Die gelb-schwarzen Brüder – total auf der gleichen Linie sind die beiden nicht

Lutz Fischer-Lamprecht sitzt für die EVP im Grossen Rat, sein Bruder Axel E. Fischer für die CDU im Bundestag. Corona und Flüchtlinge spalten die Meinungen.

Fabian Hägler
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Ein politisches Brüderpaar: Lutz Fischer-Lamprecht (53, links) sitzt für die EVP im Aargauer Grossen Rat, sein Bruder Axel E. Fischer (54) vertritt die CDU im Deutschen Bundestag.

Ein politisches Brüderpaar: Lutz Fischer-Lamprecht (53, links) sitzt für die EVP im Aargauer Grossen Rat, sein Bruder Axel E. Fischer (54) vertritt die CDU im Deutschen Bundestag.

zvg

Jürgen Trittin, der ehemalige grüne deutsche Umweltminister, will im Herbst wieder in den Bundestag gewählt werden. Seine Schwester Anke Trittin will in Solothurn für die Grünliberalen in den Kantonsrat. Ob die beiden die Wahl schaffen, wird sich im Verlauf des Jahres zeigen.

Ist heute reformierter Pfarrer in Wettingen

Ein überparteiliches und grenzüberschreitendes Brüderpaar ist den Trittins dabei voraus: Lutz Fischer-Lamprecht (53) aus Wettingen sitzt für die EVP im Aargauer Grossen Rat, Axel E. Fischer (54) aus Karlsruhe für die CDU im Deutschen Bundestag. Man könnte sie als gelb-schwarze Brüder bezeichnen: Die Farbe der EVP ist gelb, jene der CDU schwarz. Fischer-Lamprecht ist heute reformierter Pfarrer in Wettingen – geboren ist er aber im deutschen Karlsruhe. Dort war er einst Vorsitzender der Jungen Union in Stutensee und hat seinen Bruder, der inzwischen Berufs­politiker ist, überhaupt erst in die Politik gebracht, wie er sagt.

Politkarriere war für den Pfarrer erst kein Thema

Axel E. Fischer wurde 1998 in den Deutschen Bundestag gewählt – in jenem Jahr kam Lutz Fischer-Lamprecht mit seiner Frau Kristin in die Schweiz. «Für mich war es damals kein Thema, in der Schweiz politisch aktiv zu werden», sagt der heutige EVP-Grossrat. Einerseits hatte er keinen Schweizer Pass, andererseits fand er die Kombination schwierig, dass ein Pfarrer auch Politiker sein könnte.

Als er über seine Frau Pfarrer Heinz Leuenberger kennen lernte, der in Thun lange Jahre im Gemeinderat politisierte, änderte sich seine Einstellung. «Heute finde ich, dass ein reformierter Pfarrer durchaus auch Grossrat sein kann – ich mache in der Kirche ja keine Politik.» Wenn ihn jemand auf seine Tätigkeit im Grossen Rat anspreche, gebe er natürlich Auskunft, aber er halte keine parteipolitischen Predigten.

Wettinger CVP sei für seinen Geschmack zu bürgerlich

«Ich habe meinem Bruder bei den Bundestagswahlen immer die Stimme gegeben», sagt Lutz Fischer-Lamprecht. Total auf der gleichen Linie sind die beiden aber nicht, wie der Grossrat erzählt. «Mein Bruder gehört in der CDU eher dem rechten Flügel an, ich bin in die EVP eingetreten, weil mir der soziale Aspekt wichtig war.» Er habe mehrfach Online-Wahlumfragen ausgefüllt, dabei sei die EVP als Partei mit der besten Übereinstimmung erschienen.

Die CVP sei in Wettingen für seinen Geschmack zu bürgerlich, sagt Fischer-Lamprecht, der im November 2019 nach der Wahl von Lilian Studer zur Nationalrätin in den Grossen Rat nachrutschte und im vergangenen Herbst seinen Sitz im Kantonsparlament verteidigte.

«Da können die Meinungen nicht übereinstimmen»

Nicht nur Lutz Fischer-Lamprecht und sein Bruder sind politisch aktiv, auch die Frau des Wettinger Pfarrers engagiert sich in der Politik. Kristin Lamprecht ist SP-Mitglied, eine Zeit lang sassen sie und ihr Mann gemeinsam im Wettinger Einwohnerrat. Im Herbst 2018 reichte das Ehepaar sogar ein gemeinsames Postulat für mehr Grün im Siedlungsraum ein. Inzwischen ist Kristin Lamprecht nicht mehr Einwohnerrätin, dennoch gibt es bei Familientreffen immer wieder kontroverse politische Diskussionen, wie Lutz Fischer-Lamprecht sagt. «Ein deutscher CDU-Bundestags­abgeordneter, ein EVP-Grossrat und eine ehemalige SP-Einwohnerrätin, da können die Meinungen nicht übereinstimmen.»

«Ich möchte nicht tauschen»

Unterschiedlich beurteilen die Mitglieder der Familie zum Beispiel die Massnahmen gegen die Coronakrise oder die Flüchtlingspolitik. «Da sind meine Frau, mein Bruder und ich auf ganz unterschiedlichen Linien, aber das ist auch normal», sagt Fischer-Lamprecht. Sein Bruder sei als Bundestagsabgeordneter ein Berufspolitiker, insofern sei dieses Mandat nicht mit seinem Amt als Grossrat zu vergleichen.

«Aber ich möchte nicht tauschen, ich bin ein grosser Anhänger des Milizsystems», sagt der Wettinger. Sein ältester Sohn hat beim CDU-Abgeordneten Axel E. Fischer ein Praktikum absolviert, in jener Zeit hat der Wettinger seinen Bruder auch in Berlin besucht. «Er war hingegen noch nie an einer Grossratssitzung dabei, aber das kommt vielleicht auch einmal», sagt Fischer-Lamprecht.

«Es freut mich, dass ich mich für ihre Anliegen engagieren kann»

Genug Zeit dafür wäre bald: Axel E. Fischer tritt im Herbst bei den Bundestagswahlen nicht mehr an. Lutz Fischer-Lamprecht hat derweil andere Pläne, wie er auch auf seiner Website schreibt. «Auf die nächsten vier Jahre! – Seit November 2019 bin ich für die EVP Mitglied des Grossen Rates des Kantons Aargau und bei den Wahlen am 18.Oktober 2020 wurde ich im Amt bestätigt. Es freut mich, dass ich mich in Aarau für die Anliegen der Aargauerinnen und Aargauer engagieren kann.»