Sozialdienst

Der Kanton hat zu wenig Personal für die Flüchtlings-Betreuung

Notspital Muri: Hier betreut der Kanton Aargau die Flüchtlinge. Doch das ist nicht überall so im Aargau.

Notspital Muri: Hier betreut der Kanton Aargau die Flüchtlinge. Doch das ist nicht überall so im Aargau.

Mit der steigenden Zahl von Asylbewerbern im Aargau stellt sich für den Kanton nicht nur die Frage der Unterbringung. Auch bei der Betreuung stösst der Sozialdienst an personelle Grenzen. Und muss Gemeinden teils eine Absage erteilen.

Der Fall ist paradox: Schmiedrued möchte mehr Asylbewerber aufnehmen, doch der Kanton lehnt ab. Grund sind die fehlenden Kapazitäten beim kantonalen Sozialdienst. Im Klartext: Der Kanton hat nicht genügend Personal, um die Flüchtlinge zu betreuen.

«Wir verfügen derzeit nicht über die Ressourcen, einzelne Familien in einzelnen Wohnungen in einzelnen Gemeinden zu betreuen», sagte Balz Bruder, Sprecher des kantonalen Sozialdepartements, dazu.

Deshalb sei man froh, wenn die Gemeinden die Betreuung der Asylbewerber selber übernehmen. Dies tut beispielsweise Sarmenstorf, wie das SRF-Regionaljournal am Donnerstag berichtete. Für den Kanton sei dies eine Entlastung, hielt Bruder fest.

Teilweise müsse die Verwaltung den Gemeinden eine Absage erteilen. «Betreuungsmandate von kleinen Unterkünften kann der Kanton nicht mehr übernehmen», so Bruder. Das heisst konkret: Die Gemeinden müssen die Betreuung ihrer Flüchtlinge selbst organisieren.

Wohnen im Keller: Ein Rundgang durch die Flüchtlingsunterkunft in der unterirdischen Operationsstelle des Spitals Muri.

Wohnen im Keller: Ein Rundgang durch die Flüchtlingsunterkunft in der unterirdischen Operationsstelle des Spitals Muri.

Dies, obwohl der Kanton im Verlauf des Jahres das Betreuungspersonal beim Sozialdienst bereits massiv aufgestockt hatt. So lag der Bestand Anfang 2015 noch bei 78,9 Stellen, wie Balz Bruder auf Anfrage der az sagt.

Schon im Frühling kamen fünf weitere Stellen hinzu. Weil die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge stieg und der Kanton die Betreuung dieser Gruppe verbessern wollte, «mussten noch weitere 22,6 Stellen beantragt werden», wie Balz Bruder erklärt.

Finanziert werden diese Stellen durch die Globalpauschale, welche der Bund den Kantonen für die Betreuung und Integration von Asylbewerbern ausrichtet.

Viele private Angebote

Über die eigentliche Betreuung der Asylbewerber hinaus gibt es im Aargau zahlreiche Angebote von Privaten. Im aktuellsten Newsletter listet die Anlaufstelle Integration Aargau diverse auf – eine Auswahl:

  • Auf der Plattform Benevol-Jobs können Einsatzmöglichkeiten für Freiwillige gesucht werden.

  • Das Netzwerk Asyl bietet Jugendlichen zwischen 16 und 18 eine Tagesstruktur. Neben Deutsch und Mathematik werden Kochen, Werken, Veloflicken und Gartenarbeit vermittelt. Caritas Aargau sucht Helfer für die Projekte «mit mir» und «Begleitung von Flüchtlingen».

  • In der Region Aarau trainieren Fussball- und Volleyballmannschaft mit Flüchtlingen.

  • Family Network sucht Pflegefamilien für Flüchtlingskinder.

  • Heks pachtet Gärten an verschiedenen Standorten im Aargau und bewirtschaftet diese zusammen mit Flüchtlingsfrauen.

  • Ein Helferkreis kümmert sich um die Bewohner der Asylunterkunft im Alten Spital in Zofingen.

  • Die IG Asyl Laufenburg bietet Fahrdienste, Deutschunterricht und sammelt Kleider für Asylsuchende.

  • Das Jugendrotkreuz organisiert Sportnachmittage für Menschen in Asylunterkünften, begleiten Migranten und erteilen Nachhilfe.

  • Kinderzeit: Eine Gruppe von Freiwilligen in und um Aarau bietet verschiedene Aktivitäten für Kinder aus den Asylunterkünften an.

  • «Mini Decki»: In der ganzen Schweiz werden Decken genäht, die an Flüchtlingskinder in den Durchgangszentren verteilt werden. Fabian Hägler

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