Die Zürcher Stimmberechtigten haben eine Volksinitiative, die den Verzicht auf die zweite Bauetappe forderte, mit 283'605 Nein- zu 58'464 Ja-Stimmen deutlich abgelehnt. Die Zürcherinnen und Zürcher sprachen sich damit zum zweiten Mal für die Stadtbahn im Limmattal aus. 

Bernhard Schmidt, Wortführer der Limmattalbahn-Gegner.

Bernhard Schmidt, Wortführer der Limmattalbahn-Gegner.

Bernhard Schmidt zur klaren Niederlage an der Urne.

Im November 2015 hatte das Stimmvolk das gesamte Projekt mit einem Ja-Anteil von 64,5 Prozent grundsätzlich gutgeheissen. Gestern Sonntag stellten sich die Zürcher mit einer Zustimmung von fast 83 Prozent noch deutlicher dahinter. Die Stimm-beteiligung betrug 39,3 Prozent.

Wachstumskritik im Limmattal

Die neuerliche Abstimmung wurde nötig, weil ein Komitee aus dem Limmattal mit einer Volksinitiative verlangt hatte, dass die zweite Bauetappe von Schlieren bis Killwangen nicht realisiert werden soll. Das Komitee begründete dies mit der ersten Abstimmung – die betroffene Bevölkerung im Bezirk Dietikon hatte sich 2015 gegen die Limmattalbahn ausgesprochen, war aber vom Rest des Kantons überstimmt worden. Kritik gab es vor drei Jahren einerseits wegen der Linienführung im Detail, andererseits wegen des seit Jahren bestehenden Wachstums in der Boomregion generell.

Die Befürworter der Bahn machten im Abstimmungskampf geltend, dass ein Verzicht auf die zweite Etappe die Verkehrsprobleme nicht lösen würde: Sie würden sich angesichts des weiter erwarteten Bevölkerungs- und Arbeitsplatzwachstums vielmehr vergrössern.

Die Mehrheit der Zürcher folgte dieser Argumentation. Und auch im Bezirk Dietikon kam es zu einem Meinungsumschwung – er sprach sich für den Bau der zweiten Etappe aus (63,9 Prozent Ja-Stimmen), 2015 hatte er die Bahn abgelehnt (45,2 Prozent Ja-Stimmen). In keiner Gemeinde resultierte nun ein Nein, 2015 waren die Bahngegner in acht der elf Bezirks-Gemeinden noch in der Überzahl gewesen.

Pläne für eine Verlängerung

Die erste Etappe von Zürich-Farbhof bis Schlieren wird momentan bereits erstellt. Sie wird im September 2019 – als Verlängerung des Zürcher Zweier-Trams – eröffnet. Nach dem Zürcher Volksentscheid vom Sonntag werden danach wie geplant die weiteren Arbeiten in Angriff genommen. Die Limmattalbahn soll dann gemäss dem aktuellen Zeitplan Ende 2022 vom Bahnhof Zürich-Altstetten über Schlieren und Dietikon bis an den Bahnhof Killwangen-Spreitenbach im Aargau verkehren. Auf der 13,4 Kilometer langen Strecke sind 27 Haltestellen vorgesehen. Und es muss am Ende nicht bei diesen beiden Etappen bleiben: Im Kanton Aargau gibt es Pläne, die Stadtbahn über Wettingen bis nach Baden zu verlängern.

Freude im Aargau

Erfreut auf das Abstimmungsresultat reagiert der Aargauer Verkehrs- und Baudirektor Stephan Attiger. Er sagt: «Ich bin sehr froh über das Ergebnis. Die Limmattalbahn ist eine unverzichtbare Grundlage für eine geordnete und qualitativ hochstehende Siedlungsentwicklung im Limmattal, im Grenzraum der Kantone Zürich und Aargau.» Nun herrsche Planungssicherheit, die Bahn könne ohne Verzögerung von Schlieren bis Killwangen-Spreitenbach weitergebaut werden. «Damit ist die wichtigste Grundlage für eine spätere Verlängerung bis nach Baden gegeben.»

Insgesamt kostet der Bau der Limmatalbahn rund 510 Millionen Franken, der Kreditanteil des Kantons Aargau liegt bei 180 Millionen Franken. Der Grosse Rat genehmigte den Betrag im Mai 2015 mit 117 zu 11 Stimmen äusserst klar. Die tatsächlichen Kosten werden für den Aargau jedoch weniger hoch ausfallen, da der Bund einen Anteil von 35 Prozent der Gesamtkosten für das Projekt übernimmt.