Finanzhilfe KSA
240-Millionen-Loch beim Kantonsspital Aarau: Das Personal ist verunsichert und fürchtet einen weiteren Stellenabbau

Die Geschäftsleitung des Kantonsspitals Aarau hat am Freitag bekannt gegeben, dass dem Unternehmen die Überschuldung droht. Wie sicher sind die Arbeitsplätze?

Jocelyn Daloz
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Notfall-Eingang im KSA: Heute ist das Spital selbst krank.

Notfall-Eingang im KSA: Heute ist das Spital selbst krank.

Toni Widmer

Das grösste Spital im Aargau ist pflegebedürftig: Der Kanton soll mit 240 Millionen Franken die darbenden Finanzen des Kantonsspitals Aarau (KSA) aufrechterhalten. Dabei hatte die Geschäftsleitung gerade eben Sparmassnahmen angekündigt und 24 Personen entlassen. Kommt nun die nächste Entlassungswelle, obwohl das Spital nicht zuletzt auch wegen des stetigen Fachkräftemangels leidet?

Anonym geführte Gespräche mit Mitarbeitenden des KSAs zeigen: Die Befürchtung schwingt mit. Ein besorgter Mitarbeiter sagt: «Ich weiss nur nicht genau, wo sie überhaupt noch kürzen könnten». Das KSA habe nicht mal genügend Personal, um sämtliche Betten zu betreuen. Und beim Support könne man eben nicht endlos kürzen: «Je mehr wir dort sparen, desto anstrengender ist es für die Pflege, wenn etwas nicht funktioniert. Und das spüren auch die Patienten.»

Bei der Aargauer Sektion des Berufsverbandes für das Pflegefachpersonal habe man ebenfalls Kontakt zu besorgten KSA-Mitarbeitenden gehabt, die Angst um ihren Arbeitsplatz haben, sagt Co-Geschäftsleiterin Natalie Avanzino.

Sie führt aus: «Gerade das Pflegepersonal arbeitet unter schwierigsten Voraussetzungen und wartet dringend auf bessere Arbeitsbedingungen, damit der Fachkräftemangel bekämpft werden kann.» Die finanziellen Schwierigkeiten des KSAs dürften auf keinen Fall Einfluss auf die Qualität der Spitalleistungen haben. Deswegen sei die Unterstützungsbereitschaft des Kantons zu begrüssen, dieser sei schliesslich auch in der Verantwortung, die Gesundheitsversorgung im Kanton sicherzustellen.

Systemwechsel nötig

Bei der Gewerkschaft VPOD kritisiert Regionalleiterin Silvia Dell'Aquila ein schlecht aufgestelltes System: «Wir waren immer der Meinung, dass die Rahmenbedingungen nicht stimmen.» Die aktuelle Situation beweise, dass man mit der Ökonomisierung des Gesundheitswesens falsch liege: «Gesundheit ist keine Ware wie ein Brötli. Das sieht man hier: Das Spital kann nicht einfach bankrottgehen, wie eine Bäckerei, die nicht mehr rentiert.»

Dass die Neubauten beispielsweise aus den Gewinnen finanziert werden müssen, statt dass der Kanton baut und die Räumlichkeiten dann vermietet, sei Unsinn und habe zur Situation beigetragen, glaubt Dell'Aquila. Dazu kämen die mit den Krankenkassen verhandelten Tarife und Fallpauschalen, die es den Spitälern nicht ermögliche, selbsttragend zu sein. Sie fordert deshalb, dass man die aktuelle Situation zum Anlass nimmt, eine Diskussion über die Rahmenbedingungen wie auch die Arbeitsbedingungen des Personals zu führen.