

Gerichtspräsidentin Regula Lützelschwab befragte zuerst zwei Zeugen. Einerseits einen befreundeten Schützen, andererseits einen Kantonspolizisten. Den Fall ins Rollen gebracht hatte der Angeklagte nämlich selbst – durch seine Gutmütigkeit. Der ältere Waffensammler, der ihm das Sturmgewehr schenkte, hatte ursprünglich eine grosse Sammlung von über 50 Schusswaffen, die er veräussern wollte. Die meisten davon seien Liebhaberobjekte gewesen, viele davon ungebraucht.

Der betagte Mann, der aufgrund seines hohen Alters manchmal verwirrt sei, habe dem Angeklagten und seinem Schützenfreund erzählt, dass er zahlreiche Waffen zur Ansicht an einen Dritten weitergegeben habe. Die beiden Sportschützen vermuteten, dass dieser Dritte den alten Mann bestohlen hatte und er die Waffen nie wieder sehen werde.

Deshalb übergab der Beschuldigte der Kantonspolizei eine fein säuberliche Liste, die der 83-jährige Sammler von seinen eigenen Waffen angefertigt hatte. Darauf verzeichnet waren auch die Geschenke an den Angeklagten: drei Karabiner – und das Corpus Delicti, ein Sturmgewehr 57.

Die Karabiner sind laut Waffengesetz zwar melde-, aber nicht bewilligungspflichtig. Anders das halbautomatische Sturmgewehr: Dafür braucht es in jedem Fall einen Waffenerwerbsschein – und zwar zum Zeitpunkt des Erwerbs, sei es gekauft oder geschenkt.

Drei Karabiner, ein Sturmgewehr

Die Regionalpolizei konfiszierte in der Folge die vier geschenkten Gewehre. Der Beschuldigte musste zur Einvernahme antraben. Dabei stellte sich erst auf sein Drängen heraus, dass die Polizei gar kein Recht hatte, die Karabiner einzuziehen. Diese hatte er pflichtbewusst beim kantonalen Waffenbüro in Aarau gemeldet. Fälschlicherweise hatte der Angeklagte aber gedacht, dass er das mit dem Sturmgewehr genauso tun könne.

Sein eigenes Sturmgewehr 57 habe er bei der Entlassung aus dem Militärdienst vorbehaltlos nach Hause nehmen dürfen. Weil er aber für das jetzt geschenkte Gewehr keinen Erwerbsschein hatte, wurde er angeklagt. Der Beschuldigte, der vor Gericht ruhig und sachlich argumentierte, bedauerte, diesen Fehler gemacht zu haben. Er legte besonderen Wert darauf, dass er kein Waffennarr sei: «Für mich hat Schiessen nichts mit Politik zu tun, nichts mit Gewalt. Es ist für mich ausschliesslich ein Sport.»

Sein Verteidiger sagte, Waffen seien eine emotionale Angelegenheit, vor allem hierzulande, mit einer langen Tradition des Schiessens. Er bat die Richterin, frei von Emotionen zu entscheiden. Gerichtspräsidentin Lützelschwab folgte diesem Rat und sprach den Mann von Schuld und Strafe frei, weil dieser glaubhaft darlegen konnte, dass er ein unbescholtener Bürger und pflichtbewusster Sportschütze sei und er beim Erwerb des Sturmgewehrs nichts vertuschen wollte.