Auswanderer
Aargauer droht in Australien Ausweisung – weil er zu Rechtsextremen-Bürgerwehr gehört

Der Aargauer Jan Herweijer (40) lebt seit drei Jahren in Australien – nun muss er mit der Ausweisung rechnen. Die australische Einwanderungsbehörde prüft dies wegen seiner Mitgliedschaft in einer rechtsextremen Bürgerwehr und entsprechenden Online-Kommentaren.

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Jan Herweijer (40) mit seiner Ehefrau Louise (44): Er hat sie 2015 geheiratet.

Jan Herweijer (40) mit seiner Ehefrau Louise (44): Er hat sie 2015 geheiratet.

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Der gebürtige Schweizer Jan Herweijer fühlte sich in seiner Heimat nicht mehr wohl und wanderte deshalb nach Australien aus. Seit drei Jahren lebt er dort und ist seit 2015 mit einer Australierin verheiratet. Doch nun droht ihm die Ausweisung, wie der «Blick» berichtet. Er ist bei der Einwanderungsbehörde mit seinem Antrag um ein permanentes Visum abgeblitzt. Zudem prüft das Amt nun auch, seine temporäre Aufenthaltsgenehmigung zu annullieren.

Die Gründe: Herweijer fiel bei einem Charakter-Test durch, wie das australische Online-Portal "9 News" schreibt. Verantwortlich dafür ist Mitglied der rechtsextremen Gruppe Soldiers of Odin (SOO), welche sich zum Ziel gesetzt hat, die Einwohner vor kriminellen Immigranten zu schützen. Mitglieder patrouillieren deshalb in den Strassen oder führen eine Gassenküche für Obdachlose. Laut der Einwanderungsbehörde hat die Gruppe Verbindungen zu «nationalistischen Bewegungen». Ihre Facebook-Gruppe aus Melbourne zählt zirka 20'000 Mitglieder. Der Einwanderungsbehörde sind zudem Herweijers Kommentare auf sozialen Medien aufgefallen.

"Ich habe nichts Illegales getan", verteidigt sich Herweijer gegen "9 News". Er sei nie im Gefängnis oder gewalttätig gewesen. Zum "Blick" sagt er: "Ich war nie ein Neo-Nazi." Er verweist auf die jüdische Abstammung seines Grossvaters.

Soldiers of Odin patroullieren in Melbourne

Soldiers of Odin patroullieren in Melbourne

Allerdings hat er auf Facebook diverse islamfeindliche Beiträge geteilt. Wie er erzählt, war ein verbaler Schlagabtauch mit dem islamische Zentralrat (IZRS) der Auslöser für seine Auswanderung nach Australien. Als dieser auf Twitter forderte, dass alle Kreuze von den Berggipfeln verschwinden müssen, konterte er: «Packt eure Koffer und geht nach Saudi-Arabien.» Dafür habe er Morddrohungen erhalten. Er hatte sich aber auch mit seiner Familie zerstritten.

Um die Ausweisung zu verhindern, hat Herweijer Berufung eingelegt. Er habe viel Unterstützung und fühle sich nach den drei Jahren Aufenthalt wie ein richtiger Australier. (pma)