BEZIRKSGERICHT KULM
Er liess die Kadaver der Schafe liegen – Reinacher Bauer verurteilt

Ein Landwirt aus Reinach musste sich wegen seiner Tierhaltung vor Gericht verantworten. Der Veterinärdienst des Kantons hatte bei einer Kontrolle mehrere tote Tiere vorgefunden.

Stefania Telesca
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Ein totes Mutterschaf sowie ihre zwei toten Lämmer sollen schon mehrere Tage auf dem Hof gelegen haben (Symbolbild).

Ein totes Mutterschaf sowie ihre zwei toten Lämmer sollen schon mehrere Tage auf dem Hof gelegen haben (Symbolbild).

Bild: Raphael Hünerfauth / SON

Nur durch einen Zufall entdeckte der Veterinärdienst des Kantons Aargau am 1. Mai 2019 auf einem Reinacher Bauernhof die toten Tiere. Der beschuldigte Landwirt hielt damals ungefähr 120 Schafe, von denen rund 80 ausgebrochen waren. Die Polizei und der Veterinärdienst wurden deswegen von einer Nachbarin gerufen. Der Landwirt, der den Hof als Nebenerwerb führt, war zum Zeitpunkt des Ausbrechens seiner Tiere auf der Arbeit.

Als die Behörden den Hof betraten, fanden sie einen Kadaver eines Mutterschafes sowie deren zwei verstorbenen Lämmer. Die drei Tiere lagen hinter einem Futtersack am Eingang zum Stall. Vier Tage vorher noch, hatte der Bauer einen Tierarzt zugezogen, weil das Mutterschaf bei der Geburt einen Gebärmutterriss erlitten hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bauern nun vor, dass er es trotz des sehr schlechten Zustandes des Tieres unterliess, dieses weiter tierärztlich behandeln oder einschläfern zu lassen.

«Das Mutterschaft erlag qualvoll seinen Leiden», so die Anklage. Ausserdem wird ihm der Vorwurf gemacht, die zwei Lämmer nicht mit der Flasche ernährt zu haben: «Die Lämmer verhungerten ebenfalls qualvoll.»

Ein Jungschaf lag zertrampelt am Boden

Die Kontrolleure des Veterinärdienstes fanden noch weitere Tiere in schlechtem Zustand. Ein Jungschaf lag tot auf dem Boden. Laut Anklage hatte es verschiedene Verletzungen am Körper und seine Augen waren bereits von den Vögeln ausgepickt worden. Hier wird dem Bauern vorgeworfen, er hätte das Tier von den grösseren Schafen getrennt halten sollen.

Ebenfalls gab der Tierarzt an, dass das Tier aufgrund des Verwesungsgrades schon länger dort hätte gelegen haben dürfen. Doch der Landwirt wehrte sich vor Gericht gegen diesen Vorwurf. «Am Morgen bei der Fütterung war das Tier noch quietschfidel. Als die Schafe ausbrachen, wurde dieses Tier wohl zertrampelt.»

Zwei weitere vorgefundene Jungschafe waren in solch desolatem Zustand, dass sie nach der Kontrolle durch den Veterinärdienst umgehend eingeschläfert werden mussten. Eines litt an einem Mineralstoffmangel und konnte nicht mehr selbst aufstehen, das andere hatte schlimmen Durchfall. Der Landwirt habe die Tiere vernachlässigt und vorher merken müssen, dass sich ihr Zustand zunehmend verschlechterte, so der Vorwurf.

Er hätte die Kadaver sofort entsorgen müssen

Der Bauer zeigte sich vor Gericht einsichtig aber auch mitgenommen. Er habe beim Rundgang am Morgen nicht bemerkt, dass es dem ersten Schaf nicht gutging. Das zweite, so der Mann, hätte er noch am gleichen Abend einschläfern lassen wollen. Der zweifache Vater, der ohne Verteidiger vor Gericht erschien, sagte:

«Wenn die Tiere verenden, geht das nicht spurlos an mir vorbei. Das ist ein Verlust für mich.»

Seit der Kontrolle des Veterinärdienstes habe er zwar keine Auflagen bekommen, doch den Platz für seine Tiere erweitert. Ausserdem warte er nicht mehr länger, wenn er merke, dass ein Tier krank sei. «Ich bringe sie sofort weg und lasse sie einschläfern», sagte er.

Für den Tod des Tieres, das beim Ausbruch der Herde zertrampelt wurde, könne er nichts. «Einen gewissen Anteil an Schuld trage ich. Weil ich die toten Tiere nicht sofort entsorgt habe», gestand er ein.

Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny sprach den Mann schuldig wegen mehrfacher fahrlässiger Tierquälerei und wegen mehrfacher Widerhandlungen gegen das Tierseuchengesetz und verurteilte den Bauern zu einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 60 Franken (total 7200 Franken) mit einer Probezeit von zwei Jahren und einer Busse von 1000 Franken. Dem Landwirt wird kein Vorsatz, sondern Fahrlässigkeit durch Unterlassen vorgeworfen. Die Richterin begründete das Urteil:

«Es ist ihm zu glauben, dass er es grundsätzlich gut meint mit seinen Tieren.»

Trotzdem hätte er früher erkennen müssen, dass mehrere Tiere auf seinem Betrieb nicht gesund waren. Diese hätte man entweder früher tierärztlich behandeln oder sie früher von ihrem Leiden erlösen müssen, sagte Gerichtspräsidentin Yvonne Thöny.