Wahlen
Alt-Ständerätin Christine Egerszegi: «Ein Aargau ohne Frau in der Regierung wäre ein Rückschritt»

Am 18. Oktober finden die Regierungsrats- und Grossratswahlen im Aargau statt. Christine Egerszegi, Alt-Ständerätin FDP Aargau, schätzt im «Tagesgespräch» ein, ob der Regierungsrat auch in den nächsten vier Jahren eine reine Männerdomäne bleibt und erklärt, weshalb sie in Zeitungsinseraten die Grünen-Regierungsratskandidatin Christiane Guyer unterstützt.

Dominic Kobelt
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Auch als Ständerätin war Christine Egerszegi (FDP) nicht immer auf Parteilinie, jetzt unterstützt sie bei den Regierungsratswahlen in Inseraten die Grüne Christiane Guyer. «Es sind vier Bisherige, die kandidieren, und nur eine einzige Frau. Ich war damals überall die erste Frau, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass wir im Kanton wieder eine reine Männerdomäne haben.»

Guyer sei eine gute Kandidatin, die sich auf allen politischen Ebenen ihre Sporen abverdient habe, so die Alt-Ständerätin im «Tagesgespräch» von TeleM1. «Eine Familienfrau mit Führungserfahrung, darum unterstütze ich sie.» Egerszegi rechnet mit einem offenen Rennen. «Viele denken so wie ich: Ein Aargau ohne Frau in der Regierung, das wäre ein Rückschritt.»

Werden die Grossratswahlen ebenfalls vom Thema Klima dominiert, wie das bei den Nationalratswahlen der Fall war? «Es waren nicht nur Klimawahlen, es waren auch Frauenwahlen. Und es wurden Jüngere gewählt», ruft Egerszegi in Erinnerung. «Ich könnte mir vorstellen, dass der Klima-Hype ein bisschen zurück geht und coronabedingt nicht nur die Arbeitsplatzsicherheit sondern auch die soziale Sicherheit eine grosser Rolle spielen wird.» Sie rechne damit, dass sich die rechten Parteien in etwa halten können, besonders in der Mitte aber neue Leute eine Chance bekommen würden. Die Sitze der BDP, die nicht mehr antritt, könnten an eine Mittepartei gehen, vermutet sie.

Rund ein Drittel der Kandidierenden bei den Grossratswahlen sind Frauen. Warum nicht mehr? «Ich glaube, sie haben Schwierigkeiten, sich zur Verfügung zu stellen», so die FDP-Politikerin. «Viele Frauen mit guten Wahlaussichten bleiben lieber in einem Beruf. Wenn die Familienphase etwas durch ist, möchten sie etwas anderes machen und steigen wieder im Beruf ein.»

Kritik an der Personalpolitik der FDP

Es gäbe schon junge Frauen, die sich für die Politik interessierten, aber auch solche, die sich selber nicht «als Zielscheibe zur Verfügung stellen möchten». Diesen Frauen versuche sie Mut zu machen. «Nicht nur Frauen, auch Männer scheitern in der Politik, das gehört dazu. Wenn man gekämpft hat, darf man auch verlieren.»

Egerszegi hat selber bereits gewählt, leider habe es auf der Liste der FDP Baden nur drei Frauen. «Es ist schade, dass man nicht probiert hat, durch gute Personalpolitik Frauen aufzubauen und zu motivieren, auch zu kandidieren.»

Der Grossrat hat nicht mehr so viele Sitzungen wie früher, ein Indiz, dass das Parlament an Stärke verloren hat? «Ja, dieses Gefühl habe ich.» Sie habe beim Ausfüllen der Wahlunterlagen gemerkt, dass man die Leute gar nicht mehr so kenne, man lese nicht mehr so viel über den Grossrat. «Anfang der Neunziger hatte das Gremium schon noch eine grössere Bedeutung.» An was das genau liege, wisse sie aber auch nicht.