Rätseltier
Alarm auf der Schafwiese: Treibt ein Wolf im Aargau sein Unwesen?

Ein Leserfoto sorgt in Zürich für Aufsehen. Ein Aargauer Landwirt will vor vier Wochen ebenfalls ein wolfsähnliches Tier gesehen haben. Er fand vier tote Schafe auf seiner Weide. Jagdaufseher und Kantonsspezialist können einen Wolfsriss nicht ausschliessen.

Fabian Hägler
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Lukas Meier aus Hägglingen sah dieses Foto in der Zeitung – er vermutet, dass möglicherweise dasselbe Tier, das in Russikon gesichtet wurde, auf seinem Hof ein Schaf gerissen hat.

Lukas Meier aus Hägglingen sah dieses Foto in der Zeitung – er vermutet, dass möglicherweise dasselbe Tier, das in Russikon gesichtet wurde, auf seinem Hof ein Schaf gerissen hat.

Patrick Meier

Ein nicht ganz scharfes Leserfoto, das einen Wolf zeigen soll, sorgt im Kanton Zürich für Aufsehen. Nachdem der «Landbote» das Bild publiziert hatte, meldete sich auf der Redaktion der Winterthurer Regionalzeitung auch ein Aargauer Landwirt. Lukas Meier, der auf seinem Maiengrün-Hof in Hägglingen unter anderem Schafe und Alpakas hält, hat dort vor bald vier Wochen ein wolfsähnliches Tier gesehen.

Meier hat insgesamt vier tote Schafe auf seiner Weide gefunden. Gegenüber dem «Landboten» sagte er: «Alle vier Tiere gehen auf das Konto des Wolfes.» Zudem habe das Raubtier der Kuh eines Nachbarn einen Teil des Schwanzes abgebissen. Der Aargauer Jagdaufseher Josef Schmid bestätigt laut dem «Landboten» die Vorfälle. Auch für ihn sei es denkbar, dass die Tiere dem Wolf zum Opfer fielen, zitiert ihn die Zeitung.

Bauer und Jagdaufseher unsicher

Fragt man bei Lukas Meier nach, klingt es etwas anders. Der Landwirt sagt, er habe schon mehrfach ein Tier am Zaun stehen oder von seiner Weide wegrennen sehen, «ich kann aber nicht mit Sicherheit sagen, ob es ein Wolf, ein Wolfshund oder ein anderer grosser Hund war». Am Morgen des 10. September fand Meier auf seiner Weide dann ein gerissenes Lamm. Tags zuvor hatte er drei tote Schafe entdeckt. «Das Lamm sah grauenhaft aus, es war von hinten angefallen und regelrecht zerfleischt worden», sagt der Bauer.

Er meldete den Fall dem Jagdaufseher, der zum Maiengrün-Hof ausrückte. Dies war nicht der im Artikel des «Landboten» zitierte Josef Schmid, sondern dessen Stellvertreter. Dieser habe Hinweise gefunden, die auf einen Wolf hindeuten, aber auch solche, die für einen Hund sprechen. Schliesslich habe er beim Kanton einen Experten angefordert, um eine DNA-Probe von der Bissstelle zu nehmen. «Leider war aber niemand verfügbar», sagt Schmid.

Tatsächlich wurde die Abteilung Jagd und Fischerei über den möglichen Wolfsriss orientiert. «Wir haben Kenntnis von dem Fall, der lokale Jagdaufseher ist ausgerückt, von unserer Abteilung war aber niemand vor Ort, um den Kadaver anzuschauen», sagt Erwin Osterwalder, Fachspezialist Jagd. Weil keine Speichelprobe des Tiers vorliege, sei auch keine DNA-Analyse möglich, «die eindeutig klären könnte, ob es sich um einen Wolf oder einen Hund handelte», führt Osterwalder aus.

Er räumt ein, es sei grundsätzlich nicht auszuschliessen, dass ein Wolf im Aargau auftauchen und Schafe reissen könnte. Wölfe könnten grosse Distanzen zurücklegen, es gebe aber keine Anzeichen, dass das Tier von Hägglingen dasselbe sein könnte, das in Russikon gesichtet worden sei. «Zudem steht auch dort nicht fest, dass es sich um einen Wolf handelt», betont Osterwalder.

Erst vor einer Woche wurde in Villigen auf einer Weide ein gerissenes Schaf entdeckt. Der betroffene Bauer schaltete die Kantonspolizei ein, diese stellte fest, dass ein Hund das Nutztier angefallen hatte. Die Bissverletzungen waren so gravierend, dass das Tier notgeschlachtet werden musste. Nun laufen Ermittlungen und die Polizei sucht Zeugen, um den Besitzer des Hundes ausfindig zu machen.

«Sollte es wieder einmal einen solchen Fall bei mir auf dem Hof geben, werde ich auch die Polizei einschalten», sagt Lukas Meier aus Hägglingen. Vorerst hat er eine Fotofalle mit einem Köder aufgestellt. Bisher ist aber weder ein Wolf noch ein Hund in diese Falle gegangen, die Kamera hat erst einen Dachs aufgenommen.