Aarburg
Freikirche im Jugendtreff: Politiker fordern neue Leitung

Der Jugendtreff in Aarburg ist wieder belebt. Geleitet wird er von einem Team des «Christlichen Zentrums Hofmatt», was einige Kritiker auf den Plan gerufen hatte. Unter anderem fordert die Juso Zofingen in einem offenen Brief eine neue Leitung.

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Die Leitung des Jugendtreffs Aarburg wird in Frage gestellt. (Symbolbild)

Die Leitung des Jugendtreffs Aarburg wird in Frage gestellt. (Symbolbild)

Kritik kam von verschiedenen Jugendarbeitern und auch von der Evangelischen Inforamtionsstelle. Jugendtreff-Initiator ist Andi Wolf, der wie die anderen Teammitglieder aus dem «Christlichen Zentrum Hofmatt» stammt. Das tangiere den Betrieb des Jugendtreffs nicht, gab Wolf zu Protokoll. Man werde den christlichen Hintergrund nicht bemerken.

Das ist auch Max Hirsbrunner, Leiter Soziale Dienste Aarburg, wichtig: «Wenn es um religiöse Gruppierungen geht, ist die Bevölkerung sensibilisiert», stellte er kurz vor der Wiedereröffnung des Jugendtreffs fest. Deshalb müsse dieser neutral geführt werden.

Frage über Neutralität stellt sich

Doch schnell kam die Frage auf, ob der neue Jugendtreff mit diesen Hintergründen auch neutral geführt werden kann. Andi Wolf ist nicht irgendjemand, sondern Jugendpastor der Freikirche «BewegungPlus», die sich früher «Gemeinde für Urchristentum» nannte. Geht man im Internet auf deren Homepage, findet man ein Leitbild, dessen erster Punkt lautet: «Christusnachfolge fördern: Wir wollen Menschen helfen, Jesus kennenzulernen und ihm nachzufolgen.»

Auch Regina Spiess, Psychologin und Projektleiterin bei der Fachstelle für Sektenfragen, doppelte gegenüber der «NZZ am Sonntag» nach: «Ein evangelikaler Jugendarbeiter, dem wirklich etwas an den Jugendlichen liegt, will, dass diese errettet, also bekehrt werden.» Und: Aarburg sei kein Einzelfall. Auf der Fachstelle für Sektenfragen habe man verschiedentlich gehört, dass Gemeinden gerne die Ausgaben für die Jugendarbeit sparen. Sie sind deshalb auch bereit, Gratisangebote von einer Freikirche zu nutzen.

Jungsozialisten sind dagegen

Nun meldeten sich auch die Jungsozialisten (Juso) aus dem Bezirk Zofingen. In einem offenen Brief zeigen sie sich besorgt über die neue Leitung des Jugendtreffs. «Dass eine sektenartige Bewegung einen öffentlichen und von der Gemeinde unterstützten Jugendtreff leitet, ist unzumutbar», schreiben sie. Sie fordert eine neue Leitung für den Jugendtreff, denn dies müsse für Kinder und Jugendliche ein neutraler Ort sein. Es sei fraglich, ob die Sekte ihren Lehren aufgrund eines Vertrages im Jungentreff nicht praktiziert.

In der Gemeinde Aarburg ist Gemeinderat Michael Meier (SVP) für den Jugendtreff zuständig. Er verwies gegenüber der «NZZ am Sonntag» auf den folgenden Passus im Vertrag mit der Freikirche: «Die Initiativgruppe verhält sich an ihren Anlässen neutral, das heisst, auf Missionierung wird verzichtet.» (bkr/cfü)