Podium

Fast-Theologin Bruderer über Bischof Gmür: «Hat mich ein wenig geärgert»

Podium im Kloster Muri (v.l.): Abt Benno Malfèr (Kloster Muri-Gries), Pascale Bruderer (Ständerätin), BischofFelix Gmür und Daniel Kosch (Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz). Mischa Christen

Podium im Kloster Muri (v.l.): Abt Benno Malfèr (Kloster Muri-Gries), Pascale Bruderer (Ständerätin), BischofFelix Gmür und Daniel Kosch (Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz). Mischa Christen

Podium im Kloster Muri: Pascale Bruderer, die selbst fast Theologin geworden wäre, diskutierte mit Bischof Felix Gmür über Politik, Kirche und Priesterinnen.

Die Frage war direkt gestellt, liess die Zuschauer aufhorchen: «Wann haben Sie sich das letzte Mal über die Kirche geärgert?», wollte Gesprächsleiter Luc Humbel von Pascale Bruderer wissen. Die SP-Ständrätin zögerte einen Moment, antwortete dann: Das sei vorhin gewesen, als Bischof Felix Gmür erklärte, warum Frauen das Priesteramt verwehrt bleibt.

Freitagabend, Festsaal Kloster Muri, Podiumsdiskussion der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz. Kurz davor hatte der Bischof das Verbot der Frauenordination mit Unterschieden zwischen Frau und Mann zu erklären versucht. Bruderer sagte: «Das hat mich ein wenig geärgert.»

Ansonsten waren sich die reformierte Politikerin und der katholische Würdenträger in vielen Fragen einig. Beide sprachen sich dafür aus, dass sich die Kirche in die Politik einbringen soll. «Die Kirche hat einen prophetischen Auftrag. Propheten reden öffentlich und zeigen, wo es in einer Gesellschaft zu geschmiert läuft», sagte der Bischof in seinem Referat, worauf er in der Diskussion Kritik an der Politik folgen liess.

Beispiel Waffenexporte: «Mich ärgert, dass die Schweiz enge wirtschaftliche Beziehungen zu Ländern unterhält, die den Terror fördern», sagte der Bischof. Die Schweiz habe die Tendenz, sich abzuschotten – ausser, wenn es um Geschäfte geht, dann öffne sie sich. «Wir haben in allem ein extrem monetäres Denken. Das ist nicht gut.» Dies zeige sich auch im Umgang mit Asylsuchenden; argumentiert werde immer mit den zu hohen Kosten. Eine Chancengleichheit für Flüchtlingskinder gebe es hierzulande nicht. Die Kirche sei gefordert, den Input für ein anderes Denken zu geben. Die Auswirkungen politischer Äusserungen hält er jedoch für bescheiden: «Die christliche Stimme gibt es, nur interessiert sich niemand dafür, weil sich damit keine Geschäfte machen lassen.»

Pascale Bruderer sagte, sie sei froh um politische Stellungnahmen der Kirche. «Das ist eine Stimme, die gehört wird.» Bruderer verriet dem Publikum ausserdem, dass sie beinahe selbst eine theologische Laufbahn eingeschlagen hätte. Ihre Mutter war Sonntagsschullehrerin, ihr Vater ist seit Jahren Kirchenpflegepräsident. Sie sei sehr nahe dran gewesen, Theologie zu studieren. «Ich schliesse nicht aus, dass ich das noch nachholen werde.»

Gefreut haben dürfte Bruderer, was der Bischof zum Schluss der Diskussion über Priesterinnen sagte: Persönlich könne er sich Frauen in dieser Rolle durchaus vorstellen.

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