Zürcher Flughafen-Regime

Fluglärm im Aargau: Das Limmattal wird stärker belastet – das Surbtal kann aufatmen

Ein Flugzeug bei der Landung am Flughafen Zürich. (Symbolbild)

Ein Flugzeug bei der Landung am Flughafen Zürich. (Symbolbild)

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt macht einen neuen Vorschlag, wie der Betrieb des Flughafens Zürich regeln will. Für den Aargau soll es demnach nicht zur befürchteten Doppelbelastung kommen.

Jetzt ist klar, wie der Betrieb des Flughafens Zürich-Kloten künftig ablaufen soll. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat in Bern die dafür nötige Anpassung des sogenannten SIL-Objektblattes (vgl. Box) für eine Anhörung öffentlich aufgelegt. Mit diesen Anpassungen will das Bazl die Sicherheit des Flugbetriebs weiter erhöhen. Ein Bericht zeigte 2013 zwar, dass der Flughafen sicher betrieben wird.

Sich kreuzende Pisten sind aber ein Sicherheitsrisiko, ebenso der Betrieb bei Bise und Nebel. Massnahmen für einen sichereren Betrieb sind – zum Unwillen der betroffenen Zürcher Bevölkerung – unter anderem Südstarts geradeaus bei speziellen Wetterbedingungen.

Bis 2030 ist mit rund 13 000 Südstarts geradeaus zu rechnen. Die Umsetzung der Sicherheitsmassnahmen trifft alle beteiligten Kantone und Regionen in ähnlichem Umfang: Auch Zürich inklusive Goldküste, Thurgau und Schaffhausen müssen mittragen.

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Piloten: Route einhalten

Doch was bedeuten die Vorschläge des Bazl – über die letztlich der Bundesrat entscheiden wird – für den Fluglärm im Kanton Aargau? Aktuell gilt für den Flughafen ein vorläufiges Betriebsreglement. Dafür steht die gestrichelte Linie in unserer Grafik. Lärmberechnungen der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt (Empa) zeigen allerdings, dass dessen Werte nicht überall eingehalten werden.

Die durchgezogene, schwarze Kurve zeigt die heutige, tatsächliche Lärmbelastung. Sie betrifft auch Gemeinden von Würenlos bis Bellikon und Künten, die eigentlich nicht betroffen sein sollten. Die Lärmkurve auf der Grafik zeigt jetzt (rot markiert) zwischen Wettingen und Neuenhof über den Rohrdorferberg hinaus eine Mehrbelastung, auch für Remetschwil.

Hans-Martin Plüss ist der Spezialist für die Fluglärmthematik im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Laut ihm werden dank einer Routenoptimierung Spreitenbach, Bergdietikon und Bellikon tagsüber entlastet. Die entsprechende Startroute wird nach Norden verschoben, wobei die genaue Routenführung noch optimiert werden müsse. Die Aargauer Regierung werde jetzt die Unterlagen des Bazl im Detail prüfen und dann im Januar Stellung dazu nehmen, so Plüss weiter.

Mehr Fluglärm für den Norden

Regierungsrat Stephan Attiger: "Wir sind froh, dass es auch Entlastungen gibt"

Am auffälligsten zu spüren bekommen Limmattal und Mutschellen heute jeweils zwei laute Brummer, Spätflieger der Swiss um ca. 23 Uhr. Einer startet dann Richtung Johannesburg, der andere Richtung São Paulo. Stark störend ist zudem, dass regelmässig verspätete Spätflieger über den Mutschellen fliegen. Eigentlich sollten die letzten Maschinen um 22.45 Uhr starten, oft hört man die letzte aber gar erst um 23.30 Uhr über dem Mutschellen. Die Aargauer Regierung ist deshalb – und weil die Piloten die Flugrouten oft nicht genau einhalten – in Bern schon wiederholt vorstellig geworden. Hans-Martin Plüss: «Der Aargau erwartet natürlich, dass es dank dem optimierten Flugbetrieb nicht mehr zu solchen Verspätungen kommt und dass das Bazl die Lärmkurve durchsetzt bzw. sich die Piloten an die Route halten!»

Der Aargau wird seine Messstation auf dem Mutschellen weiter betreiben und bei Lärmgrenzwertüberschreitungen das Bundesamt für Zivilluftfahrt und die zuständige Bundesrätin Doris Leuthard wie bisher auch künftig auffordern, die geltenden Werte gegenüber dem Flughafen durchzusetzen, wenn sie nicht eingehalten werden. Immerhin, so Plüss, könnte die Lärmkurve stark zurückgehen, wenn die «lauten Brummer» Airbus A 340 einige Minuten früher starten oder baldmöglichst durch Boeing 777 abgelöst werden könnten, die steiler steigen. Plüss erwartet aber nachts im Aargau nicht mehr Flugbewegungen.

«Lärmecke Surbtal geschlossen»

Vom Betriebsreglement 2014 betroffen ist auch das Zurzibiet, insbesondere das Surbtal mit der schon im SIL-Objektblatt (vgl. Box) vorgesehenen Surbtalroute. Plüss: «Im Surbtal rechnete man mit viel mehr Lärm, gerade in Lengnau und Schneisingen.» Dieser zusätzliche Lärm kommt jetzt nicht, da das Bazl auf die geplante Abflugroute über das Surbtal (Nachtbetrieb) verzichtet. «Die Lärmecke Surbtal wird damit geschlossen», so Plüss. Einen Vorbehalt muss er allerdings machen. Sollte der in Deutschland auf Eis gelegte Staatsvertrag doch noch kommen, droht dem Aargau der «gekröpfte» bzw. «gekrümmte Nordanflug». Davon wäre das Surbtal dann doch wieder betroffen. 

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