Aargau
Der Mann, der Künstler und Geschäftsmann in einem ist

Peter Löhmann ist Entertainer, Zauberer, Komiker, Moderator und Hilfswerk in einem. Wie schafft der Norddeutsche das, der für Tele M1 eine Sendung moderiert, alles unter einen Hut zu kriegen?

Elia Diehl
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Grinsender Clown: Peter Löhmann nennt sich ein Glückskind.Emanuel Freudiger

Grinsender Clown: Peter Löhmann nennt sich ein Glückskind.Emanuel Freudiger

Emanuel Per Freudiger

Man liebt oder man hasst es. Die steile, juvenile Frisur, die nicht ganz zum etwas schütteren Haar passen will. Das Nonstop-Grinsen, das zahlreiche Lachfalten im Gesicht geformt hat. Der laute Erguss an Worten, der nie ohne Witze auszukommen scheint. Seine Hektik. Der eigenwillige Dialekt. Seine Eitelkeit. Peter Löhmann – der Entertainer, der Zauberer, der Komiker, der Moderator, der Geschäftsmann – er polarisiert.

Seit sechs Jahren moderiert der Norddeutsche die «Visite» auf Tele M1, die samstägliche Sendung mit höchsten Einschaltquoten. Wöchentlich besucht er überfallartig Zuschauer zu Hause und schaut, ob der Sender unter den ersten zehn Kanälen gespeichert ist. In über 250 Sendungen hat er so mehr als 800 Wohnungen betreten. Gibt es etwas Banaleres als eine Promosendung? «Für den Zuschauer sind doch die Menschen selbst interessant, sie finden sich darin wieder», sagt er, den Erfolg hätte aber niemand erwartet. «Klar werde ich dafür nie einen Arte-Kulturpreis erhalten.»

Peter Löhmann ist aber auch viel mehr: Zauberer, Show-Koch, Clown, Rekordhalter im Guinnessbuch, Festival- und Hilfswerkgründer, Selfmademan. Business-Künstler nennt er sich. Verkauft er sich nur für Geld? «Nein, ich bin bloss nicht durchs Theater gross geworden», sagt der gelernte Koch. Dort kämen die Leute zum Künstler, er gehe aber zu ihnen und müsse sich so stets anpassen – an die Hochzeit, die Schreinermeister-GV, den Ärzte-Kongress, ans Kinderfest. Business-Kunst sei viel schwieriger, auch wenn er gut
davon leben könne. Zirka 220 Auftritte macht der Wahlaargauer pro Jahr bei viermal so vielen Anfragen. «Es gibt bessere Zauberer, bessere Comedians, aber nur der Löhmann verbindet alles.»

Der Gegensätzliche

«Der Löhmann», Tausendsassa und Workaholic, der Unzuverlässigkeit hasst; alles macht, worauf er Lust hat; spontan aus dem Bauch entscheidet. «In den Dubai-Ferien habe ich ein Kinderbuch geschrieben.» Arbeitskollegen bei Tele M1 kennen einen vor Ideen sprudelnden, ehrgeizigen Chaoten, aber auch eine egozentrische, cholerische und perfektionistische Diva. Doch hat er stets ein grosses und offenes Herz. «Faszinierend, das passt so gar nicht zusammen», sagt Eugen Da Pra, CEO der Georg Fischer AG. Der langjährige Kunde und Hauptsponsor von Löhmanns Magic Comedy Festivals lobt seine Nähe zum Publikum, dennoch bleibe Peter Löhmann unnahbar. Wer ist also der blonde Oldenburger?

Der Ungreifbare

Visite in der Eigentumsterrassenwohnung in Niederrohrdorf, seinem Rückzugsort mit Alpenblick. Ein Fernseher im Wohnzimmer. Ein zweiter im angrenzenden, offenen Büro. Tele M1 ist auf Kanal 3 gespeichert. Hier beginnt der TV-Junkie täglich um 7.45 Uhr zu arbeiten: Schreiben, Planen, Werben – der studierte Marketingplaner verzichtet auf eine Agentur.

Beim gemütlichen Frühstück sagt er mit vollem Mund zufrieden: «Gell, ich bin schwierig zu greifen? Es geht mir selbst auch so.» Also dann zu den ein-
fachen Fakten: Schweizerdeutsch? «Schwierig für Norddeutsche. Mein Stil ist eine Bastardsprache, nur ich sage Föifeföifzg.» Hobby? «Sport. FC Fislisbach Senioren.» Alter? «Vergiss es.» Freundin? «Keine Ahnung.» Kinder? «Toll.» Familie? «Das Wichtigste. Ich telefoniere täglich mit meinen Eltern.» Hilfsorganisationen? «Kein Wort.» Masseneinwanderungsinitiative? «Zu Politik sag ich nix.» So gerne Peter Löhmann im Mittelpunkt steht, das Privatleben ist ihm heilig. Er ist konsequent – und er ist eitel, aber das gehöre ein Stück weit zum Job als Entertainer dazu.

Das Glückskind

In den Beruf ist er reingewachsen. Als Koch kam er vor 27 Jahren in die Schweiz, arbeitete elf Jahre in St. Moritz als Hoteldirektor und Inhaber einer
Geschenkeboutique. Zauberer war er nebenbei – in der ganzen Schweiz. Ein Sekundenschlaf im Auto auf dem Julierpass änderte alles: «Ich stieg heulend aus und wusste, ich muss hier weg.» Er zog in den Aargau und entschied sich gänzlich fürs Künstlerleben.

Peter Löhmann nimmt das Leben mit Humor. Angst habe er keine, die Gedanken verdränge er. «Ich bin eben ein Glückskind», pflegt er zu sagen. Meist sitzt das Grinsen und der nächste Witz liegt ihm auf der Zunge. «Nur wer erwachsen ist und Kind bleibt, ist ein Mensch», zitiert er Erich Kästner. Und wo ist der ernste Löhmann? «Bei den Kindern in Haiti», sagt er und seine Miene entspannt sich. Seit 2010 engagiert er sich dort mit seinem Kinderhilfswerk Magic Moments und baut eine Schule und Trinkwasserbrunnen. Schon zuvor half er beim Aufbau eines Waisenhauses in China. Das Einmannhilfswerk finanziert sich unter anderem durch das Magic Comedy Festival.

Braucht man als Promi ein Saubermann-Image? «Das ist verkehrt», sagt Peter Löhmann bestimmt, er hänge das nicht an die grosse Glocke, «die meisten wissen nicht mal davon.»Jeder Rappen gehe nach Haiti, oft auch aus seinem Portemonnaie. Man könne mit Wenigem viel erreichen. Dann bricht er seine Regel: «Elf Milliarden wurden für Haiti gespendet, eine ist nachweislich angekommen. Das kann doch nicht sein!»

Peter Löhmann möchte sein Glück teilen, das sei ihm von seinen Eltern mitgegeben worden. «An Heiligabend mussten wir vier Kinder immer für einen mehr auftischen», erzählt er, falls ein Hungernder an der Türe läutete. «Magic Moments ist mein zusätzliches Gedeck.»

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