Talk Täglich
Darum konnte Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann nicht mit der GE-Spitze verhandeln

Warum reiste Regierungsrat Urs Hofmann nicht in die USA zu Verhandlungen mit der GE-Spitze? Und was unterscheidet den Stellenabbau von heute mit jenem von 1988? Im Talk Täglich diskutieren Urs Hofmann und der frühere ABB-Chef Edwin Somm sowie SVP-Grossrat Martin Keller.

Fabian Hägler
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1400 Stellen baut General Electric im Aargau ab, alleine 1100 davon in Baden (die AZ berichtete). Hätte man dies verhindern können, und wie geht der Aargau mit dem Schock um? Dies war das Thema in der Sendung TalkTäglich bei Tele M1.

«In einer Krisensituation gehört der Chef auf die Kommandobrücke», sagte SVP-Grossrat Martin Keller im TalkTäglich. Keller, der in einem Vorstoss kritisiert, dass im Oktober kein Regierungsmitglied, sondern die Aargauer Staatsschreiberin Vincenza Trivigno in den USA mit der Führung von General Electric verhandelte, zielte damit auf Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann.

Trivigno mit Dossier vertraut

Dieser sass in der Diskussionsrunde mit SVP-Grossrat Keller und dem ehemaligen BBC-Chef Edwin Somm im Studio. SP-Vertreter Hofmann erklärte, er habe aus gesundheitlichen Gründen auf die Reise nach Atlanta verzichten müssen. Keller entgegnete, an Hofmanns Stelle hätte Landammann Stephan Attiger oder Landstatthalter Alex Hürzeler in die USA fliegen und mit der GE-Führung verhandeln können.

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Talk Täglich mit Moderator Kaspar Loeb und den Gästen Urs Hofmann (Regierungsrat), Martin Keller (Grossrat SVP) und Edwin Somm (Ex-CEO ABB). Aufgenommen am 12. Dezember 2017 im Studio 3 des Tele M1 in Aarau zum Thema Stellenabbau bei der GE.
Talk Täglich mit Moderator Kaspar Loeb und den Gästen Urs Hofmann (Regierungsrat), Martin Keller (Grossrat SVP) und Edwin Somm (Ex-CEO ABB). Aufgenommen am 12. Dezember 2017 im Studio 3 des Tele M1 in Aarau zum Thema Stellenabbau bei der GE.

Chris Iseli

Hofmann konterte und sagte, die Regierung habe sich sehr wohl überlegt, wer den Managern des amerikanischen Energiekonzerns die Vorzüge des Aargaus näherbringen sollte. Der Regierungsrat sei zur Entscheidung gelangt, Staatsschreiberin Trivigno zu entsenden, «die zuvor mit mir zusammen die Gespräche mit den GE-Vertretern in der Schweiz geführt hat», wie Hofmann sagte. Dies habe man als deutlich sinnvoller erachtet, als ein Regierungsmitglied in die USA zu schicken, das mit dem Dossier nicht vertraut war.

Chefs sitzen heute im Ausland

Was die Aargauer Staatssschreiberin in der Delegation mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann und Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt bei GE letztlich herausholte, wisse niemand – in diesem Punkt waren sich die drei Diskussionsteilnehmer einig. Edwin Somm, der als damaliger BBC-Chef vor fast 30 Jahren den Abbau von 2500 Stellen in Baden bekanntgeben musste, schätzt die heutige Situation völlig anders ein.

Einst seien Entscheide von Führungskräften vor Ort getroffen worden – «ich wäre 1988 als BBC-Chef sofort zu Ihnen in die Sendung gekommen», sagte er zu Moderator Kaspar Loeb – heute sässen die Chefs im Ausland. Somm, der sich grundsätzlich für eine liberale Wirtschaftspolitik einsetzt, lobte das Engagement von Kanton und Bund. Regierungsrat Urs Hofmann und Bundesrat Johann Schneider-Ammann hätten sich schon vor dem Verkauf von Alstom an GE sehr für den Standort Aargau eingesetzt. «Hätte damals Siemens das Rennen gemacht, würde es heute noch viel schlimmer aussehen», sagte Somm.

Markt falsch eingeschätzt

Allerdings sei es für ihn schwer verständlich, dass die beiden Firmen vor zwei Jahren rund 10 Milliarden Franken für Alstom offerierten. Somm wollte nicht von Managementfehlern bei GE reden, doch habe das Unternehmen den Markt offenbar falsch eingeschätzt.
Regierungsrat Hofmann sagte, bei GE habe es offenbar die Vorgabe gegeben, eine Milliarde zu sparen und 12 000 Stellen weltweit abzubauen. «Wir möchten aber die industrielle Logik dahinter verstehen, schliesslich sind es am Ende die Mitarbeiter, die darunter leiden.»

SVP-Grossrat Keller relativierte die Auswirkungen des Stellenabbaus auf Baden und die Region. Rund die Hälfte der Betroffenen seien Grenzgänger oder Expats, beim massiven Abbau bei BBC von 1988 habe der überwiegende Teil der Belegschaft noch in der Region gewohnt. Grundsätzlich sei es besser, wenn eine Firma Mitarbeiter entlasse, als dass sie Pleite mache und alle Angestellten ihren Job verlieren.

Hofmann entgegnete, man dürfe den Verlust von 1400 Arbeitsplätzen im Aargau nicht verharmlosen. Er hoffe, die Zahl lasse sich in der Konsultationsphase mit GE noch reduzieren. Bei der Stellensuche würden die Betroffenen vom Jobcenter der Firma und vom Kanton unterstützt. Schon am Montag habe eine erste Sitzung mit Vertretern der beiden Seiten stattgefunden.