Vor über sechs Jahren sorgte eine Massenschlägerei zwischen den Hells Angels und der feindlichen Rocker-Gang Outlaws MC in Ehrendingen für Aufregung im Kanton Aargau.

Über 100 Hells Angels sollen am 12. Juni 2010 einen Versammlungsort von des konkurrenzierenden Outlaws MC gestürmt und Autos und Motorräder zu Schrott geschlagen haben. 

Auch Schusswaffen sind gemäss der Kantonspolizei Aargau im Spiel gewesen: In einem WC-Häuschen steckten zwei Kugeln. 

Hintergründe über den Bandenkrieg zwischen Hells Angels und Outlaws

Hintergründe über den Bandenkrieg zwischen Hells Angels und Outlaws (13. Juni 2010)

Doch jetzt kommt die überraschende Wende im Fall: Die Vorwürfe von Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft lösen sich in Luft auf. Das Bezirksgericht Baden sprach alle Beschuldigten frei, wie der Blick am Samstag publik machte.

Die Staatsanwaltschaft hatte 36 Personen wegen Landfriedensbruch zu Geldstrafen veruteilt. 19 von ihnen, davon wiederum sieben Hells Angels, rekurrierten gegen den Strafbefehl. Das Ergebnis zeigt: Es hat sich für sie gelohnt, denn das Bezirksgericht Baden sprach alle frei.

Laut Urteilsbegründung kann «nicht gesagt werden, dass der ganze Konvoi von einer bedrohlichen, friedensstörenden Grundstimmung getragen wurde».

Auch die drei Festgenommen - alle drei keine Mitglieder der Hells Angels - wurden mit der gleichen Begründung freigesprochen. Sie erhalten eine Entschädigung von 200 Franken pro Tag für die fünf Tage U-Haft.

Anklagen wegen Nummernschilder

Unter den Beschuldigten war auch Hemi, der Präsident der Zürcher Hells Angels. Er und seine Biker-Kollegen bestritten vor Gericht, überhaupt in Ehrendingen vor Ort gewesen zu sein.

Sie wurden aufgrund in Ehrendingen fotografierter Nummernschilder verurteilt oder weil man sie auf Fotos erkannt haben will. «Bei einigen wird im Strafbefehl ohne weitere Begründung behauptet, sie seien vor Ort gewesen», rügte das Gericht.

Die Richter hielten fest, dass es bei Bikern gang und gäbe sei, sich untereinander die Motorräder auszuleihen.

Mit dem Urteil des Bezirksgericht Baden sind sieben von acht Hells Angels-Mitglieder freigesprochen. «Nur ein auswärtiges Mitglied hatte den Strafbefehl akzeptiert», sagt Anwalt ­Valentin Landmann gegenüber dem «Blick»

Landmann, Anwalt der Hells Angels, ist zufrieden mit dem Urteil: «Das Gericht hat erkannt, dass man als Biker nicht bei jedem Ausflug damit rechnen muss, dass etwas gewalttätig eskaliert.»

Die Urherberschaft der Sachbeschädigung ist bis heute nicht aufgeklärt und bleibt ein Mysterium. (nim)