Bezirksgericht Baden

Ehemalige Büsi-Besitzerin klagte gegen Aargauer Tierschutz – weil sie ihre Cassiopeia verkauften

Illegal eine Katze vermittelt? Tierschützerin steht vor Gericht

Illegal eine Katze vermittelt? Tierschützerin steht vor Gericht

Die Aargauer Tierschutzpräsidentin Astrid Becker musste sich am Donnerstag vor Gericht verantworten. Grund dafür: Sie soll eine Katze ohne Einverständnis der Besitzerin vermittelt haben.

Die ehemalige Besitzerin einer Katze klagte gegen das Tierheim aus Untersiggenthal. Das Bezirksgericht Baden sprach den Aargauer Tierschutz frei.

Gleich in den ersten Minuten greift Michelle (Name geändert) zum Taschentuch. Die Augen füllen sich mit Tränen. Dass Cassiopeia nicht mehr da ist, schmerzt noch immer. «Ich denke jeden Tag an sie», sagt Michelle im Gerichtssaal in Baden. Links und rechts von ihr sitzen Astrid Becker, Präsidentin vom Aargauischen Tierschutz, und eine Angestellte. Michelle ist überzeugt: Die beiden haben ihr Cassiopeia weggenommen.

Cassiopeia ist eine Heilige Birma, eine Rassekatze. Zehn Jahre lebt sie bei Michelle, wird zum geliebten Familienmitglied. Dann, im September 2017, überschlagen sich die Ereignisse in Michelles Leben. Die Pflegefachfrau kommt in Untersuchungshaft, Cassiopeia braucht einen neuen Platz. Ein Bekannter bringt die Katze ins Tierheim des Aargauischen Tierschutzes in Untersiggenthal. Zwei Monate später will Michelle ihr Büsi zurückholen. Zu spät: Cassiopeia ist verkauft. Nachdem sie den Schock verdaut hat, reicht Michelle Anzeige wegen unrechtmässiger Aneignung ein.

Verkauft aufgrund eines Irrtums

«Wir haben die Katze nicht einfach so weitervermittelt», rechtfertigte sich die beschuldigte Astrid Becker. «Cassiopeia ging es schlecht.» Ein Tierheim sei nicht der richtige Platz für eine Heilige Birma, sagte Becker. Die Katzen bräuchten eine Bezugsperson, viel Körperkontakt und Zuneigung. «Wenn sie das nicht kriegen, leiden sie.» Sie hätten handeln müssen, sagte Becker. «Wir sorgten uns einzig und allein um Cassiopeias Wohl.»

Das Schicksal von Cassiopeia ist auch die Geschichte eines grossen Missverständnisses. Becker ging davon aus, dass Michelle ihre Katze nicht mehr haben will – oder besser gesagt: Sie musste es annehmen. Denn während der Untersuchungshaft sprach Michelle nie direkt mit Becker oder ihrer Mitarbeiterin, alles lief über Michelles damaligen Anwalt. Der sagte dem Tierheim, dass er sich um eine Lösung für Cassiopeia bemühe und bat um noch etwas mehr Zeit. Michelles Absicht, das Tier behalten zu wollen, erwähnte er mit keinem Wort. Der Anwalt liess Frist um Frist verstreichen; auf Briefe, Mails und Anrufe vom Tierheim reagierte er spät oder gar nicht. Den Tierschützerinnen blieb keine Wahl.

Der Einzelrichter sah das ähnlich und sprach die Frauen vom Vorwurf der unrechtmässigen Aneignung frei. Sie hätten die Katze zwar verkauft, obwohl die Besitzerin das nicht gewollt habe. Jedoch ohne Vorsatz: Michelles Wunsch kam letztlich nie bei ihnen an.

Wo ist Cassiopeia heute? Das behielt Becker am Prozess für sich. Sie versprach aber: «Ihr geht es super. Wir haben gute Leute gefunden.» Für Michelle dürfte das zumindest eine tröstliche Nachricht sein.

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