Windisch
Ausländer im Kreuzverhör: Würden Sie den Einbürgerungstest bestehen?

Einheitliche Sprach- und Staatskundetests für Einbürgerungskandidaten sollen im Kanton Aargau ab 2014 flächendeckend eingeführt werden. Die Gemeinde Windisch engagiert sich im laufenden Pilotprojekt und zieht eine positive Bilanz.

Claudia Meier
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Gemeindeschreiber Stefan Wagner (l.) händigt am Schalter in Windisch die Einbürgerungsunterlagen aus. abü

Gemeindeschreiber Stefan Wagner (l.) händigt am Schalter in Windisch die Einbürgerungsunterlagen aus. abü

«Wenn wir bereits am Schalter merken, dass die Deutschkenntnisse nicht genügen oder die Wohnsitzvoraussetzungen nicht erfüllt sind, wimmeln wir die Leute ab», sagt der Windischer Gemeindeschreiber Stefan Wagner zur ersten Triage beim Einbürgerungsverfahren.

Die Nachfrage nach Einbürgerungsformularen ist in Windisch derzeit besonders hoch. «Seit Anfang Jahr haben wir schon über 50 Formulare abgegeben», sagt Wagner.

Die Gemeinde Windisch beteiligt sich seit Anfang 2012 freiwillig am kantonalen Pilotprojekt zur einheitlichen Integrationsprüfung bei Einbürgerungen. Bevor das Gesuch in Aarau behandelt wird, führt die Gemeinde ein dreistufiges Verfahren durch.

45 Fragen innert 40 Minuten lösen

Im ersten Schritt geht es um die formelle Prüfung des Gesuchs. Dazu gehören Integrationsberichte der Arbeitgeber oder der Schule. Die Berichtsperiode umfasst drei Jahre. Nichterwerbstätige haben drei Referenzen aus dem Kollegenkreis oder der Nachbarschaft anzugeben.

In einem zweiten Schritt werden die sprachlichen und staatsbürgerlichen Kenntnisse geprüft. «Wenn jemand am Schalter Schweizerdeutsch spricht, verzichten wir auf die Durchführung eines Sprachtests am Computer», so Wagner.

Beim Staatskundetest geht es darum, innert 40 Minuten 45 Fragen zu den Aufgaben der Gemeinden, der Kantone und des Bunds am Computer auf der Gemeindeverwaltung zu beantworten. Dabei müssen die einbürgerungswilligen Erwachsenen die richtige aus vier möglichen Antworten anklicken.

«Messlatte war hoch»

Neben Fragen zu den Merkmalen der Demokratie werden auch Kenntnisse über bekannte Persönlichkeiten wie Carla Del Ponte und Roger Federer sowie über die Arbeitswelt abgefragt.

Die Testergebnisse fliessen später in die Botschaft des Gemeinderats an den Einwohnerrat ein. Sollten die Testergebnisse sehr schlecht ausfallen, kann dies ein Grund sein, das Gesuch zurückzustellen.

Früher wurden den Kandidaten die offenen Fragen mündlich gestellt. «Wir hatten einen eigenen Test mit 60 Fragen. Die Messlatte war hoch», so Wagner, der damals bei der Erarbeitung des Tests mitwirkte. «Der neue Test am Computer ist ausgewogener und umfasst Themen aus dem Alltag, der Geschichte und der Geografie», bilanziert er.

Einbürgerungskommission

In der dritten Phase kommt die Einbürgerungskommission zum Zug. Windisch hat zur Entlastung des Gemeinderats vor fünf Jahren eine solche eingesetzt.

Sie besteht aus je einem Mitglied der fünf Fraktionen sowie dem Gemeindeammann und Sachbearbeiter Wagner. In einem persönlichen Gespräch wird den Gesuchstellern so richtig auf den Zahn gefühlt.

Dann zeigt sich, wer sich in Windisch und Umgebung auskennt und wie es wirklich um die Integration im Alltag steht.

«Die Gespräche gehen mit dem neuen Raster des Kantons viel mehr in die Tiefe als früher», erzählt Wagner und ergänzt: «Durch die umfassendere Prüfung der Gesuche hat der Aufwand für die Kommission enorm zugenommen.» Waren es zu Beginn noch 4 Sitzungen pro Jahr, sind es mittlerweile 8 bis 10 Sitzungen. Rund fünf Prozent der Gesuche werden zurückgewiesen.

Einbürgerungswillige haben neu zusätzlich eine Erklärung zu unterzeichnen, mit der sie bekräftigen, dass sie die Werte der Bundes- und Kantonsverfassung achten.

«Dieses Formular, welches die Kandidaten vor dem Gespräch mit der Einbürgerungskommission unterzeichnen müssen, ist umstritten», räumt Wagner ein. Es gebe grosse Zweifel, ob die Unterzeichnenden den Inhalt wirklich verstehen würden.

Der Gemeindeschreiber zieht nach über einem Jahr eine positive Bilanz: «Das dreistufige Verfahren funktioniert wirklich super.»

Grund für die Teilnahme am Pilotprojekt war denn auch, Einfluss zu nehmen und dem Kanton Feedbacks zu geben. «Schliesslich geht es bei den Einbürgerungen um Menschen und nicht nur um Verwaltungsabläufe», betont Wagner abschliessend.

Testversionen zum Üben auf: www.einbuergerungstest-aargau.ch

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