Verkehr

Brugg überholt Baden bei den Umfahrungen: So steht es um die Mega-Projekte im Ostaargau

Künftig soll die Limmattalbahn über die Badener Hochbrücke fahren – ob mit oder ohne Autos daneben, ist eine ums

Künftig soll die Limmattalbahn über die Badener Hochbrücke fahren – ob mit oder ohne Autos daneben, ist eine ums

Die drei wichtigsten Elemente der künftigen Verkehrsführung im Ostaargau kommen unterschiedlich an: Die Limmattalbahn ist unbestritten, der Tunnel in Brugg wird begrüsst, die Umfahrung von Baden steht heftig in der Kritik. Die Übersicht.

Wann fährt das erste Tram durch Neuenhof, wann ist der Spatenstich zum Tunnel unter der Aare in Brugg und wann bringt der Tunnel durch den Martinsberg einen direkten Anschluss an die A1? Was kosten die einzelnen Elemente im Gesamtverkehrskonzept für den Ostaargau, sind sie bei Politik und Bevölkerung mehrheitsfähig und wie viel Entlastung bringen sie tatsächlich? Diese konkreten Fragen, die sich wohl viele Pendler im östlichen Aargau stellen, lassen sich derzeit nicht beantworten.

Seit Freitag ist aber klarer, wie der Fahrplan des Kantons für die Verkehrszukunft der Regionen Limmattal, Baden-Wettingen, Brugg-Windisch und Unteres Aaretal aussieht. An einer Medienkonferenz stellten Bau- und Verkehrsdirektor Stephan Attiger, sein Abteilungsleiter Verkehr Carlo Degelo und Baden-Regio-Präsident Roland Kuster die nächsten Schritte vor. Dabei zeigt sich: Je nach Zustimmung oder Ablehnung werden einzelne Elemente forciert, während andere zurückgestellt und nochmals vertieft geprüft werden.

Limmattalbahn: unbestritten, aber Linienführung noch offen

Die erste Etappe der Limmattalbahn von Zürich Altstetten bis Killwangen-Spreitenbach ist im Bau, im Dezember 2022 sollen die ersten Trams in den Aargau fahren. Die spätere Weiterführung der Limmattalbahn bis Baden fand in der Anhörung breite Zustimmung, auch von den Kantonalparteien und Verbänden gibt es kaum Widerstand. Der Regierungsrat beantragt dem Grossen Rat deshalb, die Weiterführung als Zwischenergebnis im kantonalen Richtplan einzutragen (siehe Box am Textende zum Planungsstand). Die Limmattalbahn ist ein Tram und keine neue S-Bahn-Linie. Auf rund 9 Kilometern zwischen Killwangen-Spreitenbach und Baden sind 18 Haltestellen geplant.

Das ist der Knackpunkt: Rund 700 Einwohner von Wettingen und Neuenhof sind gegen die Weiterführung der Limmattalbahn. Diese würde das Ortsbild beeinträchten, das Gewerbe entlang dem Trassee behindern und zuviel Landwirtschaftsland im Gebiet Tägerhard beanspruchen. Sie fordern stattdessen einen Ausbau des heutigen Busnetzes mit Bevorzugung der Busse.

Der Kanton prüft aufgrund dieser Eingaben die Linienführung der Limmattalbahn im Gebiet Wettingen Ost. Diese sollen bis zur Festsetzung im Richtplan genau untersucht und «mit den übrigen kantonalen Interessen sowie den Vorbehalten aus der Bevölkerung» abgewogen werden, hält der Regierungsrat fest.

So reagiert die Region: «Der öffentliche Verkehr ist wichtig, damit die Zentrumsstädte gut erreichbar bleiben», sagt Roland Kuster, Gemeindeammann von Wettingen und Präsident des Verbandes Baden Regio. «Dafür braucht es die Limmattalbahn, das neue Tram hilft uns dabei, Wohnen und Arbeiten zu verbinden. Es geht dabei nicht nur um die Verbindung des Zentrums Baden-Wettingen mit Zürich, sondern um die Verbindung von Wohnorten und Arbeitsplätzen im ganzen Limmattal.»

Das sagt der Verkehrsdirektor: «Wenn der Grosse Rat unserem Antrag folgt, ist das ein erster Meilenstein auf dem Weg zur Realisierung. Der Aargau hat sich mit 180 Millionen Franken an der ersten Etappe der Limmattalbahn beteiligt. Schon damals forderten die Gemeinden, die Bahn bis Baden weiterzuführen. Heute sind alle Verkehrsträger im Limmattal stark ausgelastet, mit dem künftigen Wachstum wird es noch mehr Pendler geben», sagt Stephan Attiger.

