Aargauer Vorschlag
Sollen Beizen bereits ab März öffnen? SP-Suter geht das zu schnell – «mutlos» findet dagegen SVP-Glarner

Der Kanton Aargau hat am Sonntag seine Antwort auf die Lockerungs-Vorschläge des Bundesrates gegeben. Die Reaktionen dazu sind unterschiedlich – teilweise auch innerhalb der Parteien.

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Tele M1

(phh) Beizen sollen nicht erst im Mai öffnen dürfen, sondern bereits im April. Das ist der Vernehmlassungsantwort des Aargauer Regierungsrats zu entnehmen (die AZ berichtete). Die SP sei grundsätzlich mit der Regierungsantwort einverstanden, sagt die Aargauer SP-Präsiden-tin Gabriela Suter. Es sei aber zu früh, den Entscheid für eine Öffnung der Restaurants im Innenbereich jetzt schon zu fällen. Man wisse etwa noch nicht, ­welche Auswirkungen die Virus-Mutationen haben. Und im Gegensatz zu den Läden werden in Restaurants die Masken abgenommen, wie Suter zum Regionalsender Tele M1 sagte. «Damit gibt es auch eine erhöhte Ansteckungsgefahr.»

Der Mitte geht der Vorschlag der Aargauer Regierung zu wenig weit. Da Risikopersonen durch Impfungen besser geschützt werden, sollten Restaurants zumindest teilweise den Betrieb wieder aufnehmen können. Marianne Binder, Präsidentin Die Mitte Aargau, sagt: «Es wäre es wichtig, aufgrund der Zahlen früher zu öffnen, sicher im Aussenraum.» Aber auch in Innenbereichen sollten ähnlich wie bei Hotels kontrollierte Aktivitäten wieder erlaubt sein.

Glarner: Statistisch kaum Ansteckungen in Restaurants

Der Präsident der Aargauer SVP, Andreas Glarner, zeigte sich immerhin zufrieden, dass der Aargau nicht schon wieder einen Alleingang plane. Allerdings hätte er erwartet, dass die Kantonsregierung den Wirten den Rücken stärkt. Mit dem hervorragenden Schutzkonzept hätte der Aargau eine sofortige Öffnung fordern können. Statistisch gesehen gebe es dort kaum Ansteckungen. «Ich finde es richtig mutlos, dass nicht eine frühere Öffnung gefordert wird, sondern die Aussenterrassen sogar nach wie vor verboten werden sollen», so Glarner.

Ähnlich argumentierte auch der ehemalige Aarauer SP-Regierungs- und Nationalrat Silvio Bircher. «Das Gastgewerbe verfügt über erprobte Schutzkonzepte, die nun einfach über längere Zeit brach liegen», schreibt er in einem Leserbrief. Die Gastronomie würde auf eine spätere Terrassenöffnung vertröstet, die längst nicht allen etwas brächte. Es fehle die Perspektiven für diese wichtigen Gesellschafts- und Wirtschaftskreise. Er hoffe daher, dass die Kantone nun dem «zögerlichen und einseitigen» Lockerungsplan des Bundesrates Gegensteuer geben.

Pfisterer: ab 1. April öffnen, eventuell schon Mitte März

FDP-Präsident Lukas Pfisterer beurteilt die Sachlage wie der Regierungsrat: «Die Terrasse allein öffnen zu dürfen, mag im Berggebiet etwas bringen, im Aargau aber nicht. Das ist nicht so wie in Süditalien, wo man im Frühling nicht nur an einigen Tagen draussen sitzen kann.» Pfisterer unterstützt die Forderung, die Restaurants schon ab 1. April zu öffnen, er meint eventuell sogar schon Mitte März. Zentral sei, den Restaurants eine Perspektive zu geben. Die Überlegungen des Bundesrates für eine stufenweise Öffnung könne er schon nachvollziehen, sagt der FDP-Präsident, «aber die Infektionslage erlaubt es, nebst Läden auch die Restaurants früher ganz zu öffnen – natürlich mit Abstand und klarem Schutzkonzept».

