Auschwitz-Vergleich
Aargauer Grünen-Präsident forcierte Frickers Rücktritt: «Ich habe ihm die Gefahren aufgezeigt»

Der Aargauer Grünen-Präsident erklärt, warum er sich persönlich für einen Rücktritt von Jonas Fricker starkgemacht hat und wie es mit Fricker und der Partei jetzt weitergeht.

Rolf Cavalli
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«Das Wohl der Partei im Auge.» Daniel Hölzle, Präsident der Grünen Aargau, nimmt Stellung zum Fall Fricker.

«Das Wohl der Partei im Auge.» Daniel Hölzle, Präsident der Grünen Aargau, nimmt Stellung zum Fall Fricker.

Sandra Ardizzone

Herr Hölzle, wie kam Jonas Frickers Rücktritt zustande?

Daniel Hölzle: Wir haben das parteiintern diskutiert und die Risiken abgewogen. Jonas Fricker hat sich auch seine Gedanken gemacht und am Samstagabend dann entschieden, den Rücktritt einzureichen.

Ganz freiwillig war der Rücktritt aber nicht.

Der Druck war natürlich gross. Von aussen, den Medien, aber auch intern musste sich die Partei überlegen, was die beste Lösung ist.

Wo standen Sie in der Rücktrittsfrage?

Ich habe natürlich das Wohl der Partei im Auge in meiner Funktion. Als Präsident habe ich Jonas Fricker die möglichen Gefahren aufgezeigt für ihn und für die Partei, wenn man nicht handle. Nach Einschätzung der Situation habe ich ihm gesagt, dass ein Rücktritt wahrscheinlich die beste Lösung ist.

Wie kamen Sie zu dieser Einschätzung? Man hätte auch sagen können: Er hat sich entschuldigt und gut ist.

Der Druck nahm auch nach seiner Rechtfertigung und Entschuldigung nicht ab. Die Situation hatte sich nicht entschärft. Mit dem Rücktritt konnte er ein klares Zeichen setzen und sich so von seinen Aussagen in der deutlichsten Form distanzieren.

Fricker selber distanziert sich von seinem Schweine-Holocaust-Vergleich. Aber dass die Aussagen aus der Grünen Partei kommen, ist kaum Zufall. Sie haben einen Tierrecht-Flügel mit extremistischen Tendenzen. Wie gehen Sie damit um?

Die Partei will jetzt auf nationaler Ebene ein Grundsatzpapier mit Leitplanken und Werten der Grünen erarbeiten, an denen sich die Mitglieder orientieren müssen. Die Aargauer Partei schliesst sich dem dann an.

Befürchten Sie nicht, dass der Fall Fricker die Partei zerreisst?

Jonas Fricker hat jahrelang sehr gute Arbeit für die Grünen geleistet, da erstaunt es nicht, dass es Personen gibt, die mit seinem Rücktritt Mühe haben. Das muss ich als Parteipräsident aushalten und ich werde mich den Fragen intern stellen.

Hat Jonas Fricker eine politische Zukunft bei den Grünen?

Ja, alles ist wieder offen. Er hat mit seinem Rücktritt gezeigt, dass er einen starken Charakter hat. Es braucht solche Leute wie ihn in der Partei.

Jonas Frickers Werdegang in Bildern
12 Bilder
Von 2002 bis 2006 sass Fricker für das team baden im Einwohnerrat der Stadt Baden.
Jonas Fricker bei den Grossratswahlen am März 2009 in Aarau. Von 2007 bis 2010 war er Ratsmitglied. Von 2005 bis 2009 war er zudem Parteipräsident der Grünen im Kanton Aargau.
Jonas Fricker gratuliert der neugewählten Regierungsrätin Susanne Hochuli am 30. November 2008 im Grossratsgebäude. Hochuli machte sich für den Badener stark, als er 2015 für das Nationalratsmandat kandidierte. Sie schrieb: “Ich unterstütze Jonas Fricker, weil die Nachhaltigkeit für ihn kein Schlagwort, sondern gelebte Realität ist – in der Familie, im Beruf, in der Politik. Wir brauchen im Bundesparlament Politikerinnen und Politiker, die im Grossen wie im Kleinen immer das Ganze im Auge haben.“
Von 2011 bis 2013 lebte Fricker mit seiner Familie in Amsterdam. Im Bild mit seiner Tochter und seinem Cousin Adrian Hunziker. Fricker ist seit 2011 verheiratet und hat mittlerweile drei Kinder.
Fricker hat an der ETH Zürich Umweltnaturwissenschaften studiert. Neben seiner politischen Laufbahn arbeitete er auch als Lehrer.
2015 kandidierte der Badener für den Nationalrat. Obwohl Irène Kälin aus Lenzburg auf dem ersten Listenplatz kandidierte...
...überrundete Fricker sie mit rund 3000 Stimmen.
Vorfreude: Der Grüne Jonas Fricker vor seinem ersten Tag als gewählter Nationalrat im Parlament.
Euphorie nach der Abstimmung vom 21. Mai: Die Befürworter des neuen Energiegesetzes freuen sich über den unerwartet deutlichen Abstimmungserfolg. Laura Curau (Kampagnenleiterin CVP), Alt-Nationalrat Ruedi Rechsteiner, Beat Jans (Nationalrat SP-BS), Roger Nordmann (Nationalrat SP-VD), Matthias Aebischer (Nationalrat SP-BE), Regula Rytz (Parteipraesidentin Gruene), Jonas Fricker (Nationalrat Gruene-AG), Stefan Mueller-Altermatt (Nationalrat CVP-SO), von links, und weitere Befuerworter der Energiestrategie 2050 jubeln nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnung, im Hauptquartier der Befuerworter der Energiestrategie 2050, am Sonntag, 21. Mai 2017 in Bern.
Jonas Fricker setzte sich auch für die Geschlechter-Gleichstellung ein: Hier während einer Protestaktion mit Maya Graf (Grüne) im Juni 2017 vor dem Bundeshaus.
«Die Menschen, die dort deportiert wurden, die hatten wenigstens eine kleine Chance zu überleben»: Jonas Frickers Rede im Parlament 28. September 2017

Jonas Frickers Werdegang in Bildern

Chris Iseli