Baden: Kritik im Siggenthal, Fragezeichen bei Hochbrücke

Für den Raum Baden-Wettingen sieht das Gesamtverkehrskonzept Oase eine Zentrumsentlastung mit einem neuen Strassentunnel durch den Martinsberg vor. Vorgesehen ist zudem die Sperrung der Hochbrücke über die Limmat für Autos, über die Brücke sollen künftig nur noch die Limmattalbahn und Velos fahren. Dafür ist weiter flussaufwärts eine neue Brücke für den motorisierten Verkehr geplant. Das Konzept enthält auch einen Ausbau des Busangebots im Siggenthal sowie mehrere neue Veloschnellrouten. In der Anhörung gab es zum Teil heftige Kritik, insbesondere aus dem Siggenthal. Die Regierung will die Massnahmen im Raum Baden-Wettingen deshalb im Richtplan auf dem Status als Zwischenergebnis belassen. Ursprünglich war vorgesehen, die Planungen als detailliertere Festsetzung im kantonalen Richtplan zu verankern.

Das sind die Knackpunkte: Gemeinden im Siggenthal befürchten, dass die Verkehrsbelastung für sie künftig noch grösser wird. Sie fordern eine Reduktion der täglichen Anzahl Autos, die durch das Siggenthal fahren. Der Kanton war bei seinen Planungen bisher vom Ziel ausgegangen, die Verkehrsbelastung im Siggenthal nicht zu reduzieren, sondern auf dem heutigen Stand zu plafonieren.

Die Sperrung der Hochbrücke zwischen Baden und Wettingen für Autos kommt in der Region schlecht an. «Wir sind nicht glücklich mit diesen Plänen des Kantons», sagt Baden-Regio-Präsident Roland Kuster. «Wir sind der Meinung, dass es Möglichkeiten gibt, die Brücke im Mischverkehr zu nutzen.» Ein Betriebs- und Gestaltungskonzept solle dafür sorgen, dass die wichtigste Strassenverbindung zwischen Baden und Wettingen erhalten bleibe. Dafür solle auf den Bau der geplanten neuen Limmatbrücke verzichtet werden.

So reagiert die Region: «Grosse Erleichterung im Siggenthal: Protest zeigt Wirkung».

Das sagt der Verkehrsdirektor: «Wir werden klären, ob ein Mischbetrieb auf der Hochbrücke mit Limmattalbahn, motorisiertem Individualverkehr und Velos möglich ist. Auch in den Zentren von Neuenhof und Wettingen sind solche Abklärungen nötig. Zudem werden wir anschauen, ob es eine neue Limmatbrücke braucht oder nicht», sagt Attiger zur Hochbrücke-Frage.

«Vor dem Bau der Obersiggenthaler Brücke ging man davon aus, dass sich der Verkehr je zur Hälfte auf die Limmatseiten verteilen würde. Heute gibt es im Siggenthal klar mehr Verkehr als auf der Achse Turgi-Baden. Wir werden prüfen, wie sich eine Reduktion der Verkehrszahlen realisieren lässt. Offen ist, ob Verkehrsmanagement reicht, oder ob es bauliche Massnahmen bis zu einer Komplettumfahrung braucht», sagt Attiger zur Kritik im Siggenthal.

Brugg: Reaktionen positiv, Windisch will längeren Tunnel

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Weniger umstritten als die Massnahmen im Raum Baden-Wettingen sind jene in Brugg-Windisch. Deshalb soll der Grosse Rat die neue Strasse vom Kreisel Lauffohr bis zur Westumfahrung noch dieses Jahr als Festsetzung im Richtplan verankern. Grundsätzlichen Widerstand gibt es kaum, nur SP und Umweltverbände fordern einen Verzicht auf die Umfahrung.

Das ist der Knackpunkt: Wie lang soll der Tunnel unter der Aare werden, der das Herzstück der Umfahrung bildet? Die Gemeinde Windisch möchte diesen bis zum Anschluss der Südwestumfahrung verlängern. Dies will der Kanton nach der Festsetzung im Richtplan klären.

So reagiert die Region: «Tunnellänge und Anschluss Kabelwerke werden nochmals geprüft».

Das sagt der Verkehrsdirektor: «Im Moment hat Brugg-Windisch bei den Umfahrungen die Nase vorn. Wir sind aber immer im Richtplanverfahren, das kann sich rasch ändern, wenn es später in die detaillierte Projektierung geht. Das Gesamtverkehrskonzept Oase ist ein Masterplan, der sämtliche Verkehrsprojekte bis 2040 im östlichen Aargau überlagert. Das heisst aber nicht, dass am Ende der Grosse Rat oder das Volk über einen Riesenkredit zur Umsetzung der Oase entscheiden werden. Für die einzelnen Elemente wie die Limmattalbahn, oder Massnahmen in den Räumen Baden-Wettingen und Brugg-Windisch, wird es Einzelprojekte und separate Abstimmungen geben. Wir haben bewusst eine breite Anhörung durchgeführt, obwohl es erst um Einträge im Richtplan geht. Normalerweise macht man das erst auf der Stufe von Projekten. Wir haben viele Inputs erhalten, die in die Ausarbeitung der Projekte einfliessen werden – das ist sehr wertvoll», sagt Attiger zusammenfassend.

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