Windisch

Erweiterungsbau für über 29 Millionen: Aargauer Psychiatrie reagiert auf Ausbrüche von Straftätern

Erweiterungsbau Klinik für Forensische Psychiatrie. Peter Wermuth, Chefarzt und Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie.

Erweiterungsbau Klinik für Forensische Psychiatrie. Peter Wermuth, Chefarzt und Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie.

Die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) wollen für 29,1 Millionen Franken einen Erweiterungsbau für psychisch kranke Straftäter errichten. Die drei neuen Stationen für die forensische Psychiatrie zählen 26 Plätze.

In den letzten Jahren ist es mehreren Straftätern gelungen, aus der geschlossenen forensischen Abteilung der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) zu flüchten. Im Mai 2016 öffnete Kris V. mit einem Werkzeug das Sicherheitsnetz vor dem Balkon und seilte sich ab. Der damals 22-Jährige war in Königsfelden in Behandlung, weil er 2009 als 16-Jähriger eine Jugendliche mit einem Holzscheit erschlagen hatte.

Nur wenige Tage vor diesem Ausbruch hatte der PDAG-Verwaltungsrat ein Sicherheitsaudit mit externen Spezialisten in Auftrag gegeben. In der Folge formierte sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Kantons, mit dem Ziel, den Sicherheitsstandard der geschlossenen Abteilung zu erhöhen.

Sicherheitsdienst wird wichtiger

Es wurden mehrere Sofortmassnahmen ergriffen. Die Straftäter dürfen zum Beispiel nur noch auf den Balkon, wenn sie jemand vom Pflegepersonal begleitet. Zudem gibt es neu einen internen Sicherheitsdienst. Dieser habe seine Tätigkeit per 1. November 2018 «nach umfangreichen Schulungs- und Vorbereitungsmassnahmen» aufgenommen, sagt Peter Wermuth, Chefarzt und Leiter der Klinik für Forensische Psychiatrie. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden auf der Station habe sich «sehr gut entwickelt».

Die Mitarbeitenden des internen Sicherheitsdienstes werden in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Auf dem Klinikareal in Königsfelden wird in den nächsten Jahren ein neuer Hochsicherheitstrakt für psychisch kranke Straftäter gebaut. Er kostet 29,1 Millionen Franken und soll Ende 2021 bezugsbereit sein. Die Baueingabe sei erfolgt, der Baubeginn für Mai vorgesehen, teilen die PDAG mit.

Der Erweiterungsbau wird an das bestehende Gebäude angeschlossen und soll die Sicherheit bei der Behandlung psychisch kranker Straftäter deutlich erhöhen. Es gebe eine Sicherheitsloge, die rund um die Uhr mit Mitarbeitenden des internen Sicherheitsdienstes besetzt sei, sagt Wermuth. Ausserdem werde auf der Triagestation, auf der psychiatrische Notfälle aus Strafanstalten behandelt oder neu eintretende Straftäter abgeklärt werden, permanent ein Mitarbeitender des Sicherheitsdienstes zur Unterstützung des Pflegepersonals im Einsatz sein.

Der Klinikleiter hält fest, dass in Zukunft nicht «gefährlichere» Straftäter in Königsfelden therapiert werden: «Die Klientel verändert sich nicht.» Aber die oft schwierigen Fälle könnten künftig unter besser gesicherten Bedingungen abgeklärt und behandelt werden.
In der Klinik für Forensische Psychiatrie in Königsfelden werden schwer psychisch kranke Menschen therapiert, die in einer akuten Krankheitsphase eine Straftat begangen haben. Sie wurden aufgrund verminderter oder aufgehobener Schuldfähigkeit von einem Gericht zu einer stationären Massnahe verurteilt.

Neu gibt es 72 statt 46 Plätze

Im neuen Erweiterungsbau entstehen 26 zusätzliche Plätze, was gegenüber heute einer Zunahme von mehr als 50 Prozent entspricht. Aktuell können in Königsfelden 46 psychisch kranke Straftäter behandelt werden. Neu sind es 72. Mit dem Ausbau würden die PDAG dem schweizweit unzureichenden Angebot an Behandlungsplätzen in der klinischen Forensik entgegenwirken, heisst es in der Mitteilung.

Noch bevor der Neubau bezugsbereit ist, wird bis im Sommer 2019 die Aussenhülle des bestehenden Gebäudes besser gesichert. Aus Sicherheitsgründen kann Klinikleiter Wermuth jedoch nicht näher auf Details eingehen.

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