Nationalstrassennetz
Doris Leuthard zum A1-Ausbau im Aargau: «Sonst heisst es, ich sei befangen»

Ursprünglich sollte die vierspurige A1 im Aargau bis 2030 ausgebaut werden. Dann machte der Bund einen Rückzieher und visierte neu den Zeithorizont 2040 an. Nach dringenden Vorstössen aus dem Aargau macht er jetzt wieder kehrt. Der Abschnitt soll doch bis 2030 realisiert werden. Warum?

Mathias Küng
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Bundesrätin Doris Leuthard und Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen.

Bundesrätin Doris Leuthard und Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamts für Strassen.

PETER KLAUNZER
Leuthard zum A1-Ausbau

Leuthard zum A1-Ausbau

PETER KLAUNZER

Die Autobahn A1 auf der West-Ost-Achse ist die mit Abstand meistgenutzte Autobahn der Schweiz. Vier von zehn Autobahnkilometern werden auf ihr zurückgelegt. Bei Neuenhof werden täglich durchschnittlich 130'000 Fahrzeuge gemessen. Stockender Verkehr und Staus werden immer häufiger. Die Staustunden allein auf der A1 haben sich seit 2008 auf knapp 10'000 Stunden pro Jahr (24'000 Stunden auf dem ganzen Autobahnnetz) mehr als verdoppelt.

Ohne Gegenmassnahmen rechnet der Bundesrat damit, dass auf den Abschnitten der Problemstufe 3 (wozu jetzt auch der Abschnitt Birrfeld - Aarau Ost zählt) bis 2040 täglich stockender Verkehr und Staus während zwei bis vier Stunden zu erwarten sind. Da will er rechtzeitig Gegensteuer geben.

Der Bundesrat wollte diesen stark belasteten Vierspur-Abschnitt der A1 schon früh bis 2030 auf sechs Spuren erweitern, um den kommenden zusätzlichen Verkehr aufzufangen, stufte ihn dann aber auf 2040 zurück. Ab 2014 kämpften die Kantone Zürich und Aargau gemeinsam für die Realisierung bis 2030 (vgl. Timeline unten).

Aus dem Aargau folgte eine gleichlautende Standesinitiative. Der Aargau blitzte ab. Jetzt macht Bern aber kehrt. Neu soll diese Strecke im Aargau bis 2030 entschärft werden, wie an der Pressekonferenz des Bundesrates bekannt wurde. Der Handlungsbedarf nicht nur zwischen Aarau Ost und Birrfeld, sondern bis Dietikon sei gross, schreibt jetzt der Bundesrat. Warum der erneute Schwenker?

«Sonst heisst es, ich sei befangen»

Verkehrsministerin Doris Leuthard meinte auf eine entsprechende Nachfrage der AZ, diese Frage gebe sie Jürg Röthlisberger, Chef des Bundesamtes für Strassen, weiter. Sonst, so die Aargauerin Leuthard lachend, «heisst es, ich sei befangen». Ausschlaggebend war der Problemdruck auf der A1 im Aargau, so Röthlisberger.

Die Prognosen für die weitere Bevölkerungs- und Verkehrsentwicklung in den grossen Agglomerationsräumen im Zeithorizont bis 2040, den man jetzt anvisiere, seien die hauptsächlichen Treiber für diesen Entscheid. Röthlisberger: «Ein weiterer Grund ist das Projekt selbst. Es ist relativ gut unterwegs, es hat zudem den vollen Support der Region.» Und es gebe Verbesserungen auf dem kantonalen Netz, «die sich dann zusammen mit unserem Projekt realisieren lassen».