«Bitte hinten einsteigen», heisst es momentan bei den Regionalen Verkehrsbetrieben Baden-Wettingen.

Die RVBW schreibt: «Sie können mithelfen, dass unser Fahrpersonal gesund bleibt. Bitte steigen Sie bei Kälte nach Möglichkeit nicht bei der vordersten Türe ein oder aus. Herzlichen Dank.»

Die Fahrgäste werden gebeten, im Winter die vorderste Türe – gleich beim Buschauffeur – nicht zu benützen.

So sollen die Chauffeure möglichst gesund bleiben. Sie sind damit nicht dem abwechslungsweise warmen und kalten Luftstrom ausgesetzt.

Wunsch der Chauffeure

Diese Bitte richten die RVBW jeweils im Winter an ihre Fahrgäste. Vor einigen Jahren wendeten sich die Buschauffeure an die Geschäftsleitung und brachten diesen Wunsch an.

Es war zwar nicht so, dass die RVBW besonders viele kranke Buschauffeure hatte. «Es geht vor allem auch um die Prävention», sagt Marija Nikolova, RVBW-Sprecherin.

Und den Fahrgästen scheint es laut Eigenaussage der RVBW nichts auszumachen. «Die Gäste halten sich daran und kommen unserer Bitte nach, ausser es geht wirklich nicht anders», sagt Nikolova und zeigt sich zufrieden mit der Umsetzung: «Das freut uns natürlich sehr. Das zeigt, dass es die Leute ernst nehmen.»

Zu Stosszeiten ist aber auch den Buschauffeuren klar, dass sämtliche Türen benutzt werden müssen.

Freie Wahl bei anderen Busbetrieben

Andere Busbetriebe im Kanton kennen diese Aufforderung an die Passagiere nicht.

«Weil unsere Fahrer auch Billette im Postauto selbst verkaufen, bleibt die vorderste Türe für Fahrgäste ohnehin immer zugänglich», sagt Urs Bloch, Mediensprecher der PostAuto AG. «Die Benutzung sämtlicher Türen erhöhe den Fahrgastfluss, was der Einhaltung des Fahrplans entgegenkomme.

Bitte sei nachvollziehbar

Auch Regionalbus Lenzburg lässt es den Fahrgästen frei, welche Türe sie benutzen. Aber: «Ich kann diese Bitte gut nachvollziehen», sagt Geschäftsführer René Bossard.

«Es ist der Gesundheit der Chauffeure sicher nicht förderlich, wenn sie dem ständigen Luftzug ausgesetzt sind.»

Auch die Buschauffeure der Regionalbus Lenzburg seien sicher dankbar, wenn die Leute mehrheitlich die hinteren Türen benutzen.

«Aber einen Hinweis darauf geht mir persönlich etwas zu weit», sagt Bossard.

Und in Lenzburg scheint es deshalb auch nicht mehr kranke Chauffeure zu geben. Der Luftzug bei der Türe beeinflusse dies nicht sehr stark, meint Bossard.

Keine Studie zum Thema

Aus medizinischer Sicht ist nicht nachgewiesen, wie viel diese Massnahme der RVBW den Chauffeuren wirklich bringt. «Es gibt keine Studie dazu», sagt der Aargauer Kantonsarzt Martin Roth.

Aber auch er findet, dass es für die Chauffeure angenehmer ist, wenn sie nicht ständig dem kalten Luftzug ausgesetzt sind. Denn wenn man friert, sei die Gefahr grösser, dass Viren die Schleimhäute angreifen können, sagt Roth. Die Anfälligkeit für Viren kann also durchaus höher sein, wenn die Chauffeure kalt haben.