Erste Überraschung am Umbau-Bahnhof Döttingen, wo es zur Startzeit nach einer mageren Gruppe aussieht. Dann kommen sie in Scharen aus allen Löchern und vom Ersatzbus. Recht forsch geht es mit 90 gut gelaunten Wanderfreunden los.

Die Enten am Stausee sind ruhig, weil sie derzeit ihr Federkleid erneuern. «Das Vogelparadies muss man im Winter besuchen», sagte eine Mitwanderin bestimmt. Nach Winter sieht es nicht aus, eher nach 36 Grad im Schatten.

Den hat es nur auf der Kleindöttinger Seite, dann brennt die Sonne gnadenlos. Aber die Wanderer klagen nicht, sie freuen sich an der schönen Natur. Es ist Sommer, der Himmel stahlblau und wolkenlos - wie gewünscht.

Landschaft mit Wasser und Wein

Das Zurzibiet ist auch die Kraftwerk-Hochburg im Land. Von den Atomkraftwerken sieht man nur die Dampffahne in Leibstadt. Dafür überqueren wir das Wehr beim Wasserkraftwerk Klingnau.

Immer wieder sorgt Wanderleiterin Silvia Hochstrasser für Halte im Schatten. Sie will nicht, dass jemand den Löffel abgibt - wie sie die Herkunft dieser und anderer Sprachwendungen erklärt.

Spannend sind alle ihre Schilderungen, sei es zum Jura, zum Bahnbau-Zeitalter oder der Gründung des Städtlis Klingnau. Die Zuhörer sind begeistert und reagieren mit Spontanapplaus. «40 Prozent des Schweizer Wassers fliessen durch die Aare», weiss die Reiseleiterin.

Statt zum Rhein geht es zum Wein. Vorbei am Städtli Klingnau und auf der steilen Dornestigele quasi in der Falllinie die Rebberge hoch. Hier wird die Hitze doppelt stark empfunden. Kein Wunder sind die Rebstöcke kräftig, gesund und stark.

Am Festplatz auf dem Hönger

Kurz vor dem Zenit auf dem Wasser-Wein-Wasser-Weg offeriert Klingnau die grosse Überraschung. Auf dem Hönger, dem Bundesfeierplatz vom Vorabend, erwartet uns die Gemeinde mit einen kühlen Weisswein und mit Nussgipfeln und Brötli als Wegstärkung.

Seine Frau Helene und Plinio Colombo, Präsident der Weinbau-Genossenschaft Klingnau, sorgen persönlich für gute Bedienung. Ebenso Kassier und Mitorganisator Alex Höchli und Gemeinderat Felix Lang.

Frau Vizeammann Josy Wenger und ihr Mann Hans wandern bis zum Hönger mit - letztes Jahr genossen sie sämtliche az-Wanderungen.

Die grosse Waldlichtung mitten auf dem Achenberg nutzt Silvia Hochstrasser, um die Bedeutung und Herkunft der Kapellen und Kreuze zu erklären. Von den 252 Höhenmetern folgen nur noch die letzten zwei, bevor es steil in die Tiefe geht.

Aber erst nach einem traumhaften Ausblick auf Bad Zurzach und die Rheinlandschaft - bis über die Grenze zur Küssaburg. Herzlich auch hier der Empfang durch die Behörden: Gemeinderat Chris Schweizer lädt ins Thermalbad oder zu einer Führung durch den Flecken. Doch zuerst geniessen selbst Bierungewohnte eine Stange gegen den grössten Durst.

Polit-Promis unter dem Volk

Trotz Hitze hält die Aargauer Politspitze bei der auf vier Stunden ausgedehnten Tour locker mit. Grossratspräsidentin Vreni Friker übernachtete mit ihrem Mann Thomas nach einer 1. August-Ansprache gleich in Bad Zurzach, beide sind auf Schusters Rappen gut unterwegs.

Mitten unters Wandervolk mischt sich Regierungsrat Stephan Attiger. Für eine Ansprache in Seon und unsere Wanderung ist Marianne Binder, Kommunikationschefin der CVP Schweiz, aus dem Tessin angereist - und rasch dorthin abgedüst. Den Polit-Ausgleich besorgt SP-Nationalrätin Yvonne Feri.

Obwohl er das Zurzibiet bestens kennt, ist auch der Böttsteiner Ammann und SVP-Grossrat Patrick Gosteli dabei. Unterwegs gehören sie wie alle zur Truppe, denn Wanderer kennen keine Hierarchie. Auch das macht sie sympathisch.