Stipendien

Aargauer Studenten sind ärmer als der Durchschnitt

3400 Personen erhalten im Aargau ein Stipendium – unter ihnen Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz.

3400 Personen erhalten im Aargau ein Stipendium – unter ihnen Studenten der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Wie viel Geld Studenten erhalten, ist von Kanton zu Kanton verschieden – der Aargau zahlt tiefe Beträge, erhält aber als viertgrösster Kanton die vierthöchsten Beiträge.

In der Schweiz macht jeder Kanton, was er will. Das ist bei den Stipendien nicht anders. Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind gross. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der Aargau zahlt unterdurchschnittlich tiefe Beiträge an unterdurchschnittlich wenig Bezüger.

5770 Franken erhalten Aargauer Studierende im Durchschnitt – 1000 Franken weniger als im Schweizer Vergleich. Am grosszügigsten sind die Waadtländer, die rund 9700 Franken bezahlen.

Unter dem landesweiten Mittel liegt auch der Betrag pro Kopf der Bevölkerung – 31 statt 39 Franken.

Und der Anteil der Bezüger an der ständigen Wohnbevölkerung ist ebenfalls geringer als über das ganze Land gesehen – 0,53 statt 0,57 Prozent.

Der Aargau kommt gut weg

2014 flossen insgesamt 18 Millionen Franken an Aargauer Studenten. 2 Millionen Franken davon übernahm der Bund. Als viertgrösster Kanton erhält der Aargau die vierthöchsten Beiträge; die Verteilung erfolgt nach Bevölkerungsgrösse – und nicht nach den tatsächlichen Ausgaben. Anders gesagt: Der Aargau kommt zurzeit gut weg.

Doch eine Annahme der Stipendieninitiative, die am 14. Juni zur Abstimmung kommt, könnte die Ausgangslage von Grund auf verändern. Die Hauptziele der Initianten: einheitliche Grundregeln im ganzen Land und ein Anrecht auf Stipendien, die einen «minimalen Lebensstandard gewährleisten».

Die zusätzlichen Kosten werden auf jährlich mehrere hundert Millionen Franken geschätzt. Wer zahlen muss, ist allerdings offen. Der Initiativtext gibt keine Antwort auf die Frage, ob der Bund allein dafür aufkommen soll oder ob und wie stark sich die Kantone daran beteiligen müssten.

«Mit einer sehr hohen Kostensteigerung» rechnet man beim Kanton im Falle eines Ja. «Dieses Geld ist aber nicht einfach vorhanden; vielmehr müsste der Bund diese Mehrausgaben anderweitig im Bildungsbereich oder bei anderen Aufgaben kompensieren oder an die Kantone überwälzen», sagt Simone Strub, Mediensprecherin des kantonalen Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS).

«Die Übernahme dieser zusätzlichen Kosten wäre auf Gesetzesstufe zu klären.» Zudem befürchten die Verantwortlichen beim BKS den Verlust der Autonomie etwa bei der Festlegung der Höhe der Beiträge. Von Kanton zu Kanton völlig verschiedene Stipendien wären dann nicht mehr möglich.

Doch vorläufig müssen die Aargauer Studenten mit weniger Geld auskommen als viele ihrer Kommilitonen aus anderen Landesteilen. Für die teils grossen Unterschiede seien mehrere Faktoren verantwortlich, erklärt Simone Strub.

«Unterschiedliche Einkommens- und Vermögenssituation in den Kantonen; unterschiedliche Distanz der Kantone zu den Ausbildungsstätten, was zu unterschiedlichen Reise- und Wohnkosten führt; sowie generell eine grosszügigere Unterstützungspolitik der Westschweizer Kantone.»

Die Kritik der Studenten

«Ungenügend», lautet das Urteil der Studierendenorganisation der Fachhochschule Nordwestschweiz «students.fhnw» über die aktuelle Situation im Aargau. Sprecher Lukas Zuppinger: «Nur jene Studierende erhalten Stipendien, die es substanziell nötig haben und keine Unterstützung von Eltern oder Verwandten erwarten können.

Und selbst in dem Fall noch zu wenig.» Die durchschnittlich 6000 Franken pro Jahr reichten an den meisten Uni- und Fachhochschul-Standorten nicht einmal für die Wohnung. Dies falle in einem Kanton ohne eigene Universität – wie dem Aargau – besonders ins Gewicht.

Handlungsbedarf sieht Zuppinger genug: «Mehr und vor allem höhere Stipendien sowie eine schnellere Bearbeitung und Auszahlung.»

Unfaire Unterschiede

Einen Schritt in diese Richtung erhofft sich auch der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS), der die Initiative lanciert hat. VSS-Vorstandsmitglied Hermann Blum sind insbesondere die grossen kantonalen Unterschiede ein Dorn im Auge.

«Im Vergleich zum Kanton Waadt erhalten Studierende aus dem Aargau etwa nur halb so grosse Stipendien. Gleichzeitig haben sie eine deutlich geringere Chance, überhaupt ein Stipendium zu bekommen.»

Unfair findet Blum, dass sich die Höhe der Beiträge am Herkunftskanton orientiert. «Junge Menschen, die an derselben Hochschule studieren, tun dies also unter sehr unterschiedlichen finanziellen Bedingungen.»

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