EU-Beziehungen
Die Folgen des Volks-Ja: Wie die Wissenschaftler den Streit mit der EU spüren

Zwei Jahre nach dem knappen Ja zur Masseneinwanderungsinitiative ist die Beziehung zur Europäischen Union angespannt. Das erschwert auch die Arbeit der Forschungsbetriebe im Aargau.

Manuel Bühlmann
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Das PSI ist auf ausländische Topforscher angewiesen.

Das PSI ist auf ausländische Topforscher angewiesen.

Die Schweiz arbeitet bei der Forschung seit Jahrzehnten mit der EU zusammen. Das knappe Ja zur Masseneinwanderungsinitiative vor zwei Jahren hat die Ausgangslage verändert: Seither akzeptiert die EU nur noch eine teilweise Assoziierung der Schweiz am Forschungsprogramm Horizon 2020. Die Folgen sind auch im Aargau zu spüren.

Am Paul-Scherrer-Institut (PSI) zeigten sich die ersten Auswirkungen bereits kurz nach dem Volksentscheid. «Von einigen Projekten wurden wir direkt nach der Abstimmung ausgeschlossen», sagt PSI-Direktor Joël Mesot. Sein Institut konnte 2014 gar nicht und seither nur teilweise vom europäischen Forschungsförderungsprogramm Horizon 2020 profitieren. Die Beteiligung von Schweizer Forschenden an EU-Projekten sei erheblich zurückgegangen. Keinen Zugang erhalten etwa Industrieunternehmen zu spezifischen Fördergeldern für diese Zielgruppe. Mesot: «Die industriellen Partner des PSI sind also benachteiligt, und auch das wirkt sich auf uns aus.» Er hofft auf eine Lösung, wonach die Schweiz ab dem kommenden Jahr wieder voll von Horizon 2020 profitieren kann. Doch ob es so weit kommen wird, ist keinesfalls sicher. Die Ungewissheit könnte noch eine Weile andauern. Joël Mesot: «Es ist zermürbend für unsere Forscher.»

Das PSI ist auf ausländische Topforscher angewiesen. Doch bei einigen von ihnen scheint das Ansehen der Schweiz gelitten zu haben. Mesot berichtet von Wissenschaftlern, die negative Auswirkungen auf den Zugang zu EU-Fördergeldern und damit auf ihre Karriere befürchteten. Schmerzlicher seien Fragen, ob sie und ihre Familien als Ausländer überhaupt noch willkommen seien. «Manchmal gelingt es uns, diese Bedenken auszuräumen. Manchmal nicht.»

Zwei weitere Betroffene

Einiges verändert hat sich auch beim Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick. Direktor Urs Niggli sagte diese Woche im Interview mit der Aargauer Zeitung: «Wir dürfen zwar an Projekten teilnehmen, sie aber nicht koordinieren. Das bedeutet für uns Prestigeverlust, wir erhalten weniger Geld und Know-how, das bei uns ist, bleibt ungenutzt.»

Spürbar sind die Auswirkungen auch an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) – «in Form von Unsicherheit und erhöhter Bürokratie», wie Direktionspräsident Crispino Bergamaschi sagt. «Die Verlässlichkeit der Schweiz als Partnerin hat gelitten: Soll man Schweizer Forschende angesichts hoher Bürokratie und unsicherer Finanzierung überhaupt noch mit ins Boot nehmen?»