Dreissig Grad – der Sommer hat eingeschlagen. In der Aarauer Badi herrscht bereits Grossandrang. Kinder planschen in den Becken, Sportliche ziehen ihre Bahnen. Anders nebenan in der Aare. Nur ein Entenschwarm schwimmt vorbei, und ein einsamer Ast. Die Leute bleiben am Ufer und geniessen die Sonne.

Dies dürfte sich bald ändern. Bei der hochsommerlichen Hitze locken zur Abkühlung nicht nur Badis, sondern auch öffentliche Gewässer. Das Hochwasser ist abgeklungen, täglich steigen die Wassertemperaturen. Vor einer Woche seien in Brugg noch 14 Grad gemessen worden, gestern bereits über 18 Grad, sagt Christophe Lienert von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer. Auch die Limmat, Reuss und der Rhein nehmen allmählich Badetemperaturen an; der Hallwilersee ist bereits 20 Grad warm. «Bleibt das Wetter, wärmen sich die Gewässer weiterhin täglich auf», sagt Lienert.

Der Sommer ist da! In unzähligen Badeanstalten der Region wird geplantscht was das Zeug hält. Doch wie tief muss man für das nasse Vergnügen in den Geldbeutel langen?

Der Sommer ist da! In unzähligen Badeanstalten der Region wird geplantscht was das Zeug hält. Doch wie tief muss man für das nasse Vergnügen in den Geldbeutel langen?

Doch wo steigen die Aargauer überhaupt ins Wasser? Zwei Drittel der Wassermassen der Schweiz fliessen durch das Kantonsgebiet. Der Aargau ist ein Badeparadies – könnte man meinen. Nur: So einfach ist es nicht. Betreute Flussbäder fehlen. Die vielen Kraftwerke verunmöglichen streckenweise das Schwimmen. Auch gibt es kaum Informationen zu Badestellen und den dortigen Gefahren. Weder beim Kanton noch bei Aargau Tourismus. Wir erkundigen uns bei den regionalen Sektionen der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG).

Der Sog wird zu stark

Kurz vor Aarau teilt sich die Aare: Links geht sie in den Kanal, rechts verläuft der alte Aarelauf. In diesen Abschnitten seien immer viele Leute, sagt Werner Dönni von der SLRG Aarau. Zum Schwimmen sei jedoch im Kanal das Wasser ruhiger. Allerdings dürfe man nicht in der Nähe vom Kraftwerk schwimmen. «Geht die Schleuse auf, kann man nicht mehr weg. Der Sog wäre zu stark.»

Gefährlich können laut Dönni auch Strömungen sein, die man von oben nicht sieht. Manche denken, im Fluss zu schwimmen, sei nicht gefährlich und werden unvorsichtig. Dönni rät daher, ein Schwimmbrevet zu machen, wenn man gerne in Flüssen schwimmen gehe. Géraldine Escher, Leiterin der Schwimmschule Aarefisch, geht noch weiter: «Im Fluss zu schwimmen, ist immer ein Risiko», sagt sie. Man wisse nie, was sich unter der Wasseroberfläche befindet. Sie rät daher, nicht mit Kindern in Flüsse zu gehen. Besser besuche man eine Badi. In der Schwimmschule lernen Kinder jedoch, sich richtig zu verhalten, wenn sie unverhofft in einen Fluss geraten.

Die meisten Opfer sind männlich

Dass Flüsse Gefahren bergen, verdeutlicht ein Blick auf die Statistik. Gemäss SLRG gab es 2014 dank des schlechten Sommers schweizweit nur 25 Todesfälle. In den letzten zehn Jahren waren es jedoch durchschnittlich doppelt so viele. Über 90 Prozent der Opfer ertrinken in öffentlichen Gewässern. Und: Meistens sind es nicht Kinder, sondern Männer. Martin Burkart, Präsident SLRG Freiamt-Reusstal, hat eine Erklärung: Männer seien zuweilen übermütig und überschätzten sich.

Zum Schwimmen und Baden sei im Freiamt besonders der Abschnitt zwischen Merenschwand und Bremgarten beliebt. Dort habe er schon Leute gesehen, die sich mit einem selbst gebauten Floss, viel Bier und einem Grill obendrauf auf der Reuss treiben lassen. Dabei sei die Reuss einer der gefährlicheren Flüsse, weil sie schnell fliesst.

Ein anderes Problem kennt Thomas Rauber, Präsident SLRG Baden-Brugg: «Die meisten Schwimmer sind Badi-Schwimmer. Sie sind sich die verschiedenen Tiefen und Strömungen nicht gewohnt.» Dennoch sei das Baden in der Region, wo Aare, Limmat und Reuss zusammenkommen, beliebt. Etwa im Reussbädli in Gebenstorf könne es an schönen Tagen gut 200 Besucher geben. Junge Leute würden dort oft von der Zollbrücke springen und vor dem Wehr an Land gehen. Das Wasser fliesse dort langsamer, weil es gestaut wird.

Dennoch: In Flüssen gibt es keine Badmeister, keine Aufsicht, im Notfall keine Hilfe. Man soll nie alleine Schwimmen gehen, sagt Markus Kuster, Präsident SLRG Hallwilersee. Auch nicht im See, wo es im Gegensatz zu den Flüssen einen Rettungsdienst gäbe. Von Ende April bis Oktober hat die SLRG ein Seerettungsboot gewassert. Achtsamkeit gelte dennoch. Kuster sagt: «Jeder Schwimmer sollte auch ein Rettungsschwimmer sein. Damit man helfen kann, wenn jemand in Not gerät.»