Pascal Koradi

Der AKB-Chef: «Trotz überbewertetem Franken zeigt sich die Aargauer Wirtschaft robust»

Pascal Koradi, Chef der Aargauischen Kantonalbank, äussert sich im Interview mit der «Aargauer Zeitung» zum Jahresergebnis und zur Wirtschaftsentwicklung.

Die Aargauische Kantonalbank präsentierte am Dienstag ihr Jahresergebnis 2016.

  • Die Aargauische Kantonalbank (AKB) hat 2016 weniger Gewinn eingefahren als im Rekordjahr 2015. Der Gewinn sank um 8,5 Prozent auf 142,2 Mio. Franken.
  • Die Staatsbank überweist dem Kanton 109,7 Mio. Franken als Gesamtentschädigung.
  • Der Lohndeckel für das Topkader wurde umgesetzt.

Herr Koradi, sind Sie mit dem Ergebnis der Aargauischen Kantonalbank zufrieden?

Pascal Koradi: Ich bin mit dem Jahresergebnis sehr zufrieden. Nach dem Rekordergebnis von 2015 ist es das beste Resultat der Geschichte der Bank. Für mich ist natürlich wichtig, was man daraus für die Zukunft ablesen kann. Es ist gelungen, unseren Fussabdruck zu erhöhen und das Kundenvolumen um weitere 2 auf 46,1 Milliarden Franken zu erhöhen. Für mich ist wichtig, dass nicht nur die globale Grösse stimmt. Für mich ist auch wichtig zu schauen, wo wir bei den Kunden gepunktet haben. Da haben wir uns breit verstärkt.

In welchem Bereich können Sie noch zulegen?

Wir wollen zum massgeblichen Lösungspartner für unsere Kunden werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Thema Hauptbank. Wir wollen nicht einfach Immobilen finanzieren, sondern wollen die Gesamtsituation unserer Kunden verstehen. Bei der Art und Weise, wie wir dies tun, haben wir sicher noch Verbesserungspotential.

Sie wollen die Digitalisierung vorantreiben und dort investieren. In welchen Bereichen wollen Sie das konkret tun?

Wir gehen drei Bereiche an, dazu gehört das Thema Kundenlösungen. Konkret geht es etwa um Vorsorgelösungen, wo wir den Kunden die Gelegenheit geben, für sich selber Produkte zusammenzustellen, um so mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. Daneben wollen wir den Kundenberater rund um das Wissen über den Kunden besser unterstützen. Zuletzt werden wir auch unsere Abläufe effizienter gestalten. Gleichzeitig wollen wir aber weiterhin in unsere Geschäftsstellen investieren.

Pascal Koradi zu den AKB-Geschäftszahlen 2016

Pascal Koradi zu den AKB-Geschäftszahlen 2016

Der CEO der Aargauischen Kantonalbank, Pascal Koradi, nimmt Stellung zu den präsentierten Geschäftszahlen. Unter anderem auch zur Rekord-Gewinnabgabe.

Wie beurteilen Sie die Wirtschaftslage weltweit und in der Schweiz?

Es ist klar, dass man die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft nicht isoliert betrachten kann. Deshalb muss man auch die Weltwirtschaftslage im Auge behalten. Hier sind die Prognosen bezüglich Wachstum wieder etwas besser. Im Moment herrscht die Meinung vor, dass der Wachstumsimpuls wieder etwas stärker vom Westen kommt, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Für die Schweizer Wirtschaft sind wir positiv gestimmt, wir erwarten ein Wachstum von rund 1,6 Prozent.

Wie sieht die Situation in der Region aus?

Ich bin positiv beeindruckt, wie robust sich die Aargauer Wirtschaft zeigt. Der Franken ist schon seit längerer Zeit deutlich überwertet. Dennoch schlagen sich unsere Unternehmen in einem breiten Wirtschaftsmix gut.

Was heisst das für die AKB?

Die AKB kann nur Erfolg haben, wenn auch die Kunden erfolgreich sind. Das gilt sowohl für die Arbeitnehmer als auch für die Unternehmen. Da befinden wir uns eins zu eins im gleichen Boot.

Sie liefern dem Kanton Aargau nochmals deutlich mehr Gewinn ab. Gibt es für Sie eine obere Grenze, die für die Bank noch zumutbar ist?

Das kann man nicht mit einer absoluten Grösse messen, die Relation ist entscheidend. So setzen wir die Eigenmittel nach Gewinnverwendung in Beziehung zu den risikogewichteten Positionen. Dies drückt sich in der Gesamtkapitalquote aus, die wie im letzten Jahr 16,2 Prozent beträgt. Damit liegen wir in der Zielgrösse zwischen 15,8 und 16,2 Prozent, die der Gesetzgeber wie auch der Regierungsrat im Rahmen der Eigentümerstrategie festgelegt haben.

Daneben ist eine zweite Relation wichtig: Wie viel wird ausgeschüttet im Verhältnis zum gesamten ausschüttbaren Jahresgewinn. Das ist derzeit rund die Hälfte, sprich jeder zweite ausschüttbare Franken wird dem Kanton abgeliefert. Das erscheint mir eine vernünftige Grösse.

Kann der Kanton auch künftig mit so hohen Ausschüttungen rechnen?

Ein Teil des Geschäftserfolgs wird beeinflusst durch Treiber, über die wir uns nicht jedes Jahr erfreuen können. Ein zentrales Thema dabei ist die Entwicklung der Risikokosten. Wir haben im vergangenen Jahr ausfallrisikobedingte Wertberichtigungen von 20 Millionen auflösen können. Wenn dies nicht angefallen wäre, hätten wir auch nicht so eine hohe Ausschüttung vornehmen können.

In diesem Jahr erwarteten Sie einen tieferen Gewinn. Was sind die Gründe?

Da kann ich bei der Antwort der letzten Frage ansetzen. Wir erwarten nicht, dass wir im gleichen Ausmass Wertberichtigungen auflösen können. Insgesamt rechnen wir im Zinsengeschäft mit einer stabilen Entwicklung, im Kommission- und Dienstleistungsgeschäft dürften wir etwas besser abschneiden. Das Handelsgeschäft, das 2016 einen Rekordwert verzeichnet hat, dürfte in etwa gleich bleiben. In der Summe gibt das einen leicht tieferen Geschäftsertrag.

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