Rabatt-Schlacht
Der starke Franken bringt Aargauer Möbelhersteller in Zugzwang

Die Möbelhändler haben den Währungsschock gut weggesteckt und bieten ihren Kunden Euro-Rabatte an. Die Möbelproduzenten dagegen müssen noch über die Bücher.

Peter Brühwiler
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Wettbewerbsvorteil für Euromöbel: Ausstellungshalle von Möbel Hubacher in Rothrist. Jiri Reiner

Wettbewerbsvorteil für Euromöbel: Ausstellungshalle von Möbel Hubacher in Rothrist. Jiri Reiner

Jiri Reiner

Kaum ein Reisebüro, Autoverkäufer oder Detailhändler, der derzeit nicht mit Euro-Rabatten lockt. Auch die grossen Aargauer Möbelhändler haben auf den Absturz des Euro von Mitte Januar schnell reagiert und die Preise gesenkt. Möbel Pfister etwa aktualisiert den «Euro-Währungsvorteil» seither laufend, während Möbel Hubacher die Preise von Möbeln aus dem Euroraum bis auf weiteres um 15 Prozent reduziert.

Keine Auswirkung auf Kurzarbeit

Der Frankenschock macht sich in den neuesten Zahlen des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit (AWA) noch nicht bemerkbar. Die Zahl der Arbeitslosen ist im letzten Monat zwar um 1,8 Prozent auf 11 134 Personen angestiegen. Saisonal bedingt erhöhen sich die Arbeitslosenzahlen im Januar üblicherweise jedoch stärker: Im Durchschnitt der letzten zehn Jahre waren es laut AWA 4,1 Prozent. Auch die Zahl der Kurzarbeitsgesuche ist nach wie vor tief. Im Januar gingen beim Kanton 21 Voranmeldungen ein. Das sind 11 mehr als im Dezember und gleich viele wie im Januar 2014. Bei den neu hinzugekommenen Betrieben sind laut AWA 511 Mitarbeitende potenziell betroffen.

Überraschend sind die tiefen Zahlen nicht, da die Nationalbank den Mindestkurs erst Mitte Monat aufgehoben hatte und das Einreichen eines Kurzarbeitsgesuchs sehr zeitaufwendig ist. Stark zugenommen haben laut AWA hingegen die Anfragen bezüglich Kurzarbeit, was auf ein Ansteigen der Zahl der Gesuche in den nächsten Monaten hindeutet. (per)

Vor vier Jahren, als der Euro von 1.50 auf 1.20 Franken tauchte, war das noch anders — unter anderem, weil die Händler selber von der Euro-Abwertung oft nicht profitieren konnten. Viele Möbelproduzenten aus dem Euroraum hätten für die hiesigen Abnehmer damals separate Preislisten in Schweizer Franken geführt, hört man aus der Branche.

Heute wird hauptsächlich nach Euro-Preislisten importiert. Und das Weitergeben des «Währungsvorteils» scheint zu wirken. Laut Möbel Pfister haben die Rabatte «rasch zu einer positiven und anhaltenden Tendenz bezüglich Frequenz und Verkäufen von Möbeln aus dem Euroraum» geführt. Auch Möbel Hubacher hat keinen Exodus von Kunden ins nahe Ausland registriert. Es sei weder zu einem massiven Einbruch noch zu einem massiven Ansturm gekommen, teilt die Pressestelle mit.

Im Ausland billiger

Verkompliziert hat sich derweil die Lage der Schweizer Möbelproduzenten. Man sei mit diesen in Verhandlungen, «damit wir unseren Kundinnen und Kunden Schweizer Möbel in der Schweiz zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten können», heisst es bei Möbel Pfister.

Schon einen Schritt weiter ist das Möbelhaus Strebel in Aarau. Gewisse Schweizer Hersteller hätten die Preise bereits um 5 bis 13 Prozent gesenkt, sagt Geschäftsführer Patrik Westermann. «Wir geben die Preisnachlässe eins zu eins weiter.»

Auch alle anderen Produzenten müssten reagieren, ist er überzeugt. Nicht nur, weil sie in den «Eurorabatten» unterzugehen drohen; die Euroschwäche hat auch zur etwas paradoxen Situation geführt, dass Schweizer Möbel im nahen Ausland — wohin sie in Euro verkauft werden — derzeit billiger zu haben sind als in der Schweiz.

Was tun? «Für uns wäre es in der Tat so, dass wir im Euroraum Preiserhöhungen durchsetzen müssten», sagt Monika Walser, CEO der Klingnauer de Sede AG. «Zurzeit machen wir jedoch genau das Umgekehrte.» Also: Rabatte für die Schweizer Händler — «mit der Abmachung, dass sie selber auch unterstützend mitwirken». Die Umsatzeinbussen will die Möbelmanufaktur mit effizienteren Arbeitsabläufen kompensieren. Eine Auslagerung der Produktion ins Ausland sei nicht vorgesehen, so Walser. «Wir wollen mit gleich vielen Mitarbeitenden mehr produzieren.»

«Verhandlungsbereit»

Hier mit den Preisen runter oder im Euroraum mit den Preisen rauf? Thut Möbel aus Möriken hat sich für die zweite Variante entschieden. «Mitte Jahr werden wir die Preise anpassen», sagt Geschäftsführer Benjamin Thut. Bis dann bleibt die Preisdifferenz zum Euroraum bestehen — «wenn wir merken, dass ein Fachhändler deshalb Geschäfte verliert, sind wir aber verhandlungsbereit». Für Preissenkungen über das gesamte Sortiment sei die Marge jedoch zu eng kalkuliert.

Die Möriker produzieren kleine Serien mit viel Handarbeit und bedienen laut Thut «eine kleine Zielgruppe, die spezielle Möbel mit technischen Finessen will». Gut möglich, dass sich diese von der «Rabatt-Schlacht» nicht beeindrucken lässt und der Kleinmanufaktur auch in Zeiten der billigen Euromöbel treu bleibt.

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