Leserwandern
300 Leserwanderer lassen sich von der Verenaschlucht verzaubern

Die Schönheiten Solothurns bescherten der 1.-August-Etappe den diesjährigen Teilnehmerrekord. 300 Leser nahmen an der 20. Etappe des Leserwanderns teil.

Sven Altermatt
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Leserwandern, die 20. Etappe
11 Bilder
Wanderführer Peter Wagner ist ein Kenner der Solothurner Sehenswürdigkeiten
Die Leserwanderer liessen sich von der Verenaschlucht verzaubern
Pause beim Schloss Waldegg
Kantonsrat Roberto Conti
Hella Rothenfluh aus Solothurn mit Anita Panzer, Gemeindepräsidentin von Feldbrunnen
Die Wandergruppe posiert fürs Gruppenbild auf dem Dornacherplatz
Am Schluchtende stoppten Polizisten den Verkehr für die Wanderer
Dämmerlicht in der Verenaschlucht
Beim Schloss Waldegg lauschten die Wanderer den Ausführungen von Wanderführer Peter Wagner
Beim Medienhaus in Solothurn offerierte die Solothurner Zeitung Bratwürste

Leserwandern, die 20. Etappe

Nordwestschweiz

8.29 Uhr, Intercity von Aarau nach Solothurn, kein Durchkommen in der zweiten Klasse. «Da waren alle Abteile voll mit Leserwanderern», berichtet Toni Lötscher aus Oberentfelden, der zuvor schon etliche Etappen in Angriff genommen hatte.

Der ausgebuchte Zug – von Lötscher kurzerhand zum «Leserwandern-Express» erklärt – liess erahnen, was da auf Peter Wagner zukam. Der Wanderleiter begrüsste am Bahnhof Solothurn über 300 Teilnehmer.

Einheimische gesellten sich zu den Aargauern, auch Heidi Dort aus der Stadt Zürich trottete mit ihren Stöcken über den Bahnhofsplatz. Ein Bekannter habe Ihr «von diesem Zeitungswandern in der Nordwestschweiz» erzählt, sagte die Rentnerin, «ich wollte mir das auch mal anschauen.»

Was lockte so viele Menschen nach Solothurn? Schliesslich versprach die 20. Etappe keine spektakulären Gipfel. Und wer kreislaufbelebende Ausdauer suchte, kam ebenfalls nicht auf seine Kosten.

Es war ein Gemisch aus Sonne, der Vielfalt Solothurns und dem Gemeinschaftsgefühl der Bundesfeier, das dieser Wanderung den diesjährigen Teilnehmer-Rekord bescherte. Und ja, dann gab es da auch noch Bier und Bratwürste, offeriert von dieser Zeitung.

«Die Würste haben bestimmt auch gewisse Wanderer angelockt», vermutete der Solothurner SVP-Kantonsrat Roberto Conti. Wer wenig später beobachtete, wie sich hungrige Mäuler beim Solothurner Medienhaus auf den Grill von Metzger Nicolas Karli stürzten, konnte Conti nur zustimmen.

Einsiedlerleben 2.0

Über den Höhepunkt der 20. Etappe lässt sich streiten. War es das beeindruckende Schloss Waldegg in Feldbrunnen-St. Niklaus? Die Solothurner Altstadt? Oder etwa doch die Verenaschlucht bei Rüttenen?

Deren Durchwanderung dauert auf dem Papier nur eine halbe Stunde. Doch die Leserwanderer wurden von den Attraktionen derart in Beschlag genommen, dass sie hier ausgiebig Rast einlegten.

«Die Stimmung dieses Kraftortes lässt sich nicht in Worte fassen», fand Leserin Dorothea Stich aus dem luzernischen Kriens. Das Erkunden neuer Gebiete ist es, was für Hansjörg Boll den Reiz des Wanderns ausmacht. Die Verenaschlucht hat er hundertfach besucht – «trotzdem lasse ich mich immer wieder beeindrucken», sagte der Stadtschreiber von Solothurn.

Polizisten weisen den Weg

Zwei Kapellen schmiegen sich sanft unter die Felswände. Da sind Heilige aus Gips und Holz, hinter einem Schutzgitter wacht die Madonna. Im Einsiedlerhaus mit dem Rabatten-Garten wohnt Schwester Benedikta. Eremiten schweigen normalerweise tagelang und reden höchstens mit Gott.

Die Leserwanderer staunten und verstanden schnell: In der Verenaschlucht ist alles ein wenig anders. Benedikta – vom Ansturm überrascht – beantworte Fragen, führte durch die Kapellen und posierte sogar für Fotos. So funktioniert es also, das Einsiedlerleben 2.0.

Am Schluchtende wiesen eigens dafür beorderte Polizisten dem 200 Meter langen Wanderwurm den Weg über die Strasse.

Wer am Schwanz des Wurms marschierte, konnte den Ausführungen von Wanderführer Peter Wagner unmöglich folgen. Was bei manchen für Unmut sorgte, war für eine Leserin aus Baden ein Segen. «Man muss die Welt mit eigenen Augen sehen», sagte sie. Die wahren Inspirationsquellen, weiss die Wanderin, sind ohnehin die Weggefährten.

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