Lukas Pfisterer, Präsident der FDP Aargau und Grossrat.

Lukas Pfisterer, Präsident der FDP Aargau und Grossrat.

Britta Gut

Pfisterer würde es zusätzlich begrüssen, auch Kinos und Kultur wie Theatern dieselbe Möglichkeit zu eröffnen – natürlich auch hier mit Abstand und Schutzkonzept. Pfisterer: «Dies erst recht, wenn es möglich ist und funktioniert, in der Bahn mit Maske durchaus auch längere Zeit dicht beieinander zu sitzen.»

Der Kanton solle zudem beim Bund Druck machen, um möglichst rasch möglichst viele impfen zu können. Grosse Chancen sieht er auch darin, flächig zu testen, um eine weitere Ausbreitung zu erkennen und sogleich zu stoppen.

GLP: mindestens Stehtische bei Take Aways, Restaurantöffnung denkbar

Die Coronazahlen entwickelten sich gut, die Situation sei aber immer noch fragil, sagt GLP-Fraktionschefin Barbara Portmann. Sie plädiert dafür, flexibel auf die weitere Entwicklung zu reagieren. Eine Minimallösung könnte sein, dass Take Aways wenigstens wieder Stehtischchen aufstellen dürfen, findet sie.

Barbara Portmann-Müller, Fraktionschefin GLP.

Barbara Portmann-Müller, Fraktionschefin GLP.

Chris Iseli /

Anfangs April bei Restaurants erst mal die Terrassen zu öffnen, käme den Wünschen der Menschen sicher entgegen, sagt Portmann weiter. Sie verstehe aber, dass sich das für Restaurants im Aargau nicht rechnet. Deshalb ist auch für sie eine gänzliche Öffnung anfangs April denkbar, «man soll das aber erst aufgrund der aktuellen Coronazahlen Mitte März entscheiden», schlägt sie vor.

Anpassen würde sie auch die Fünf-Personen-Regel, und zwar drinnen: «Für viele Leute, die vor Corona Nachbarskindern einen Mittagstisch angeboten haben, können das nicht mehr. Ich finde es verantwortbar, die Personenzahl zu erhöhen, zumal die Kinder in der Schule ja viel länger und näher beieinander sitzen. Dank Erhöhung könnten Familien auch endlich wieder mal die Grosseltern einladen.»

Grüne: Wenn Zahlen weiter sinken, wäre 1. April richtig für Öffnung

Daniel Hölzle, Präsident der Grünen.

Daniel Hölzle, Präsident der Grünen.

zvg

«Ich gehe davon aus, dass die Restaurants ab 1. April öffnen dürfen, ich fände das auch richtig, wenn sich die Coronazahlen im März weiter nach unten bewegen», sagt Grünen-Präsident Daniel Hölzle rundheraus. Die Restaurants ganz zu öffnen, könne man dann auch deswegen riskieren, weil bei gutem Wetter eh viele draussen sitzen, so verteilten sich die Leute besser.

Auch Hölzle will die 5-Personen-Regelung im Privatbereich auf maximal 15 Personen lockern, allerdings mit der Empfehlung, wann immer möglich private Veranstaltungen im Freien abzuhalten. Hölzle: «Damit haben auch die Menschen in Mietwohnungen die Möglichkeit, sich wieder im familiären Rahmen zu treffen.»

Die endgültige Entscheidung, ob und in welchem Umfang Restaurants nun öffnen dürfen oder nicht, wird der Bundesrat am Mittwoch treffen.

Statistik Ansteckungsorte Kanton Aargau

seit Beginn des Contact Tracing (11. Mai 2020)
Unbekannt 16'114
Familie 8'903
Einreise Ausland 369
Arbeitsplatz 2'857
Schule 341
Bekannte/Nachbarn 1'656
Club/Bar 30
Veranstaltung privat 596
Heime (Altersheime etc.) 767
Restaurant/Lokal 15
Veranstaltung öffentlich 16
Ärztin/Arzt/Spital 31
Geschäfte und Läden 10
Militär/Zivildienst 4
Total Infektionen 31'709